Vorgangsbearbeitungssysteme Architekturtrends und ihre Auswirkungen

Autor / Redakteur: Jan Wilkens / Gerald Viola

Moderne Architekturkonzepte sind heute ohne Berücksichtigung der Prinzipien Service-orientierter Architektur (SOA) undenkbar geworden. Dies gilt auch für die Bundesverwaltung, die in ihrem im Juli 2007 veröffentlichten „IT-Architekturkonzept für die Bundesverwaltung“ eine Dienst- und damit Service-Orientierung ausdrücklich zum Architekturprinzip erhebt.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Diese Festlegung ist sinnvoll, da durch Anwendung der SOA-Grundsätze erreicht wird, dass Lösungen auf Basis bestehender Dienste flexibel umgesetzt und leicht angepasst werden können. Kostenvorteile und eine höhere Produktivität der IT sind langfristig die Folge.

Die Dienstorientierung geht einher mit dem Grundsatz der Komponentenbasierung. Ein Dienst kann dabei durch genau eine Servicekomponente umgesetzt sein oder aus mehreren Komponenten zusammengefügt, das heißt, komponiert sein. Dienste stellen somit innerhalb einer Architektur fachliche Entitäten dar, die in Anwendungen genutzt werden (Service zur behördenkonformen Veraktung eines Objekts) und sind somit für den Anwender bekannte Einheiten. Komponenten stellen die technische Repräsentation von Diensten dar und sind für den Anwender unsichtbar. In diesem Zusammenhang wird auch von Virtualisierung gesprochen – Dienste sind eine von Komponenten virtuell erzeugte fachliche Schicht, die zu Anwendungen zusammengefügt werden kann.

Das Zusammenfügen der Dienste erfolgt aus fachlicher Notwendigkeit, das heißt, nach Geschäftsprozessen einer Organisation. Verfügt eine Architektur über ausreichend Basisdienste, so lassen sich durch sinnvolle Anordnung von Diensten (der sogenannten Orchestrierung) notwendige Anwendungen abbilden. Zu den Basisdiensten zählen beispielsweise das Scannen von Dokumenten im Rahmen des Input Managements, die Druckaufbereitung von Output-Dateien in Druckstraßen für das Output Management oder die Virtuelle Poststelle im Zusammenhang mit einem Verschlüsselungs- und Signierservice.

Prägnantester Vorteil einer solchen Architektur ist die Wiederverwendbarkeit: Dieselben Services können in unterschiedlichen Anwendungen immer wieder zum Einsatz kommen. Voraussetzung hierfür ist lediglich, dass die Dienste über standardisierte, allgemein nutzbare Schnittstellen verfügen, die innerhalb der Architektur bekannt sind und interpretiert werden können. Hierfür müssen die Komponenten, die einen fachlichen Dienst repräsentieren, über sogenannte Adapter verfügen, die die Verbindung zur darüber liegenden Integrationsschicht, dem sogenannten Service-Manager, herstellen.

Die Integrationsschicht ist zwangsläufig der fachlichen Ablauf- oder Geschäftslogik einer Organisation zuzuordnen, da in ihr mithilfe des sinnvollen Aneinanderreihens von Diensten Anwendungen zur Abbildung von Geschäftsprozessen umgesetzt werden. Moderne EAI-Komponenten (Enterprise Application Integration) erfüllen diese Aufgabe, indem sie als Business Process Management Systeme (BPMS) die Modellierung von Geschäftsprozessen mit geeigneten grafischer Editoren auf Basis der in der Architektur verfügbaren Services ermöglichen.

SOA ist heute ein zentrales Thema der Informationstechnik und wird entsprechend breit diskutiert. Im Folgenden soll diese Diskussion um bislang wenig betrachtete Aspekte – die Auswirkungen von SOA auf Vorgangsbearbeitungssysteme (VBS) und das DOMEA-Konzept – ergänzt werden.

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