Suchen

Mögliche Auswirkungen der Insolvenz Arcandors auf den IT-Dienstleister Atos Origin Arcandor – Quo vadis, Atos?

| Autor / Redakteur: Matthias Kraus / Katrin Hofmann

Für Arcandor wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet. Grundsätzlich sind drei Szenarien über den Ausgang denkbar. Diese gehen mit unterschiedlichen möglichen Folgen für den Infrastrukur-Outsourcing-Dienstleister Atos Origin einher.

Firmen zum Thema

Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC in Frankfurt
Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC in Frankfurt
( Archiv: Vogel Business Media )

Im Jahr 2004 baute Atos Origin seine Position im Outsourcing-Bereich in Deutschland aus und übernahm den Rechenzentrums- und Netzwerkbetrieb sowie den Endgeräte-Support von Itellium, der IT-Tochter des Arcandor-Konzerns (damals Karstadt Quelle). Im Zuge der Auslagerung wechseln rund 900 Mitarbeiter zu Atos Origin. Dieses Abkommen stellte für Atos Origin einen Meilenstein im deutschen Markt dar und war die Initialzündung für weitere große Outsourcingdeals, beispielsweise mit E-Plus, BP und dem Bezahl-Sender Premiere (inzwischen umbenannt in Sky).

Während der Vertragslaufzeit zwischen Arcandor und Atos Origin entwickelten sich einige Unstimmigkeiten. Im Mai 2007 verlor Atos Origin sogar den Megadeal für die Entwicklung und Betreuung der Anwendungslandschaft von Arcandor gegen den US-amerikanischen Wettbewerber EDS.

In der Folgezeit intensivierte Atos Origin, im Rahmen des bestehenden Infrastrukur-Outsourcing-Deals, die Zusammenarbeit mit Arcandor und konnte nach eigenen Angaben die Zufriedenheit ihres Kunden spürbar erhöhen (Governance ausgebaut). Gleichzeitig war Arcandor offensichtlich mit EDS unzufrieden, denn das Abkommen um die Betreuung der Anwendungslandschaft wurde im Frühjahr 2009 beendet.

Um so mehr Hoffnung durfte sich Atos Origin auf eine Vertragsverlängerung machen, über die in den letzten Monaten vor dem Hintergrund der finanziellen Schwierigkeiten von Arcandor verhandelt wurde. Doch im Juni 2009 stellte Arcandor für große Teile seines Unternehmens den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Aktuell führt Atos Origin den Betrieb fort und erhält bislang auch die vereinbarten Zahlungen. Für Arcandor wird am 1. September 2009 das Insolvenzverfahren eröffnet. Grundsätzlich sind drei Szenarien über den Ausgang denkbar:

  • 1. Arcandor saniert sich
  • 2. Investoren übernehmen den Handels- und Touristikkonzern
  • 3. Arcandor wird aufgelöst und abgewickelt

Im ersten Fall dürfte die Zusammenarbeit mit Atos Origin ähnlich wie bislang fortgeführt werden.

Das zweite Szenario kann unterschiedlich aussehen. Beispielsweise könnte die Metro oder ein anderer Investor einsteigen. Dabei stellt sich die Frage, wer die IT im Falle eines Zusammenschlusses betreiben würde. In diesem Fall könnte es durchaus zu einer Neuausschreibung des IT-Betriebes kommen. Eine Teilfortführung des Unternehmens wäre ebenfalls denkbar.

Bei Eintreten des dritten Szenarios fielen rund 20 Prozent des Atos-Origin-Umsatzes in Deutschland in Höhe von rund 600 Mio. Euro (inklusive Atos Worldline) aus. Dies wäre für den internationalen IT-Dienstleister ein herber Rückschlag. Andererseits würde die Existenz der deutschen Niederlassung nicht wirklich davon betroffen sein. Ein personeller Abbau hingegen wäre aus Sicht von IDC fast unumgänglich.

Um diesen Abbau abzuwenden oder zumindest abzuschwächen und die jährlichen Umsatzeinbußen in Höhe von rund 120 Mio. Euro zu kompensieren, ist Neugeschäft notwendig, das kurzfristig in den kommenden Quartalen von Atos Origin generiert werden muss. Nach den Plänen von Atos Origins Deutschlandchef Winfried Holz soll dies auch durch eine verstärkte Adressierung des Mittelstandes erreicht werden.

Notwendige Voraussetzungen für die Erschließung dieser neuen Zielgruppe sind aus IDC-Sicht die Ausrichtung des Portfolios mit standardisierten und gleichzeitig modularen Angeboten (zum Beispiel Cloud Services), die Anpassung der Vertriebsstruktur, die differenzierte Ansprache des Mittelstandes und eine gut funktionierende Partnerstruktur.

IDC ist der Meinung, dass die Bemühungen von Atos Origin, verstärkt den Mittelstand für sich zu gewinnen, aus strategischer Sicht einen richtigen Schritt darstellen. Einige Wettbewerber arbeiten bereits in dieser Richtung. Der Wettbewerbsdruck im Large-Account-Bereich ist immens, und wie das Beispiel Arcandor zeigt, kann das Wegbrechen nur eines Kunden große Auswirkungen für einen IT-Dienstleister haben. Hinzu kommt, dass der Mittelstand hierzulande bislang noch sehr zurückhaltend bei der Nutzung von IT-Services, insbesondere von Outsourcing, reagiert.

Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass die systematische Erschließung des deutschen Mittelstandes durch große IT-Dienstleister ein mittel- bis langfristiger Prozess ist. Kurzfristig lassen sich kaum spürbare Erfolge erzielen. Aus diesem Grund wird das bisherige Large-Account-Geschäft ein Schwerpunkt von Atos Origin bleiben. Insbesondere mit bestehenden Kunden und aufgrund der Arcandor-Erfahrung wird Atos Origin im Einzelhandelsbereich die größten Chancen für Neugeschäft in nennenswertem Umfang haben.

(ID:2040145)