Pilotprojekt in Lichtenfels

Auf der Suche nach den Funklöchern

| Autor: Susanne Ehneß

(v. l.) Mats Nordström, Geschäftsführer IQMTEL, Landrat Christian Meißner und Björn Meschenmoser, Leiter Geschäftsfeld Deutschland IQMTEL, mit dem Messrucksack für Wanderwege
(v. l.) Mats Nordström, Geschäftsführer IQMTEL, Landrat Christian Meißner und Björn Meschenmoser, Leiter Geschäftsfeld Deutschland IQMTEL, mit dem Messrucksack für Wanderwege (© Landratsamt Lichtenfels)

Mit ungewöhnlichen Mitteln überprüft Lichtenfels die Mobilfunk­abdeckung im Landkreis. Nun liegt der erste Netzbericht vor.

Im Rahmen eines außergewöhnlichen Pilotprojekts hat sich der Landkreis Lichtenfels auf die ­Suche nach weißen Flecken im Mobilfunknetz begeben. Hierzu wurden Müllfahrzeuge mit Messtaschen und Handys ausgestattet, die während der Fahrt die Netzabdeckung und Empfangsqualität in den Bandbereichen 2G, 3G und 4G über die Betreiber O2-Telefonica, Telekom und Vodafone messen.

Die Müllwagen übernehmen die bebauten Gebiete des oberfränkischen Kreises, für die Messung auf Radwegen übernimmt der Kreisbauhof. Für Wanderwege steht ein entsprechend ausgerüsteter Rucksack parat.

Kostengünstig

„So gelingt es, kostengünstig eine weitgehend flächenabdeckende Messung zu erreichen“, heißt es aus dem Landratsamt Lichtenfels. Die Ergebnisse werden von den Mess-Handys in eine Cloud übermittelt und dann ausgewertet, so dass laut Landrat Christian Meißner keine teuren Messfahrzeuge gemietet werden müssen.

„Es freut mich, dass wir die Ersten deutschlandweit sind, die dieses Projekt starten“, betont Meißner. „Im digitalen Zeitalter ist es unabdingbar, die bestmögliche Mobilfunkabdeckung anzustreben. Nachdem diese gerade in länd­lichen Gebieten immer noch nicht gegeben ist, setze ich mich mit aller Kraft für Verbesserungen ein.“

Mit den ersten, nun vorliegenden Ergebnissen will der Landrat „auf Augenhöhe mit den Netzbetreibern verhandeln“, um Verbesserungen zu erreichen, und gleichzeitig ­Förderprogramme von staatlicher Seite anstoßen und nutzen.

Diskussionsgrundlage

Der Netzbericht stammt von der schwedischen Firma IQMTEL, die die Software für die Erfassung der Funklöcher beigesteuert hat. Auf rund 1.800 Seiten werden die erfassten Messergebnisse aufgelistet. Mitte Mai gab es ein Treffen anlässlich der ersten Ergebnisse mit dem Landrat, den örtlichen Bürgermeistern sowie drei Mobilfunkanbietern. „Diese Arbeit ist ein wichtiger Baustein für die Verbesserung der Funknetze im Landkreisgebiet“, betont Landrat Meißner. Die Messungen dienten ihm als Diskussionsgrundlage.

Im Rahmen des Treffens informierten die anwesenden Provider über ihre Planungen. Kai Fischer und Erwin Walch von der Deutschen Telekom gaben bekannt, dass zusätzlich zu den bestehenden mehrere neue Mobilfunkstandorte im Landkreis Lichtenfels vorgesehen seien. Die Telekom betreibe sowohl Verbesserungen für bestehende Kunden als auch eine Reihe von Neubau-Aktivitäten in schlecht oder unversorgten Gebieten.

Christian Schilling als Vertreter der Vodafone GmbH wies darauf hin, dass Vodafone in den vergangenen Monaten in Lichtenfels und Bad Staffelstein bereits zwei Standorte mit LTE ausgestattet und einen Neubau mit allen Technologien realisiert habe. Der Neubau von Masten sei immer sowohl eine ­technische als auch eine finanzielle Herausforderung. Vor allem die Mobilfunkstandorte in abgelegenen Waldgebieten, die eine verbesserte Versorgung bringen können, seien aufgrund der weiten Zuleitungen besonders komplex um­zusetzen.

Alle drei Vertreter sprachen den Ausbau der Netze im Rahmen der Eigenwirtschaftlichkeit an. Thomas Lichtenberger von Telefonica Deutschland meinte, dass zunächst die Erfüllung der Versorgungs­auflagen aus der letzten Frequenzversteigerung bei jedem Netzausbau Vorrang habe. Darüber hinaus stünden die Anpassungen an die sich laufend ändernden Bedürfnisse der Kunden im Fokus. Für den Vertreter des Mobilfunkanbieters Telefonica stehe die Beseitigung von Problemfällen an Priorität drei.

Für Förderung vorbereiten

Für die anwesenden Behörden­vertreter gab es also reichlich Input. Im Zusammenhang mit dem geplanten Förderprogramm des Bayerischen Wirtschaftsministeriums konnten die Rathauschefs laut Landratsamt mitnehmen, dass es derzeit sehr wohl sinnvoll sei, die Mobilfunklöcher in ihren Kommunen anzugehen und quasi als „Schubladenprojekte“ vorzubereiten, um dann bei Vorlage des Förderprogramms – voraussichtlich im Herbst dieses Jahres – zügig in die Beantragung einsteigen zu ­können.

Aktuell seien die Rathäuser gebeten, die identifizierten Mobil­funklöcher, wie sie im Netzbericht niedergelegt sind, auszuwerten und mögliche Mobilfunkstandorte ­vorzuschlagen.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass die Lösung der Mobilfunklochproblematik nur im Konsens und nicht durch Konfrontation gelöst werden kann“, ist Meißner überzeugt. Der Landkreis nehme gern die Mittlerfunktion zwischen Mobilfunkanbietern und Rathäusern wahr. „Als wichtige Diskussionsgrundlage stellen wir daher allen Beteiligten gerne die Ergebnisse unserer Messungen zur Verfügung. Was wir allerdings nicht leisten können, ist die Debatte in den Kommunen vor Ort über künftige oder zusätzliche Mobilfunkstandorte“, betonte Meißner.

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