Fachkongress des IT-Planungsrates Austauschformat und Leistungsschau gleichermaßen

Autor: Manfred Klein

Der 9. Fachkongress des IT-Planungsrates findet am 17.und 18. März statt. Gastgeber ist in diesem Jahr der Freistaat Sachsen. eGovernment Computing sprach mit dem CIO des Freistaats, dem Staatssekretär für Digitale Verwaltung und Verwaltungsmodernisierung, Thomas Popp, über die Ziele der Veranstaltung und den Stand der OZG-Umsetzung.

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Staatssekretär für Digitale Verwaltung und Verwaltungsmodernisierung, und CIO des Freistaates Sachsen, Thomas Popp: „Die OZG-Umsetzung verändert grundlegende Prozesse und berührt damit die Arbeitsweise tausender Verwaltungsbediensteter“
Staatssekretär für Digitale Verwaltung und Verwaltungsmodernisierung, und CIO des Freistaates Sachsen, Thomas Popp: „Die OZG-Umsetzung verändert grundlegende Prozesse und berührt damit die Arbeitsweise tausender Verwaltungsbediensteter“
(© Sächsische Staatskanzlei)

Herr Popp, Sachsen richtet in der nächsten Woche den Fachkongress des IT-Planungsrats aus und wegen Corona findet der Kongress ausschließlich virtuell statt. Was können die Teilnehmer erwarten?

Popp: Eine Premiere! Dies wird der erste Fachkongress des IT-Planungsrats sein, der im digitalen Format und unter den Unsicherheiten der Corona-Pandemie geplant und durchgeführt wird. Wir haben uns als Ausrichterland auf die Fahnen geschrieben, trotz der weit verteilten Standorte unserer Teilnehmenden eine gute Kongressatmosphäre zu schaffen. Dazu soll einerseits das abwechslungsreiche Programm mit den drei Schwerpunktthemen „OZG-Umsetzung“, „Digitale Souveränität“ und „Verwaltung der Zukunft“ beitragen.

Andererseits wird das digitale Format einem viel größeren Publikum die Chance geben, sich einzubringen. Ich sehe das so: Die Themen, die an den beiden Kongresstagen präsentiert und diskutiert werden, interessieren nicht nur ein paar Hundert Verwaltungsfachleute, sondern alle an der OZG-Umsetzung Beteiligten. Dank ausgefeilter Technik können wir diesem erweiterten Adressatenkreis in allen Verwaltungsebenen die Teilnahme anbieten. Dank dem Werkzeug „come2interact“ können die Zuschauenden selbst aktiv werden, in dem sie Bewertungen abgeben, Fragen stellen oder sich an Live-Umfragen beteiligen.

In Pandemiezeiten haben diverse Veranstalter auf rein digitale Formate gesetzt statt die Events komplett abzusagen. Die meisten dieser digitalen Formate funktionieren auch und haben sich quasi als Alternative etabliert, insbesondere dann, wenn der Kontext der Veranstaltung ohnehin Digitalisierung ist. Gehören Ihrer Meinung nach Präsenzveranstaltungen damit der Vergangenheit an?

Popp: Ich sehe den großen Vorteil von digitalen Formaten darin, dass sie einem breiteren Publikum zugänglich sind, ohne dass die Kosten dafür aus dem Ruder laufen. Auch ist auf Seiten der Teilnehmenden ein digitaler Kongress vorab mit weniger Aufwand verbunden. Denn zeit- und kostenaufwendige Dienstreisen fallen weg. Große Reichweite und weniger organisatorischer Aufwand für das Publikum sind tatsächlich der Mehrwert und die Einzigartigkeit unseres ersten digitalen Fachkongresses.

Was hingegen sicherlich vermisst wird, ist der ungezwungene persönliche Austausch, der zu einem Kongresserlebnis einfach dazu gehört. Das kann das zufällige oder gezielt verabredete Pausengespräch sein, der gezielte Erfahrungsaustausch zu einem aktuellen Problem oder die Informationsbeschaffung an den Ständen der Aussteller. Jeder Fachkongress ist ja auch so eine Art „Familientreffen“. Kurzum: Kongresse leben vom fachlichen und persönlichen Gespräch und dem Networking. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir die Vorteile beider Formate kombinieren. Jeder sollte die Wahl haben zwischen einer persönlichen analogen oder einer digitalen Teilnahme. Ich denke, die Hybridformate werden sich künftig durchsetzen.

Bundesweit ist der Informationsfluss in Sachen OZG-Umsetzung in Richtung der Kommunen immer noch alles andere als optimal – nicht nur die OZG-Umsetzung leidet darunter, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Sie selbst wollen einen Vortrag zum Thema „Auf Distanz vernetzt – wie wir künftig zusammenarbeiten“ halten. Ohne Ihrem Vortrag vorgreifen zu wollen, wo sehen Sie die größten Hürden bei der föderalen Zusammenarbeit, nicht nur bei der OZG-Umsetzung, sondern insgesamt bei der Verwaltungsdigitalisierung?

Popp: Ich würde nicht von Hürden oder Hemmnissen sprechen. Dies erweckt den Eindruck, dass wir nur mit viel zusätzlicher Energie etwas voranbringen. Die Kongressagenda ist doch ein gutes Indiz dafür, dass wir längst unterwegs auf dem Weg zur digitalen Verwaltung sind. Es werden viele konkrete Lösungen aufgezeigt. Was wir jetzt brauchen, ist Durchhaltevermögen, Pragmatismus und mehr Veränderungswillen. Diesen kann aber niemand pauschal verordnen. Die Pandemie hat doch deutlich gemacht, welches Potenzial in der Verwaltung steckt. In einer enorm kurzen Zeit wurden vorher undenkbare Umwälzungen vollzogen. Und dies trotz der hohen emotionalen Belastung bei allen Beteiligten. Ich denke, die Pandemie hat etwas in Gang gebracht, dass sich nicht wieder zurückdrehen lässt.

Oft wird für die Behäbigkeit der Verwaltung das Bild des Tankers bemüht. Doch der ist, nach meiner Einschätzung, jetzt auf Kurs und hat Fahrt aufgenommen. Essentiell ist, dass alle das Ziel kennen und sich aktiv am Vorankommen beteiligen. Voraussetzung dafür ist, dass alle wissen, wo sie sich informieren und mit wem sie kommunizieren können. Um dieses Wissen aktiv zu verbreiten, setzen wir in Sachsen auf ein ganzheitliches Veränderungsmanagement. Das muss aber in jeder Organisationseinheit auf allen Verwaltungsebenen angenommen und vor Ort mit eigenen Maßnahmen umgesetzt werden.

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