eGovernment-Lösungen für die Abfallwirtschaft Behörden und Unternehmen entlasten – Bürokratiekosten senken

Autor / Redakteur: Juergen P. Schwarz, Sascha Hoffmann / Gerald Viola

Die Abfallwirtschaft hat sich zu einem bedeutenden Sektor in Deutschland entwickelt. Mehr als 240.000 Angestellte erarbeiten hier einen jährlichen Gesamtumsatz von rund 50 Milliarden Euro. Insgesamt ist das Aufkommen gefährlicher Abfälle seit dem Jahr 2000 von jährlich 15 auf mittlerweile über 20 Millionen Tonnen in Deutschland gestiegen. Pro Jahr wird eine Abfallmenge von rund 5,5 Millionen Tonnen importiert und 2 Millionen Tonnen exportiert. Außerdem werden 400.000 Tonnen durch die Bundesrepublik geleitet.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Diese Zahlen machen deutlich, welche Bedeutung der effizienten Kontrolle sämtlicher Verwertungs- und Entsorgungsketten zukommt. Der Schwerpunkt der Abfallkontrollen liegt derzeit vor allem bei den Transportkontrollen auf der Straße sowie bei der Kontrolle der Abfallnachweise durch die nach jeweiligem Landesrecht zuständigen Stellen.

Prozesse und IT-Systeme der Unternehmen der Abfallwirtschaft (Erzeuger, Beförderer, Entsorger) sowie der Genehmigungs- und Kontrollbehörden bei Bund und Ländern gilt es, besser aufeinander abzustimmen. Nur so lassen sich die wachsenden Abfallströme effizient kontrollieren und steuern.

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Zugleich muss der Aufwand für die Unternehmen reduziert werden: Derzeit erstellen und bearbeiten jährlich rund 250.000 Unternehmen und etwa 320 Behörden bis zu 10.000 Entsorgungsnachweise, 3 Millionen Begleitscheine und 14 Millionen Übernahmescheine – und das alles in Papierform.

Das Projekt eANV

Das Projekt „elektronisches Abfallnachweisverfahren“ (eANV) reagiert auf die Novellierung der Verordnung über die Nachweisführung bei der Entsorgung von Abfällen. Im Rahmen dieses Projekts wird der vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erstellte und von der Umweltministerkonferenz UMK gebilligte Umsetzungsvorschlag für ein elektronisches Abfallnachweisverfahren realisiert. Das Projekt ist mit Beschluss des Bundeskabinetts vom 28. Februar 2007 in den Umsetzungsplan 2007 zum Programm „eGovernment 2.0 – Das Programm des Bundes“ aufgenommen worden.

Laut Abfallnachweis-Verordnung wird ab dem April 2010 für alle am Prozess der Entsorgung gefährlicher Abfälle Beteiligten die elektronische Nachweisführung verpflichtend. Der nächste Schritt erfolgt ab Februar 2011: Ab diesem Datum wird die Nutzung der qualifizierten elektronischen Signatur anstelle der händischen Unterschrift zwingend erforderlich. Mit diesem Zeitpunkt ist das eANV in seiner endgültigen Form eingeführt.

In dem Projekt eANV arbeiten die zuständigen Aufsichtsbehörden der Länder mit der Wirtschaft und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) zusammen. Die Länder sind vertreten durch die Länderarbeitsgruppe „Gemeinsame Abfall-DV-Systeme“ (LAG GADSYS) der 16 Bundesländer und ihre Geschäftsstelle, die Informationskoordinierende Stelle Abfall-DV-Systeme (IKA). Die Wirtschaftsvertreter kommen aus abfallerzeugenden Unternehmen, Transport- und Entsorgungsunternehmen. Aufgrund seines hohen Innovationsgehalts unterstützt das Bundesministerium des Innern (BMI) das Projekt im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung.

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Die IBM-Softwarelösung

Die Beratungssparte Global Business Services der IBM Deutschland wurde gemeinsam mit den Partnern Consist Software Solutions GmbH, Kiel und Consist ITU Environmental Software GmbH, Hamburg mit der Konzepterstellung, Entwicklung und Einführung der Lösung „Zentrale Koordinierungsstelle Abfall“ (ZKS-Abfall) beauftragt. Der Partner SecCommerce Informationssysteme GmbH, Hamburg steuert eine für ZKS-Abfall erweiterte Signaturanwendungskomponente bei.

Grundlage des eANV-Verfahrens ist eine zentrale Kommunikationsplattform, das heißt, ein funktionales Portal, welches auf dem Government Site Builder (GSB) des Bundes basiert und die Virtuelle Poststelle (VPS) Governikus mit integriert. Über die VPS des Bundes und der Länder wird die Kommunikation zwischen Wirtschafts- und Behördenseite sowie zwischen den Abfallwirtschaftsbeteiligten sicher, nachvollziehbar und vertraulich abgewickelt.

Mit SAGA und OSCI

Eine besondere Rolle spielt die Unterstützung des in SAGA „Standards und Architekturen für eGovernment-Anwendungen“ für das Behördenumfeld vorgesehenen Transportprotokolls OSCI-Transport (Online Services Computer Interface) durch die VPS. Durch diese Lösung können alle Teilnehmer am Verfahren über Postfächer miteinander kommunizieren. Das OSCI-Transportprotokoll erfüllt durch moderne Verschlüsselungstechnologien die hohen Standards, die an die Datensicherheit gestellt werden. Die Behörden können von ihrem Abfallüberwachungssystem ASYSe aus über einen OSCI-Client auf ihre Postfächer in der ZKS-Abfall zugreifen. Die Wirtschaftsunternehmen, die eine Software einsetzen, verwenden ihren eigenen OSCI-Client. Für die Unternehmen, die über den Web-Server auf die ZKS-Abfall zugreifen, verwaltet das Länder-eANV den Zugriff auf ihr OSCI-Postfach.

Die Lösung ZKS-Abfall ist skalierbar angelegt und erfüllt damit höchste Anforderungen an die Performance. So ist sichergestellt, dass in einer späteren Ausbaustufe mehr als die zunächst prognostizierten 50.000 Anwender hoch performant bedient werden können. Dazu werden bewährte und zukunftsfähige Technologien und Architekturen wie Java und WebServices eingesetzt. Zunächst wird die Lösung in der Regel auf Basis von BundOnline-Basiskomponenten und von Open Source Software realisiert. Sie ist jedoch erweiterbar konzipiert, sodass sie beispielsweise auch auf IBM Middleware migriert werden kann.

Die Lösung unterstützt den Lebenszyklus eines Dokuments der Nachweisverordnung (beispielsweise eines Begleitscheins) durchgängig elektronisch. Die Wirtschaft wird von Beginn an eingebunden. Der Austausch mit den künftigen Anwendern setzt bereits in der Konzeptionsphase ein und wird während der Projektdauer konsequent fortgesetzt.

Beitrag zum Bürokratieabbau

Das Projekt im Rahmen von eGovernment 2.0 hat zum Ziel, die Abfallbehörden sowie die betroffene Wirtschaft von unnötiger Bürokratie zu entlasten, gleichzeitig die Effizienz der abfallrechtlichen Überwachung zu stärken sowie die Sicherheit der Daten zu gewährleisten.

Darüber hinaus entlastet die elektronische Nachweisführung die Behörden bei ihren Kontrollaufgaben und erhöht die Verfügbarkeit der Daten, somit wird die Auswertung der Daten vereinfacht. Weiterhin werden infolge einheitlicher Standards der Datenformate (standardisierte Datenschnittstelle) Fehler im Verfahrensvollzug sowohl aufseiten der Unternehmen als auch der Öffentlichen Verwaltungen reduziert.

Das Projekt leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Abbau der Bürokratiekosten im Rahmen des Regierungsprogramms eGovernment 2.0 sowie zur gemeinsamen Vereinbarung von Wirtschaft und Verwaltung, ab 2011 ausschließlich elektronisch miteinander zu kommunizieren.

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