Arbeitsmarkt

Anpassungsbedarf in Thüringen und im Saarland

| Autor: Susanne Ehneß

8,4 Prozent der Arbeitsplätze in der Öffentlichen Verwaltung können durch Maschinen ersetzt werden
8,4 Prozent der Arbeitsplätze in der Öffentlichen Verwaltung können durch Maschinen ersetzt werden (© Elnur - stock.adobe.com)

Die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt stellt die Bundesländer vor unterschiedliche Herausforderungen, geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die in einem Beruf arbeiten, in dem mehr als 70 Prozent der Tätigkeiten bereits heute von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden könnten, unterscheidet sich deutlich und liegt zwischen 15 Prozent in Berlin und 30 Prozent im Saarland.

Wie die IAB-Forscherinnen Katharina Dengler, Britta Matthes und Gabriele Wydra-Somaggio erklärten, seien die Unterschiede zwischen den Bundesländern vor allem auf die unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen zurückzuführen. Je größer die Bedeutung beispielsweise des verarbeitenden Gewerbes in einem Bundesland sei, desto höher sei tendenziell der Anteil der Beschäftigungsverhältnisse, die zu mehr als 70 Prozent durch Computer oder computergesteuerte Maschinen übernommen werden könnten.

Laut IAB-Studie liegt der Anteil der Jobs mit hohem Substituierbarkeitspotenzial im Bundesdurchschnitt bei 25 Prozent. Deutlich mehr – 30 Prozent – sind es im Saarland, in Thüringen sind es 29 Prozent. In den Dienstleistungsmetropolen Berlin und Hamburg mit einem geringeren Anteil an Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe ist dieses Substituierbarkeitspotenzial mit 15 und 18 Prozent dagegen vergleichsweise niedrig.

Die Branchenstruktur erklärt laut IAB aber nur einen Teil der Unterschied, hinzu kämen Abweichungen in der beruflichen Zusammensetzung der Beschäftigten innerhalb einer Branche. So seien im Saarland 64 Prozent der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial tätig, in Bayern 51 Prozent, in Hamburg 41 Prozent. Das liege vor allem daran, dass das verarbeitende Gewerbe im Saarland maßgeblich von der Fertigung geprägt sei, während in anderen Bundesländern die Forschung und Entwicklung sowie die Produktionsplanung eine größere Bedeutung hätten.

Branchen

Das Substitutierbarkeitspotenzial gemäß Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Prozent beziffert sich wie folgt (Auszug):

  • Verarbeitendes Gewerbe 53,7 %
  • Energieversorgung 32,3 %
  • Wasserversorgung 27,5 %
  • Verkehr und Lagerei 22,2 %
  • Handel 22,1 %
  • Öffentliche Verwaltung 8,4 %
  • Gesundheits- und Sozialwesen 5,4 %
  • Erziehung und Unterricht 4,4 %

Aufgaben für die Länder

Das Substituierbarkeitspotenzial darf laut Studie nicht als Vorhersage für mögliche Beschäftigungsverluste missverstanden werden. „Es zeigt vielmehr auf, in welchen Branchen und Berufen in den Bundesländern technologische Potenziale schlummern und welcher Anpassungsbedarf sich daraus ergibt. Die Frage zu beantworten, ob und wie diese Potenziale genutzt werden, ist aber eine gesellschaftliche Aufgabe. Denn nicht alleine die digitalen Technologien geben vor, wie die Arbeitswelt der Zukunft aussehen soll. Regionalisierte Digitalisierungsstrategien können dabei helfen, die für das jeweilige Bundesland spezifischen Herausforderungen und Potenziale zu bestimmen, und innovative Lösungen für die Gestaltung der digitalen Zukunft zu entwickeln“, heißt es im Schlusswort.

Als mögliche Strategien für die Bundesländer nennt die Studie:

  • Durch Forschungsförderung und die Gestaltung der Beziehung zwischen Hochschulen und Wirtschaftsunternehmen kann beeinflusst werden, in welchen Bereichen neue Technologien erforscht werden und wie lange es bis zur Marktreife braucht.
  • Einrichtung einer Ethikkommission.
  • Ausbau der digitalen Infrastruktur in strukturschwachen Regionen: „Solange menschliche Arbeit billiger ist, lohnen sich Investitionen in Computer und computergesteuerte Maschinen erst nach längerer Zeit oder gar nicht. Bei starkem Lohngefälle zwischen den Regionen führt das dazu, dass in Bundesländern mit niedrigeren Löhnen weniger in neue digitale Technologien investiert wird als in anderen – was letztlich zu einer Vertiefung des regionalen Lohngefälles führt.“
  • Weiterbildung für neue und bestehende Mitarbeiter hinsichtlich der künftigen, digitalen Arbeitswelt.

Die komplette IAB-Studie finden Sie online als PDF HIER.

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