Energiemanagement Beeindruckende Öko-Bilanz bei Züricher Energieversorger

Autor / Redakteur: Detlev Spierling / Susanne Ehneß

Durch ein modernes, Internet-gesteuertes Energie­managementsystem reduziert die Stadt Zürich ihren CO2-Ausstoß jährlich um über 25.000 Tonnen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei ein Internetportal, mit dem die Stadt alle relevanten Energiewerte großer städtischer Anlagen und Liegenschaften zentral erfasst, überwacht, steuert und auswertet.

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Zürich – Aussicht von der Waid
Zürich – Aussicht von der Waid
(Bild: Stadt Zürich)

Das „EDL-Internetportal“ ist eine Entwicklung des Schweizer Technologieunternehmen MST Systemtechnik und will Kommunen und Stadtwerken eine anwenderfreundliche und sichere Web-basierende Online-Plattform zum Überwachen, Bedienen und Verwalten ihrer Anlagen und Gebäude bieten. Die Abkürzung EDL steht dabei für „Energiedienstleistung“.

Die Lösung für die Stadt Zürich hat der Anbieter gemeinsam mit dem städtischen Energiedienstleister ewz – ein Tochterunternehmen der Stadt Zürich – auf die spezifischen Anforderungen ­Zürichs ausgerichtet. Mit dem integ­rierbaren Energiemanager können die Energieverbräuche aller angebundenen Anlagen zentral über das Portal erfasst, ausgewertet und optimiert werden.

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Weniger Energieverbrauch

Diese wichtige Funktion wird in der knapp 400.000 Einwohner ­großen Stadt genutzt, um über das EDL-Portal den gesamten Energieverbrauch von fast 200 städtischen Anlagen deutlich und nachhaltig herunter­zufahren. Die Tochtergesellschaft konnte dadurch den jährlichen CO2-Ausstoß ihrer Anlagen bis heute bereits um beachtliche 19.700 Tonnen reduzieren.

Dabei kann ewz die technischen Anlagen einerseits optimal und effizient(er) betreiben und mit Energie versorgen, andererseits mögliche Störungen wesentlich rascher erkennen, melden und beheben. Das EDL-Portal stellt exakt diese Funktionen zur Verfügung und bildet somit die Grundlage zur Erbringung einer effizienten Energiedienstleistung.

Ein technisch entscheidender Erfolgsfaktor dabei ist die hohe Kompatibilität und Systemunabhängigkeit der Online-Plattform, an die beliebige Automationssysteme und Energieversorgungsanlagen unterschiedlicher Hersteller virtuell angebunden werden können.

„Dank unserer engen Entwicklungszusammenarbeit ist das EDL-Portal auf uns als Energie-Contractor abgestimmt. Der neue Energiemanager lässt komplexere Energieauswertungen zu und bringt uns eine optimale Kostenkontrolle”, erläutert ewz-Leiter Martin Bucher ­(siehe Interview unten).

Als weiteres städtisches Unternehmen setzt die Immobilienbewirtschaftung der Stadt Zürich ebenfalls auf das EDL-Portal und kann damit auch eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorweisen: Heute wird darüber die Energieversorgung von bereits rund 1.600 Liegenschaften gesteuert, deren CO2-Ausstoß dadurch jährlich um 6.550 Tonnen reduziert werden konnte.

Lesen Sie weiter, für welche Kunden das Portal interessant sein dürfte.

Interessierte Kommunen

„Für Betreiber mehrerer Anlagen ist das EDL-Portal die ideale Lösung“, betont Christoph Müller, Geschäftsführer der MST Deutschland. „Derzeit bietet kein anderes System auf dem Markt die vielfältigen Alarmierungs- und Auswertungsmöglichkeiten unseres herstellerunabhängigen Portals, das bereits von mehreren großen Schweizer Städten und Energie-Contractern erfolgreich eingesetzt wird“, so Müller.

Auch mit verschiedenen deutschen Kommunen seien die Anbieter bereits im Gespräch.

Fazit

Neben der hohen Kompatibilität mit den Systemen und Komponenten unterschiedlicher Hersteller hat den Energiedienstleister ezw vor ­allem die Anwenderfreundlichkeit der Portallösung von MST Systemtechnik überzeugt.

Denn egal ob Sachbearbeiter, Manager oder Techniker: Alle können über das Portal standortunabhängig sicher ­virtuell auf einzelne Anlagen und Leitsysteme zugreifen – etwa zur effizienten Bearbeitung von Störungen, zur Fernwartung oder zur Nutzung spezieller Energiemanagementfunktionen. Dafür wird keine zusätzliche Software, sondern lediglich ein Web-Browser benötigt.

Jedem Anwender können individuelle, rollenbasierte Nutzungsrechte für bestimmte Funktionen zugeteilt werden. Sämtliche Zu- und Eingriffe auf die Anlagen werden dabei automatisch protokolliert.

Auf der nächsten Seite erläutert ewz-Leiter Martin Bucher im Interview mit eGovernment Computing die Schlüsselrolle des Portals.

Interview

Herr Bucher, ewz nimmt unter den Schweizer Energieversorgern eine Vorreiterrolle in puncto Ökologie ein. Welchen Stellenwert hat dabei das von Ihnen genutzte EDL-Portal?

Bucher: Das Geschäftsfeld „Energiedienstleistungen“ ist das Kompetenzzentrum für Wärme- und Kälteversorgungslösungen. Als Energie-Contractor verkaufen wir unseren Kunden Nutzenergie zu einem exakt definierten Preis verbunden mit einem ökologischen Versprechen. Energieeffizienz ist somit für uns ein wirtschaftlich relevanter Faktor. Weichen die Anlagen im Betrieb von einem optimalen Effizienzpfad ab, so sinken unsere Marge und unser Ertrag.

Ebenso verhält es sich mit der Ökologie. Kann eine Anlage nicht in der optimalen Bandbreite betrieben werden, muss mit ökologisch minderwertigeren Energieträgern ausgeglichen werden. Damit sinkt der ökologische Deckungsgrad der Anlage und damit verbunden unsere Wirtschaftlichkeit. Zu guter Letzt können wir unser Leistungsversprechen in Bezug auf Ökologie nicht einhalten.

Die Steuerung und Überwachung unserer Anlagen mittels EDL-Portal ist daher für uns von zentraler Bedeutung. Die Profitabilität des Geschäftsfeldes und die Kundenzufriedenheit sind davon unmittelbar betroffen.

Durch welche Faktoren konnten Sie mithilfe des EDL-Portals die CO2-Reduktionen erzielen?

Bucher: Das EDL-Portal unterstützt uns, unsere Anlagen im optimalen Grenzbereich zu betreiben. Die wesentlichen Faktoren sind dabei die permanente Überwachung der Performance unserer Wärmepumpen- und Kälteanlagen, welche laufend anhand der aktuellen Messdaten erfolgt sowie der Fernzugriff für effizientes Störungsmanagement. Der große Teil der CO2-Reduktion ist auf die Umstellung des Hauptenergieträgers zurückzuführen. Mithilfe des im EDL-Portal integrierbaren Energiemanagers konnten wir diese Umstellung wesentlich besser und einfacher organisieren und kontrollieren. Zudem bietet uns das Portal die Möglichkeit, die Anlagen detailliert und präzise zu überwachen und zu managen. Damit ist die Voraussetzung für eine weitere Steigerung im Rahmen einer kontinuierlichen Verbesserung gegeben – jedoch zunehmend im bescheidenen Bereich.

Welchen besonderen Ansprüche hatte die Stadt Zürich? Lesen Sie weiter!

Richtungsweisend für die Weiterentwicklung der Portallösung waren die Anforderungen von ewz, die aus den Erfahrungen als Energiedienstleister der Stadt Zürich resultieren. Welche speziellen Anforderungen spielten dabei eine Rolle?

Bucher: Wesentlich war für uns der Wunsch, die Anlagen aus einer zentralen Einheit zu steuern und zu überwachen. Weiter spielte die Zugangsmöglichkeit über das Internet eine große Rolle, sodass unsere Betriebsfachleute von jedem Standort aus über eine „normale“ Standard-IT-Infrastruktur auf die Anlage zugreifen können, selbstverständlich mit den notwendigen Sicherheiten versehen. Zu guter Letzt spielte die Visualisierung eine wichtige Rolle.

Die optische Wahrnehmung von Anlagenzuständen ist eine Voraussetzung, spezifische Situationen schnell zu erfassen und zu beurteilen. Ebenso war es uns wichtig, dass die Alarme aller Anlagen an einem Ort zentral zusammengefasst und von da aus weiterverarbeitet werden können.

Auch die Sicherheit unserer Betriebsmitarbeiter konnte mit dem EDL-Portal als Basis gesteigert werden. Da diese oft allein arbeiten, können wir mit dem EDL-Guard, einer Sicherheits-App des Portals, die Anlagenzutritte und -austritte überwachen und feststellen, ob ein Mitarbeiter – etwa infolge eines Unfalles – überfällig sein sollte.

Martin Bucher
Martin Bucher
(Bild: ewz)

Bieten Sie das EDL-Portal auch Ihren externen Kunden zum Beispiel im Rahmen von Energie-Contracting-Verträgen an?

Bucher: Nein, als Energiecontractor versuchen wir, den Kunden von den technischen Details zu entlasten. Wir beherrschen die gesamte Komplexität einer Anlage – das gehört zu unseren Kompetenzen. Der Kunde profitiert von einer zeitgerechten und qualitativ einwandfreien Energielieferung, entsprechend seiner „Bestellung“. Einen Teilzugriff auf die effektiven Verbrauchsdaten, entsprechend dem abzurechnenden Energiezähler werden wir in naher Zukunft anbieten können. Die CO2-Emmissionen weisen wir auf den Rechnungen aus.

Welche Funktionserweiterungen im Portal wünschen Sie sich?

Bucher: Die weitere Entwicklung wird sich im Wesentlichen um das Themenfeld Energieauswertung drehen. Der Bedarf, einzelne Zustände nicht nur als Wert wahrzunehmen, sondern diese im Kontext mit Referenzgrößen automatisch zu beurteilen, wird immer wichtiger – nicht zuletzt auch wegen der Größe des Anlageportfolios. Weiter wird die Zusammenfassung von wichtigen Daten für das Gesamtenergiemanagement eines Contractors entscheidend. Dadurch lassen sich Portfoliobetrachtungen ermöglichen und Skaleneffekte realisieren. Ein weiterer Aspekt wird die Integration von spezifischen „Facility Management“-Funktionen sein.

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