Digital hält besser!

Archivsysteme und Signaturen ziehen in den Kliniken ein

09.06.2010 | Redakteur: Gerald Viola

Digitale Archivierung macht den Klinikbetrieb effizienter
Digitale Archivierung macht den Klinikbetrieb effizienter

Daten statt Papier. Diesem Motto folgen immer mehr Krankenhäuser, wenn es um die Archivierung von Patientenunterlagen geht. Noch dominieren zwar gemischte Archiv-Konzepte den Markt. Dank elektronischer Signatur verzichten erste Kliniken in Teilbereichen aber bereits heute auf Aktenordner.

Wie ausgereift das digitale Klinikarchiv ist, belegte die conhIT 2010 in Berlin, welche die digitale Archivierung in der Medizin in diesem Jahr zu einem Schwerpunkt machte. Wer sieht, wie Ärzte in einem modernen Krankenhaus ganz selbstverständlich Patientendaten am Bildschirm eingeben und neue Röntgen- oder Laborbefunde im Klinikinformationssystem studieren, der kommt kaum auf die Idee, dass die Archivierung all dieser Daten eine enorme Herausforderung sein könnte.

Auch digital erstellte Befunde und Dokumente müssen eindeutig einem Arzt oder einer Pflegekraft zuordenbar sein. Es muss gewährleistet sein, dass die Informationen langfristig abrufbar sind: „In Krankenhäusern müssen viele Unterlagen mindestens zehn Jahre aufgehoben werden.

Empfehlenswert sind teilweise sogar 30 Jahre. In solchen Zeiträumen ändern sich Hardware und Software, aber die Dokumente müssen trotzdem lesbar bleiben“, betont Professor Paul Schmücker vom Institut für Medizinische Informatik an der Hochschule Mannheim.

Mehr Effizienz im Klinikalltag

Nur ein Beispiel: Hätte eine Klinik vor zehn Jahren ihre Daten ausschließlich auf Disketten gespeichert, stünde sie heute vor einem Problem. „Ein aktueller Trend geht dahin, mit Speichersystemen zu arbeiten, die mit digitalen Medien bestückt sind. Das verringert die Problematik der Datenmigration deutlich“, so Schmücker.

Speichersysteme haben zudem den Vorteil, dass sie auch bei älteren Dokumenten einen raschen Zugriff erlauben. Unnötige Verzögerungen bei der Versorgung eines Patienten werden dadurch vermieden. Das kann in Zeiten der Abrechnung per Fallpauschalen bares Geld wert sein. Zentralisierte Digitalarchive machen zudem Daten unterschiedlicher Quellen gemeinsam zugänglich.

Mussten sich früher hochbezahlte Klinikangestellte darum kümmern, dass die Akte aus dem Keller, das Röntgenbild aus der Radiologie und der Histologie-Befund aus der Pathologie kommt, ermöglichen jetzt Digitalarchive die Zusammenschau aller Daten per Mausklick.

Die digitale Archivierung macht aber nicht nur den Klinikbetrieb effizienter. Sie kann auch zu Einsparungen im Gesundheitswesen beitragen: „In Deutschlands Krankenhäusern werden pro Jahr etwa 5,5 Milliarden Dokumente erzeugt, deren Archivierung pro Jahr über zwei Milliarden Euro verschlingt“, so Schmücker.

Digitalarchive können diese Kosten senken. Voraussetzung ist allerdings, dass die Dokumente von vornherein digital erstellt werden und an keiner Stelle ausgedruckt oder eingescannt werden müssen. Auch hier liegt der Teufel freilich im Detail: Wer komplett auf das Papier verzichten will, muss dafür sorgen, dass die medizinischen Dokumente gesetzeskonform elektronisch signiert werden. Nur so ist auch Jahre später nachvollziehbar, wer einen Befund erstellt oder möglicherweise verändert hat.

Elektronische Signatur wird zum Thema

Die Technik für eine elektronische Signatur im Klinikumfeld ist vorhanden. Derzeit sind viele Krankenhäuser aber noch zögerlich. Sie warten auf eindeutige Festlegungen der Politik, etwa im Zusammenhang mit dem Aufbau einer Telematikinfrastruktur. Dass es geht, zeigt das Klinikum Braunschweig, wo schon über zehn Millionen Seiten medizinischer Dokumente mit einer qualifizierten elektronischen Signatur eines akkreditierten Trustcenters unterzeichnet und archiviert wurden.

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