Mit Microsoft und Intel Asklepios Kliniken verwirklichen das Krankenhaus der Zukunft

Autor / Redakteur: Uwe Pöttgen / Gerald Viola

Die Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg vereint architektonische, organisatorische und informationstechnologische Innovationen. Sie ist damit weltweit ein Referenzzentrum für die Weiterentwicklung im Gesundheitswesen. Die Ausrichtung der medizinischen Dienstleistungen auf die künftigen Herausforderungen sowie die Bewahrung und Verbesserung der Behandlungsqualität erfordern eine umfassende Veränderung der Kommunikationsprozesse und Organisationsstrukturen sowohl innerhalb der Klinik als auch an den Schnittstellen zu allen Teilnehmern im Gesundheitswesen.

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( Foto: Asklepios Kliniken )

Um den Herausforderungen gerecht zu werden, gehen die Asklepios Kliniken neue Wege und initiierten mit Intel und Microsoft das Programm „Asklepios Future Hospital“ (AFH). Neu ist dabei vor allem der ganzheitliche Ansatz, den Asklepios verfolgt: Die konsequente Ausrichtung eines ganzen Krankenhauses – später ausgedehnt auf alle Kliniken von Asklepios – wurde in dieser Form bisher noch nicht realisiert.

Der Patient im Mittelpunkt

Im Rahmen des Asklepios-Future-Hospital-Programms werden innovative technologische Lösungen gemeinsam mit Lösungspartnern entwickelt und getestet. Bei den verschiedenen Projekten liegt der Fokus auf der Sicherstellung einer medienbruchfreien, interoperablen Kommunikation zwischen allen Leistungsteilnehmern im Gesundheitssystem, auf der Wirtschaftlichkeit der Lösungen und auf der Verbesserung der Behandlungsqualität für den Patienten. „Unser Ziel ist es, zu zeigen, dass die IT eine wirkliche Entlastung für Patienten, Ärzte und Pflegepersonal bringen kann“, erklärt Jörg Focke, Sprecher des Asklepios Future Hospitals.

Referenzzentrum Barmbek

Im Hamburger Stadtteil Barmbek sind einige Projekte des AFH bereits Alltag. Das Großprojekt hat mit der Asklepios Klinik Barmbek sein erstes Referenzzentrum. Informationstechnologie ist hier allgegenwärtig und zieht sich durch eine Vielfalt von Behandlungsprozessen – beispielsweise bei der Einweisung eines Patienten oder bei der mobilen Visite.

Beispiel Zentrale Notaufnahme: Hier wurde ein Dashboard mit Anbindung an die Ambulanz-IT implementiert. Wird ein Patient in die Notaufnahme eingeliefert, werden seine Daten umgehend digital erfasst und auf dem Dashboard grafisch dargestellt. Dazu zählen Patientenstammdaten, Behandlungsstatus, medizinische Zuordnung, Rauminformationen oder die Priorität des Patienten. Letztere wird durch einen Farbcode dargestellt: Angefangen mit Tiefrot für lebensbedrohlich stuft sich die Anzeige über Orange, Gelb und Grün bis hin zu Blau ab. Darüber hinaus wird der Name des Patienten am Dashboard angezeigt – aus Datenschutzgründen ist dieser jedoch nur für Krankenhausmitarbeiter in der zentralen Leitstelle ersichtlich. Außerhalb des geschützten Bereiches ist der Name mit einem Zahlencode verschlüsselt.

Über das Dashboard wird der Patient nun lokalisiert. Befindet er sich mehr als eine Minute in einem Behandlungszimmer, wird dieses Zimmer auf dem Dashboard als belegt angezeigt. Verlassen und erneutes Betreten des Raumes werden ebenfalls auf der Anzeige dargestellt. Bei Änderungen im Status des zu Patienten – wie etwa beispielsweise der Eingang neuer Befunde – wird dem Personal der neue Handlungsbedarf umgehend durch ein blinkendes Ausrufezeichen signalisiert. „Der Einsatz der neuen Technologie lässt uns bedeutend schneller auf Änderungen reagieren als früher“, so Jörg Focke.

„Die Einführung des medizinischen Dashboards, in das Asklepios-Future-Hospital-Programm, manifestiert den gemeinsamen Anspruch, die Optimierung der Versorgungsqualität am Patienten durch den Einsatz innovativer IT zu ermöglichen“, sagt Christian Ganz, Leiter Digitales Gesundheitswesen Deutschland bei Intel. „Mit dem Dashboard können die medizinischen Leistungserbringer auf die richtigen Patientendaten, am richtigen Behandlungsort und zur richtigen Zeit visualisiert zugreifen.“

Multitalent RFID

In enger Zusammenarbeit mit Intel wurden bereits Grundlagen für die Nutzung von RFID (Radio Frequency Identification) geschaffen. Die Technologie soll zum Beispiel helfen, medizinische Geräte, wie etwa EKG-Geräte, in der Notaufnahme zu orten. Kostbare Zeit, die bisher mit dem Suchen nach Geräten, aber auch nach Patienteninformationen verbraucht wurde, kann so in die Betreuung der Patienten fließen. Ebenfalls geprüft werden bereits die Vorteile der RFID-Technologie in der hauseigenen Blutbank. Wurden Blutkonserven bisher mit Barcodes versehen und einzeln via Scanner in den Computer eingelesen, sind sie dann mit RFID-Chips ausgestattet und lassen sich kartonweise berührungslos einlesen. Entscheidende Vorteile der Technologie sind jedoch zum einen die verwechslungssichere Kennzeichnung und zum anderen die Möglichkeit eines lückenlosen Nachweises der Konserven. Für noch mehr Sicherheit werden in einem weiteren Schritt die Patienten mit RFID-Bändchen ausgestattet. „Sollte sich das Klinikpersonal trotz vorheriger Sicherheitschecks einmal einem Patienten mit der falschen Blutkonserve nähern, ertönt ein lautes Signal“, erklärt Focke.

Medizinische Betreuung in den eigenen vier Wänden

Im Bereich Home Care zeichnen sich ebenfalls zukunftsweisende Lösungen ab. So findet heute schon Betreuung online von zu Hause aus statt, zum Beispiel bei Parkinson-Patienten, die ihre verschriebenen Medikamente schlecht vertragen. Statt wochenlang ins Krankenhaus zur Beobachtung zu kommen, können sie sich zu Hause selbst filmen und den Film an die Klinik senden. Hier wird das Material ausgewertet und die Zusammenstellung der Medikamente gegebenenfalls neu angepasst.

Das Arztportal

Ein absolutes Novum für die Effizienz der Kommunikationsprozesse zwischen Institutionen des Gesundheitssystems ist das Arztportal, das auf der von Asklepios, Microsoft und Intel gemeinsam entwickelten eHealth Interoperability Plattform (eHIP) basiert. Über das Arztportal können einweisende Ärzte einerseits mit dem Krankenhaus und untereinander barrierenfrei kommunizieren, Patientendaten unter Einhaltung strengster Authentifizierungs- und Sicherheitsmechanismen austauschen und den Aufbau medizinischer Netzwerke pflegen.

In Zukunft sollen weitere Teilnehmer des Gesundheitssystems ihre Kommunikationsprozesse über das Portal laufen lassen. Die Vorteile des Arztportals sind vielfältig:

  • Kürzere Wartezeiten für den Patienten bei der Anmeldung im Krankenhaus, da alle relevanten Daten vom niedergelassenen Arzt bereits vorab an die Klinik übermittelt werden.
  • Reduzierung des Kommunikationsaufwandes für Ärzte bei Terminvereinbarungen für ihre Patienten.
  • Verringerung von zeitaufwendigen und kostspieligen Doppeluntersuchungen.
  • Niedergelassene Ärzte können sich zeitnah über den Behandlungsverlauf ihrer in die Klinik eingelieferten Patienten informieren.
  • Möglichkeit der telefonischen Beratung und Zweitmeinung von Spezialisten ohne geografische und zeitliche Beschränkung.
  • Vermeidung von Kommunikationsbrüchen entlang der Behandlungskette.
  • Verbesserte Unterstützung für die Integrierte Versorgung (IV).

Ausblick

Die Komplexität der technologischen Anforderungen, die auch weiterhin bewältigt werden müssen, um eine zukunftsorientierte digitale Infrastruktur aufzubauen, zeigt, dass ein vielfältiges Know-how aus den Bereichen Hardware, Software, Telekommunikation und Netzwerk sowie Medizintechnik benötigt wird. Das Asklepios Future Hospital ist deshalb als ein offenes und dynamisches Programm konzipiert.

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