Fraunhofer-Studie

Auf dem Weg zur digitalen Teilhabe

| Redakteur: Manfred Klein

Analoge versus digitale Beteiligung

Ein weiteres Kriterium zur Unterscheidung von Beteiligungsverfahren sei die Frage nach dem Einsatz von klassischen Formen. Die Autoren arbeiten hier einen differenzierten Ansatz aus, der sich keineswegs auf die bloße Verwendung von Informationstechnologie beschränkt.

Im Gegenteil merken die Verfasser dazu an: „Differenzierungskriterium ist jedoch nicht, ob ein Verfahren ausschließlich online angeboten wird.“ Es sei im Gegenteil weitgehend anerkannt, dass ein Multikanal-Ansatz, also der Einsatz von verschiedenen Kommunikationskanälen parallel, große Vorteile biete:

„Mit der Nutzung von zum Beispiel Chats, Foren, Telefon, Post und direktem Bürgerkontakt können die Vorteile dieser Kanäle kombiniert und die Nachteile einzelner Zugangsmöglichkeiten ausgeglichen werden. Daher ist Online-Bürgerbeteiligung in den seltensten Fällen ein reines Online-Verfahren.“

Die Verfasser unterstreichen an dieser Stelle aber euch einen der wichtigsten Vorteile von digitalen Verfahren: „Während zum Beispiel Präsenzversammlungen als rein analoge Verfahren durch synchrone Diskussionsprozesse geprägt sind, bei denen die Teilnehmer gleichzeitig anwesend sind, erlauben Diskussionsforen im Web als digitale Verfahrenselemente auch asynchrone Debatten, bei denen sich die Teilnehmer auch zeitversetzt austauschen können.“

Das Unterscheidungskriterium der direkten und indirekten Beteiligung beurteilen die Verfasser hingegen so: „Schließlich besteht die klassische Unterscheidung zwischen direkter und indirekter politischer Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern. Die direkte Beteiligung wird auch als ‚sachunmittelbare Demokratie‘ bezeichnet, während die indirekte sich in der repräsentativen Demokratie niederschlägt. Wahlen sind nach klassischem Verständnis eine indirekte Form politischer Partizipation. Elektronische Wahlen werden hier jedoch schon deshalb nicht betrachtet, weil sie formelle Verfahren darstellen.“

Aber auch im Rahmen der direkten Demokratie könne sich der Grad der Beeinflussung unterscheiden. Im Übrigen lasse sich ein Entscheidungsprozess in verschiedene Phasen unterteilen, sodass sich direkte und indirekte Entscheidungsbeteiligungen zuweilen nicht mehr klar voneinander abgrenzen ließen.

Das Fazit der Autoren: „Jedenfalls muss sich, wer politische Beteiligung gewähren möchte, bewusst sein, dass ernst gemeinte Partizipation immer eine Abgabe von Macht bedeutet, weil die Fähigkeit den Entscheidungsprozess umfänglich zu gestalten, mit weiteren geteilt wird.“

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