Aufbruchstimmung im eHealth

Redakteur: Manfred Klein

Die Gematik GmbH ist für die Schaffung einer sicheren IT-Infrastruktur im Gesundheitswesen zuständig. Wir sprachen mit Stefan Höcherl, Leiter des Bereichs Strategie bei der Gematik, über Herausforderungen und Chancen.

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Die Gematik setzt auf vertrauensbildende Maßnahmen
Die Gematik setzt auf vertrauensbildende Maßnahmen
(Bild: tippapatt - stock.adobe-com)

Herr Höcherl, seit der Bund die Mehrheit bei der Gematik übernommen hat, ist viel geschehen. Wie würden Sie den aktuellen Stand der Umsetzung der Digitalisierung im Gesundheitswesen beschreiben?

Höcherl: Es ist in dieser Zeit tatsächlich viel angestoßen worden. Ich würde die aktuelle Entwicklung gern unter dem Begriff „Aufbruchstimmung“ zusammenfassen. Die Politik hat den juristischen Handlungsrahmen – nicht nur für die Gematik – ja deutlich erweitert und neu definiert. Hier bei der Gematik sind wir im Augenblick dabei, zusammen mit den anderen Akteuren und den Gesellschaftern diesen Rahmen mit Leben zu füllen. Jetzt, da wir die ersten richtigen Anwendungen auf dem Markt haben – bislang waren wir ja hauptsächlich mit der Bereitstellung grundlegender Dienste befasst, die für die Anwender kaum sichtbar sind –, bekommen wir auch erstmals konkrete Alltagserfahrungen als Feedback. Das erlaubt es uns, das Thema Akzeptanz ganz neu anzugehen. Und mit dem eRezept, der elektronischen Patientenakte (ePA) und all den anderen neuen Anwendungen, die noch folgen werden, wird nun immer klarer werden, welche enormen Mehrwerte die Digitalisierung im Gesundheitswesen für alle Akteure – für Patienten ebenso wie für Beschäftige – bringen wird.

Stefan Höcherl, Leiter des Bereichs Strategie & Europa in der Gematik
Stefan Höcherl, Leiter des Bereichs Strategie & Europa in der Gematik
(Bild: Die Hoffotografen Berlin)

Um das zu erreichen, haben wir in den vergangenen Monaten viele wichtige Weichenstellungen vorgenommen. So entwickeln wir beispielsweise den TI-Messenger, denn viele Beschäftigte im Gesundheitswesen wünschen sich einen sicheren Messenger-Dienst für eine schnelle und sichere Kommunikation untereinander. Vor dem Hintergrund des Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG) und den Vorgaben zu digitalen Identitäten und verbindlicher Standardisierung entwickeln wir die Telematikinfrastruktur (TI) entsprechend weiter – hin zu einer TI 2.0. Mit der ePA haben wir eine erste Anwendung live. Auch das eRezept wird in den nächsten Monaten flächendeckend ausgerollt, da wir zum Jahres­beginn 2022 der Anwendungspflicht bundesweit gerecht werden müssen. Das heißt, dort werden wir jetzt eine stetig steigende Nachfragekurve ­sehen.

Gleiches gilt meiner Meinung nach auch für die Digitalen Pflegeanwendungen (DiPA) und die Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA). Diese werden insbesondere Menschen ansprechen, die sich aktiv mit ihrer Gesundheit auseinandersetzen wollen oder müssen. Aber auch für Organisationen im Gesundheitswesen werden diese neuen Verfahren zahlreiche Verbesserungen und neue Anwendungen bringen. Wie gesagt, ich gehe davon aus, dass das, was ich für dieses Jahr noch als Aufbruchstimmung beschrieben habe, im kommenden Jahr richtig Fahrt aufnehmen wird. Ich glaube, die Früchte unserer gemeinsamen Arbeit werden wir 2023/ 2024 ernten können.

Sie zeichnen damit ein optimistisches Bild. Doch gerade die ePA zeigt, dass es noch viel Beharrungsvermögen gibt. So machen die Krankenkassen ihre Kunden praktisch kaum auf die elektronische Patientenakte aufmerksam; zudem wird der Zugang durch komplexe und uneinheitliche Authentifizierungsverfahren unnötig erschwert.

Höcherl: Uns ist klar, dass die ePA eine lange Entstehungsgeschichte hat. Für uns sind aber ein stabiler Betrieb und eine möglichst große Benutzerfreundlichkeit ganz wesentliche Elemente. Diese haben wir in den vergangenen Monaten verstärkt in den Fokus genommen. Das erklärt auch, weshalb wir überhaupt das Thema Telematikinfrastruktur 2.0 sowie die Modernisierung der ihr zugrundeliegenden Strukturen und eine Vereinfachung der verwendeten Dienste vorantreiben. Wir wissen, dass jede Einführung eines solchen neuen Tools nicht einfach ist und dass man auf jeden Fall eine Early-Adopter-Gruppe braucht, die die Anwendung vorantreibt. Wir werden jede Möglichkeit und jedes neue Release dazu nutzen, das Nutzerfeedback einzufangen und die Nutzerfreundlichkeit weiter zu verbessern.

Ich selbst wurde übrigens von meiner Krankenkasse vorbildlich über den Start der elektronischen Patientenakte informiert und auch gefragt, ob ich teilnehmen möchte. Ich bin mir sicher, dass auch bei allen anderen Krankenkassen die Kommunikation schon in den kommenden Wochen stufenweise hochgefahren werden wird, sodass wir einen kontinuierlichen Rollout erleben werden. Ähnliche Fortschritte erleben wir derzeit auch beim eRezept.

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