Interview

Aufbau von Governance-Strukturen erforderlich

02.11.2009 | Redakteur: Manfred Klein

Cornelius Everding, CPIO des Landes Brandenburg will eGovernment nach vorne bringen
Cornelius Everding, CPIO des Landes Brandenburg will eGovernment nach vorne bringen

Cornelius Everding, CPIO des Landes Brandenburg, gehört zu den wenigen Verantwortlichen in Deutschland, die eGovernment nicht nur als technologisches Problem sehen. Everding weiß, dass erfolgreiches eGovernment auch eine Frage der beteiligten Menschen und der Prozesse ist.

eGovernment Computing befragte ihn zu seiner Auffassung und den anstehenden Projekten.

Herr Everding, Sie koordinieren nun seit gut einem Jahr als Chief Process Innovation Officer (CPIO) die IT-Steuerung und das eGovernment-Programm des Landes Brandenburg. Wie schätzen Sie die eGovernment-Entwicklung in Brandenburg nun ein?

Everding: Wir durchleben derzeit eine sehr wichtige Phase des eGovernment-Prozesses, sowohl was die organisatorischen Strukturen als auch die laufenden Projekte angeht. Wir haben zu Beginn dieses Jahres unsere Lenkungsstrukturen reformiert und die Steuerung des eGovernment-Prozesses gestrafft. Wir sehen jetzt bereits, dass die neue Organisationsstruktur eine effiziente und effektive Kommunikation ermöglicht und die IT-Zielumsetzung befördert. Darüber hinaus haben wir mit der Errichtung des Brandenburgischen IT-Dienstleisters (ZIT-BB) Anfang des Jahres entscheidende Weichenstellungen für die künftige Entwicklung im Bereich IT und eGovernment vorgenommen. Das Direktorium und die Geschäftsbereichsleitungen sind mittlerweile besetzt und der Aufbauprozess ist in vollem Gange.

Konzentration ist angesagt bei der EU-Dienstleistungsrichtlinie, deren Umsetzung sich in der Schlussphase befindet. In Brandenburg wird der Einheitliche Ansprechpartner (EAP) als Einrichtung im Geschäftsbereich des Wirtschaftsministeriums errichtet. Derzeit arbeiten wir mit dem Wirtschaftsministerium intensiv an der Umsetzung der IT-Lösung für den Einheitlichen Ansprechpartner.

Bei den Fach- und Querschnittsverfahren sind wir gut vorangekommen. Beispielsweise ist der Service der elektronischen Vergabeplattform des Landes erweitert worden. Die Vergabestellen können die Verdingungsunterlagen mittlerweile elektronisch bereitstellen und auch die elektronische Angebotsabgabe zulassen. Mit unserer Strategie zum Einsatz des IT-gestützten Dokumenten- und Vorgangsbearbeitungssystems EL.DOK BB haben wir im diesjährigen bundesweiten eGovernment-Wettbewerb im Bereich Strategie mit dem ersten Platz wieder überzeugen können. Zusätzlich setzen wir mit dem Virtuellen Bauamt einen komplexen Kollaborationsprozess um: In enger Abstimmung mit Architekten und Ingenieuren testen derzeit einige unserer Unteren Bauaufsichtsbehörden eine Kollaborations-Plattform in einem Probe-Echtbetrieb.

Im Bereich der Bürgerorientierung ist vor dem Hintergrund der Web-2.0-Diskussionen das Projekt „Maerker.Brandenburg.de“ entstanden. Bürger haben hier die Möglichkeit, ihre Gemeinde- oder Stadtverwaltung online auf Missstände und Verbesserungsideen in der kommunalen Infrastruktur hinzuweisen. Mittlerweile haben sich zehn Kommunen, darunter auch die Landeshauptstadt Potsdam, dem Projekt angeschlossen. Auch auf die Unternehmen setzen wir weiterhin einen Fokus: Das Wirtschaftsministerium hat auf der Grundlage eines Landtagsbeschlusses den ersten Prototypen einer multimedialen Internetplattform zur Vermarktung und Strukturentwicklung des Wirtschaftsstandortes Brandenburg entwickelt. Und im Bereich der Informationspflichten haben wir relevante Prozessketten zwischen Unternehmen und der Öffentlichen Verwaltung in Brandenburg identifiziert. Für uns ist das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum ebenenübergreifenden eGovernment und sicherlich ein Erfolg der engen Zusammenarbeit mit den Wirtschaftskammern.

Nächste Seite: Problemstelle Öffentlicher Haushalt

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 2041579 / Projekte & Initiativen)