„Coopetitive Zusammenarbeit“ im Saarland

Auf dem Weg zur Digitalisierungsrendite

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Sie selbst kommen aus der Cybersecurity-Branche. Im vergangenen Jahr haben wir immer wieder von Hacker-Angriffen auf Verwaltungen und Behörden gehört. Aus Ihrer Sicht: Wie müsste die Öffentliche Hand ihre Herangehensweise an Cybersicherheit anpassen, um für das digitale Zeitalter gewappnet zu sein?

Alkassar: Versuche, die digitale Infrastruktur von Verwaltungsapparaten anzugreifen, wird es immer geben. Daher müssen wir vorbereitet sein, wie wir in solchen Fällen möglichst unbeschadet bleiben. Dies kann für meine Begriffe nur im Schulterschluss von Bund, Ländern und Kommunen gelingen, denn diese Systeme sind eng miteinander verknüpft.

Das Stichwort ist also Ressourcenbündelung. Durch die Nutzung von Synergieeffekten und mit gemeinsamen Strategien und Vorgehensweisen ist auch die Öffentliche Hand jederzeit fähig, im Ernstfall wirkungsvoll zu reagieren. Was wir aber auch brauchen, sind gute Lösungen. Hier gibt es meines Erachtens noch Luft nach oben – und eine gute Marktchance für deutsche Cybersecurity-Unternehmen und Start-ups.

Bevor Sie CIO des Saarlandes wurden, war die freie Wirtschaft Ihr Metier. Wie unterscheiden sich Privatwirtschaft und deutsche Behördenlandschaft? Wie müssten sich die Arbeitsweisen in deutschen Behörden – vor allem hinsichtlich der OZG-Umsetzung – aus Ihrer Sicht verändern, um effektiver zu werden?

Alkassar: Die Verwaltung neigt dazu, nicht neue Verwaltungs­prozesse für neue Aufgaben zu ­modellieren, sondern bestehende Prozesse eins zu eins in digitale ­Lösungen umzusetzen, egal, ob sie exakt so noch gebraucht werden oder nicht – und das führt dazu, dass Digitalisierung nicht immer als eine Unterstützung oder Vereinfachung gesehen wird, sondern als zusätzlicher Aufwand.

Das ist in der freien Wirtschaft anders. Dort ist man auf kurze Wege und schnelle Entscheidungen angewiesen, um effektiv arbeiten und sich so gegen andere Mitbewerber behaupten zu können.

Das müssen wir in der Verwaltung noch lernen. Wir müssen durch digitale Prozesse bestehende Abläufe aufbrechen und so effizienter werden. So gewinnen wir dann echte freie Ressourcen, die wir durch den immer höheren Arbeitsaufwand auf immer weniger Schultern auch benötigen.

Und auch ohne Konkurrenz zueinander müssen wir hier versuchen, selbst immer die besten zu sein – um uns dann gegenseitig damit voranzubringen.

Der Fachkongress des IT-Planungsrates findet unter der Überschrift „Verwaltung für das 21. Jahrhundert“ statt – wie definieren Sie eine solche „Verwaltung für das 21. Jahrhundert“? Und wie schneidet das Saarland im Vergleich zu dieser Definition ab?

Alkassar: Für mein Verständnis ist die Definition für „Verwaltung für das 21. Jahrhundert“ mit diesen Begriffen zu beschreiben: ­Digital-agil, unbürokratisch-mutig, führungs- und entscheidungsstark, kunden- und dienstleistungsorientiert.

Dies erreichen wir durch mehr ­„coopetitve Zusammenarbeit“ – also Wettbewerb und Kooperation – auf allen Ebenen und durch Standardisierung von Verfahren. Im Saarland haben wir vieles hiervon auf den Kopf und Weg gebracht und wir werden diesen Weg mit Hochdruck weitergehen.

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