Neuer Personalausweis Anwendungstest soll alle Funktionalitäten überprüfen

Redakteur: Manfred Klein

Online einkaufen, Bankgeschäfte und Behördengänge sicher im Internet erledigen, eMails verschlüsseln und entsprechend dem Signaturgesetz elektronische Dokumente qualifiziert signieren – die Ansprüche an den neuen Personalausweis, der ab November ausgegeben werden soll, sind groß. Ebenso groß ist der Erfolgsdruck, der auf dem Bundesinnenministerium lastet.

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Quelle: BMI
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( Archiv: Vogel Business Media )

Denn auch die Zweifel, ob der neue Personalausweis diese Ansprüche auch alle erfüllen kann, wachsen.

So kritisieren IT-Experten inzwischen, dass die mit dem Starterkit ausgelieferten – aber auch andere einfache Lesegeräte – den Sicherheitsanforderungen nicht genügen würden. Bemängelt wird in diesem Zusammenhang vor allem, dass die PIN-Eingabe von einer Software mitgeschrieben werden könnte.

Damit es nicht zu Pannen kommt, welche die Einführung des neuen Personalausweises verzögern oder gar das ganze Projekt gefährden könnten, hat das Bundesministerium des Innern umfangreiche Testläufe gestartet.

In diesen Tests werden alle Funktionen des Ausweises in ausgewählten Unternehmen und Behörden geprüft. Ziel des umfangreichen Programms ist es, bereits mit der Einführung des neuen Personalausweises den Bürgern möglichst viele attraktive und sichere Anwendungsmöglichkeiten bieten zu können. Der neue Personalausweis wird daher bereits vor der Einführung auf Akzeptanz, Nutzerfreundlichkeit, Verständlichkeit und der Zuverlässigkeit getestet.

Der Anwendungstest unterteilt sich in einen zentral koordinierten und einen offenen Teil. Für den Anwendungstest haben sich rund 100 Unternehmen und Behörden aus unterschiedlichen Branchen beworben.

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Zentral koordinierter Anwendungstest

Für den zentral koordinierten Anwendungstest (zkAT) wurden 30 Unternehmen, Institutionen und Behörden aus unterschiedlichen Branchen ausgewählt. Die Testphase für den zentral koordinierten Anwendertest startete am 1. Oktober des vergangenen Jahres und läuft bis zur Einführung des neuen Personalausweises.

Die Betreuung und Koordination für den zentral koordinierten Anwendertest wird durch das dafür eingerichtete Kompetenzzentrum übernommen. Es besteht aus rund 30 erfahrenen Mitarbeitern der Firmen BearingPoint, Steria Mummert Consulting AG, Fraunhofer FOKUS und Fraunhofer SIT. Die genannten Unternehmen unterstützen im Auftrag des Bundesministeriums des Inneren die Durchführung der Anwendungstests bei den teilnehmenden Firmen und Behörden.

Die Teilnehmer erhalten dazu folgende Infrastrukturkomponenten kostenfrei:

  • Zugang zu einem zentral betriebenen eID-Server,
  • Bürgerclient für die Nutzung der eID-Funktion des neuen Personalausweises,
  • Berechtigungszertifikate zur Nutzung des Personalausweises,
  • Sperrlisten abhanden gekommener Ausweise,
  • Testkarten für bis zu 100 Probanden des jeweiligen Diensteanbieters und
  • einen Kartenleser für die Nutzung des Test-Personalausweises.

Darüber hinaus erhalten die Testteilnehmer weitere intensive Unterstützungsleistungen: So wird jedem Teilnehmer ein Testbegleiter zur Seite gestellt, der ihn in allen Belangen unterstützt, beziehungsweise die auftretenden Probleme und Fragestellungen an die entsprechenden Stellen weiterleitet. Ebenfalls haben die Teilnehmer des zkAT die Möglichkeit sich hinsichtlich der technischen und fachlichen Integration der neuen Komponenten in ihre – teilweise schon bestehenden – Systeme unterstützen zu lassen. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit an auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Workshops teilzunehmen, die von den Experten des Kompetenzzentrums veranstaltet werden.

Im Gegenzug haben sich die Teilnehmer des zkAT zu folgenden Vereinbarungen bereiterklärt:

Mobilisierung und Schulung einer ausreichenden Anzahl an Probanden, die einen personalisierten Ausweis zu den angegebenen Testzwecken zur Verfügung gestellt bekommen.

Durchführung einer systematischen Testauswertung und Erstellung einer Berichterstattung.

Die Teilnehmer verpflichten sich, die wesentlichen Erfahrungen aus den Testmaßnahmen auf der Wissens- und Kommunikationsplattform des Kompetenzzentrums zu veröffentlichen, sodass auch andere Diensteanbieter von den individuellen Erfahrungen profitieren können.

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Offener Anwendungstest

Interessierte Institutionen, Unternehmen und Behörden haben auch die Möglichkeit, am sogenannten offenen Anwendungstest teilzunehmen. Voraussetzung hierfür ist eine Onlineregistrierung über den Internetauftritt des Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik (www.cio.bund.de).

Der offene Anwendungstest startete drei Monate nach dem zentral koordinierten Anwendertest im Januar. So können erste Ergebnisse und Erfahrungen aus dem zkAT noch berücksichtigt werden.

Der offene Anwendertest unterscheidet sich hinsichtlich der Unterstützungsleistungen, welche die teilnehmenden Institutionen und Unternehmen in Anspruch nehmen können. Den Teilnehmern werden vom Kompetenzzentrum Informationen über bekannte Anbieter und Bezugsquellen von passenden Testkarten, Kartenlesegeräten, eID-Servern und Supportdienstleistern zur Verfügung gestellt. Die Beschaffung dieser Komponenten für den Anwendungstest sowie die Supportleistungen, etwa die Integration des eID-Services in die Anwendungen und Systeme, sind allerdings im offenen Anwendungstest selbstständig zu erbringen.

Die Aufgaben des Kompetenzzentrum

Die Aufgaben des Kompetenzzentrums gliedern sich in:

  • die Testbegleitung im zentral koordinierten Test,
  • das Test- und Demonstrationszentrum und
  • Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit.

Wichtigste Aufgabe des Kompetenzzentrums ist die Unterstützung der Teilnehmer des zentral koordinierten Anwendungstests. Das Kompetenzzentrum teilte dazu jedem teilnehmenden Unternehmen einen Ansprechpartner als persönlichen Testbegleiter zu.

Mit Beginn des Anwendungstests sind die Tester in regelmäßigen Abständen bei den Teilnehmern des zentral koordinierten Anwendungstests vor Ort. Sie unterstützen damit die Diensteanbieter bei ihren technischen Vorbereitungen, der Prozessanalyse und dem Aufbau der Testanwendungen, nehmen ihre Anliegen auf und leiten diese an die zuständigen Ansprechpartner weiter. Die teilnehmenden Behörden und Unternehmen sorgen auch für die Dokumentation der Ergebnisse des Anwendungstests, um einen schnellen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen.

Darüber hinaus stellt das Kompetenzzentrum eine Test- und Demonstrationsumgebung zur Verfügung. Diese unterteilt sich in die Bereiche Anwendungen und IT-Sicherheitsinfrastruktur:

  • Im Demonstrationszentrum im Fraunhofer-Institut FOKUS werden unterschiedliche Anwendungsszenarien mit dem neuen Personalausweis untersucht und vorgestellt, um möglichst vielfältige Einsatzmöglichkeiten zu simulieren. Ebenso besteht die Möglichkeit, sich über die technischen Komponenten des neuen Personalausweises wie Bürgerclient und eID-Server zu informieren. Dieses Angebot richtet sich an Teilnehmer am zentral koordinierten und am offenen Anwendungstest, die sich über die Möglichkeiten des neuen Personalausweises informieren möchten oder an der Übertragung allgemeingültiger Lösungen für ihre Zwecke interessiert sind.
  • Im Testzentrum im Fraunhofer-Institut SIT werden Teile der Infrastruktur, die in die elektronische Kommunikation zur Abwicklung der eID-Protokolle involviert sind, unter Berücksichtigung von Vorgaben des BSI untersucht. Das Sicherheitslabor betrachtet insbesondere die übertragenen personenbezogenen Identitätsdaten im Hinblick auf die IT-Sicherheitsziele und den Datenschutz. Vorschläge zur Erhöhung des Sicherheitsniveaus werden in Form eines Maßnahmenkatalogs zusammengestellt. Außerdem wird ein Testdienst auf Basis einer Webapplikation und eines unabhängigen eID-Services bereitgestellt, mit dem alle Testteilnehmer ihre Clientkonfiguration testen können. Das Testzentrum steht ebenfalls allen Testteilnehmern für Fragen zu Sicherheitsthemen zur Verfügung.

Das Kompetenzzentrum unterstützt den Austausch der Ergebnisse zwischen den Testbeteiligten, und stellt sie gesammelt und aufbereitet für die Information der Öffentlichkeit bereit.

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Fazit

Ein wichtiges Mittel dafür ist die zentrale Wissens- und Kommunikationsplattform www.CCePA.de. Die Öffentlichkeit wird durch die Plattform auch über die am Anwendungstest beteiligten Unternehmen, Behörden und Einrichtungen informiert sowie über die aktuellen Testergebnisse auf dem Laufenden gehalten. Weitere Informationen zum Personalausweisprojekt runden das Angebot ab.

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