Digitalisierung

Baden-Württemberg hängt den Bund ab

| Autor: Manfred Klein

Tradition,hier das stuttgarter Schloss, und Moderne sind in Baden-Württemberg kein Widerspruch
Tradition,hier das stuttgarter Schloss, und Moderne sind in Baden-Württemberg kein Widerspruch (Bild: © Cleo – stock.adobe.com)

Laut der vom Marktforschungsunternehmen Kantar TNS erstellten Studie „Wirtschaftsindex DIGITAL“ hat das Bundesland Baden-Württemberg den Bund in Sachen Digitalisierung überholt. Das gilt vor allem für den Digitalisierungsgrad in Großunternehmen. Manche Branchen haben jedoch auch im „Ländle“ Nachholbedarf.

Laut Wirtschaftsindex DIGITAL, den Kantar TNS und das ZEW im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg im „Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL Baden-Württemberg“ veröffentlicht haben, erreicht Baden-Württemberg beim Digitalisierungsgrad seiner gewerblichen Wirtschaft 55 von 100 möglichen Indexpunkten. Die Befragten erwarten bis 2022 mit einer Steigerung von vier Indexpunkten auf 59 Punkte ein hohes Digitalisierungstempo. Der Digitalisierungsgrad von Baden-Württemberg ist zu beiden Zeitpunkten um jeweils einen Punkt höher als auf Bundesebene.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Baden-Württemberg liegt im Wirtschaftsindex DIGITAL bei 55 von 100 möglichen Indexpunkten
  • Großunternehmen sind in Baden-Württemberg stärker als auf Bundesebene digitalisiert – Mittelstand zeigt jedoch auch Nachholbedarf in der Digitalisierung
  • IKT-Branche ist am stärksten digitalisiert
  • Höchstes Digitalisierungstempo im Maschinen- und Fahrzeugbau bis 2022 zu erwarten
  • Handwerk ab 2022 „durchschnittlich“ digitalisiert – wie auch der Handel
  • Gastgewerbe ab 2022 „niedrig“ digitalisiert

Nachholbedarf im Mittelstand

Die Verfasser gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren die Digitalisierung der Großunternehmen in Baden-Württemberg (2017: 54 Punkte, 2022: 60 Punkte) stärker als im Bundesgebiet Fahrt aufnehmen wird (2017: 54 Punkte, 2022: 58 Punkte). „Digitalisierungsfortschritte sind in diesen Unternehmensgrößenklassen von besonderer gesamtwirtschaftlicher Bedeutung“, kommentiert Tobias Weber, Director, Kantar TNS diese erfreulichen Ergebnisse, „weil ein Großteil der Umsätze der Gewerblichen Wirtschaft auf Großunternehmen entfällt“.

Der Digitalisierungsgrad des baden-württembergischen Mittelstands wird dagegen auch künftig unter dem durchschnittlichen Digitalisierungsgrad der baden-württembergischen Gewerblichen Wirtschaft liegen. „Der Mittelstand muss zum Treiber der digitalen Transformation werden“, so Weber weiter. „In der künftigen Digitalpolitik sollte deshalb ein besonderer Fokus auf die Steigerung des Digitalisierungsgrads der mittelständischen Unternehmen gelegt werden“, appelliert er an die Politik.

Deutliche Unterschiede beim Stand der Digitalisierung nach Branchen

Die mit Abstand am stärksten digitalisierte Branche ist die IKT-Branche (2017: 74, 2022: 79 Indexpunkte). „Überdurchschnittlich“ digitalisiert sind die wissensintensiven Dienstleister sowie die Kreativwirtschaft (jeweils 62 Punkte im Index 2017), die Finanz- und Versicherungsdienstleister (61 Punkte) sowie der Handel (55 Punkte), der unter Berücksichtigung der Nachkommastellen ganz leicht über dem durchschnittlichen Digitalisierungsgrad der Gewerblichen Wirtschaft 2017 liegt.

Die befragten Unternehmen erwarten, dass der Handel bis 2022 nur um einen Indexpunkt im Digitalisierungsgrad vorankommt. Die Branche liegt dann unter dem Durchschnitt des Digitalisierungsgrads der Gewerblichen Wirtschaft von 59 Punkten.

Ergänzendes zum Thema
 
Studiensteckbrief

„Durchschnittlich“ digitalisiert sind im Jahr 2017 der Maschinen- und Fahrzeugbau, der 50 Punkte im Index erreicht. Bis zum Jahr 2022 wird sich hier der Digitalisierungsgrad mit einer Steigerung von zehn Indexpunkten am stärksten über alle Branchen erhöhen, sodass der Maschinen- und Fahrzeugbau dann „überdurchschnittlich“ digitalisiert sein wird.

„Durchschnittlich“ digitalisiert sind und bleiben Verkehr und Logistik (2017: 46 Punkte), Bauwirtschaft (2017: 45 Punkte), Chemie und Gesundheitsindustrie (43 Punkte), das Sonstige Verarbeitende Gewerbe sowie das Gastgewerbe (2017: jeweils 41 Punkte). Der Digitalisierungsgrad des Handwerks wird bis 2022 um vier Indexpunkte steigen, was dazu führt, dass das Handwerk dann mit 42 Punkten „durchschnittlich“ und nicht mehr „niedrig“ digitalisiert sein wird. Der Digitalisierungsgrad des Gastgewerbes wird dagegen bis 2022 auf 36 Punkte zurückgehen, so dass es „niedrig“ digitalisiert als Schlusslicht des Branchenrankings verbleibt.

Der Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL Baden-Württemberg liegt in Form einer Langfassung und Kurzfassung vor. Ferner wird in gesonderten Berichten (jeweils ca. 70 Seiten) der Digitalisierungsgrad der Kernbranchen dargestellt. Alle Berichte und zentrale Grafiken zur Studie stehen zum Download bereit.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45135760 / Land)