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Digitalisierung in deutschen Behörden Auf den letzten Drücker

| Autor: Ira Zahorsky

In deutschen Behörden herrscht Digitalisierungsstress. Nur rund jede dritte Behörde hat das Basisziel eines elektronischen Zugangs erreicht. Das 2017 in Kraft getretene Onlinezugangsgesetz (OZG) schreibt vor, dass bis 2022 alle geeigneten Verwaltungsdienste online zur Verfügung stehen müssen.

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Noch kein Licht am Ende des Digitalsierungstunnels sehen die Verantwortlichen in öffentlichen Einrichtungen.
Noch kein Licht am Ende des Digitalsierungstunnels sehen die Verantwortlichen in öffentlichen Einrichtungen.
(© Vladimir Melnikov - stock.adobe.com)

Während in anderen europäischen Ländern wie Dänemark, Finnland, Schweden und den Niederlanden längst das Zeitalter der Moderne in den Verwaltungsapparat eingezogen ist, machen deutsche Behörden das, was sie dem Volksmund nach gut können: langsam. So befindet sich Deutschland im europäischen Vergleich nur auf einer Mittelposition. Dies ergab der Digital Economy and Society Index (DESI) 2018 der Europäischen Kommission.

eAkte topp, eID Flopp

Obwohl das Stichwort Digitalsierung ja nicht erst seit gestern auf der Agenda steht, könnte man das bei der Umsetzungsgeschwindigkeit in Deutschland wohl meinen. Dem Branchenkompass Public Services 2018 von Sopra Steria und dem F.A.Z. Institut zufolge hakt es an den zahlreichen Baustellen unterschiedlich. Bei der Umsetzung der elektronischen Akte (eAkte) liegen immerhin rund 75 Prozent der zwischen Februar und März 2018 befragten 100 Entscheider aus 100 deutschen Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen (ab 20.000 Einwohner) im Zeitplan. Der elektronische Zugang ist bei einem Drittel vollständig oder weitgehend erreicht, weitere 39 Prozent befinden sich in der Umsetzung. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass sich 30 Prozent noch keine konkreten Maßnahmen ergriffen haben. Bei der elektronischen Identifikation (eID) hat sich bislang noch am wenigsten getan.

„Die öffentliche Verwaltung in Deutschland hat mit dem digitalen Umbau gerade einen Kraftakt zu bewältigen. 575 Anliegen in fünf Jahren zu digitalisieren erfordert vor allem Kooperationen auf allen Ebenen. Der im OZG festgelegte Termin 2022 ist eine echte Belastungsprobe für alle Verwaltungsteile“, nimmt Bernd Baptist, Leiter des Geschäftsbereichs Public Sector bei Sopra Steria Consulting, die Behörden in Schutz. Positiv sieht er, dass „die Frist aber gleichzeitig zu pragmatischen Lösungen führt“.

86 Prozent der Befragten sehen die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben als ihre Hauptaufgabe für die kommenden Jahre. Doch auch organisatorische Aufgaben wie Prozessmanagement, Aufgabenpriorisierung und die interne Organisation sind im Fokus der Verantwortlichen.

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Cyber-Strategie erforderlich

Hohe personelle Ressourcen seien in der IT-Sicherheit gebunden. Denn die Digitalisierung hat die Cyberkriminalität quasi im Schlepptau. Doch wird hier auch genug getan? Nur jede zweite Behörde führt regelmäßig Penetrationstests durch, ein Viertel plant den Aufbau eines Security Operation Center. Zum Zeitpunkt der Befragung stand die Umsetzung der EU-DSGVO ganz oben auf der Agenda.

Finanziell legt rund ein Drittel der Befragten den Fokus auf die Umsetzung der eAkte und die automatische Vorgangsbearbeitung sowie auf Open und Mobile Government.

Der Branchenkompass Public Services 2018 von Sopra Steria kann gegen eine Gebühr von 75 Euro inkl. 7 % MwSt. heruntergeladen werden.

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Über den Autor

 Ira Zahorsky

Ira Zahorsky

Redakteurin und Online-CvD, IT-BUSINESS