Webportal mit und für Migranten

Ankommen leicht gemacht

| Autor / Redakteur: Mirjam Hacker / Susanne Ehneß

Startseite des Infoportals
Startseite des Infoportals (Bild: handbookgermany.de)

Wer neu nach Deutschland kommt, findet unter handbookgermany.de erste Orientierungshilfe in vier Sprachen. Die Inhalte des Informationsportals stammen vom Journalistennetzwerk „Neue deutsche Medienmacher“. Impulsgeber und technische Partner sind T-Systems und Adobe Systems.

„Ich verließ Syrien, um mein Studium zu beenden. Zuerst musste ich Deutsch lernen. Sobald ich ein gutes Niveau erreicht hatte, suchte ich nach Universitäten. Eine Möglichkeit ist es, im Internet zu suchen, eine andere, deutsche Studenten um Rat zu fragen“, sagt der 23-jährige Nebras Turkieh in die Kamera. Sein Erklär-Video in arabischer Sprache ist eines von vielen auf handbookgermany.de. Das Informationsportal von Migranten für Migranten bietet zahlreiche Informationen, die das Ankommen in Deutschland leichter macht.

Enger Draht zum Nutzer

Wie finde ich eine Wohnung? Wo muss ich meine Kinder für die Schule anmelden? Was meinen die Deutschen, wenn sie „Mahlzeit!“ sagen? Auf all diese Fragen zu Gesetzen, Sitten und Gebräuchen gibt das Portal Auskunft. Hinter den Beiträgen stecken Redakteure des Journalistennetzwerks „Neuen deutschen Medienmacher“. Eine von ihnen ist Shamila Hashimi, eine Journalistin aus Afghanistan, die seit 2014 in Deutschland lebt: „Uns geht es nicht nur darum, Information weiterzugeben, sondern sie leicht verständlich aufzubereiten. Wir wissen genau, was unsere Zielgruppen beschäftigt, und sie vertrauen uns, weil wir Teil ihrer Community sind“.

Die bisher 40.000 Nutzer und 170.000 Seitenaufrufe monatlich zeigen: Das Konzept funktioniert. Und das ganz ohne Werbung: Wer nicht über einen kostenlosen WLAN-Hotspot zugreift, hat von dem Angebot über die sozialen Medien oder durch Mund-zu-Mund-Propaganda erfahren.

Hotspots für Geflüchtete

Gestartet ist das Projekt im August 2015, als täglich tausende Geflüchtete nach Deutschland kamen. Damals riefen zahlreiche Unternehmen Hilfsinitiativen ins Leben, darunter auch die Deutsche Telekom. Neben verschiedenen weiteren Maßnahmen stattete sie Erstaufnahmeeinrichtungen mit WLAN aus, um den Bewohnern nach ihrer Ankunft in Deutschland kostenlos über das Internet den Kontakt zu Angehörigen zu ermöglichen.

Schnell entstand die Idee, die Startseite mit Informationen wie zum Beispiel wichtigen Kontakten und Anlaufstellen auszubauen. „Wir haben das Portal in etwa drei Wochen aufgebaut“ sagt Ronald Schulz von T-Systems. Hauptanforderung: „Das System sollte mobil verfügbar sein, weil über 70 Prozent der Geflüchteten den Kontakt über das Smartphone halten.“

Starke Partner

Navigation und Inhalte entstanden binnen einer Woche in Zusammenarbeit mit The Digitale, einer Content-Marketing-Tochter der Telekom. Das Ergebnis: refugees.telekom.de, ein Portal in deutscher und englischer Sprache, das bald auch in sieben weitere übersetzt wurde – darunter Farsi, Serbokroatisch und Tigrinya. Dass ein Projekt dieser Größenordnung viele Partner braucht, war den Beteiligten von Anfang an klar. „Unser Ziel war es, refugees.telekom.de so erfolgreich zu machen, dass wir Partner gewinnen können, mit denen wir das Portal noch besser auf die Zielgruppe der Geflüchteten ausrichten können“, sagt Birgit Klesper, President Group Corporate Responsibility Deutsche Telekom. Die passenden Partner wurden bald gefunden: Gemeinsam mit der Initiative Charta der Vielfalt, dem Bundeskanzleramt und Medienpartnern wie der Deutschen Welle nahm das Projekt richtig Fahrt auf.

Digitales Handbuch

Erster wichtiger Schritt: Als gemeinsames Kooperationsprojekt sollte die Seite ihr typisches Telekom-Branding ablegen und mit neutralem Layout außerhalb der Konzernplattform gehostet werden. Dafür holte die Telekom das Softwareunternehmen Adobe Systems mit ins Boot, das zur Erstellung neuer Templates sein Content-Management-System zur Verfügung stellte. Nächster Schritt: ein neuer Name.

Hier einigten sich die Partner auf einen Titel, den zuvor bereits ein ähnliches Projekt der Bundesregierung getragen hatte: 2001 als umfangreiches Druckwerk erschienen, erklärt das „Handbuch Deutschland“ Zugezogenen die deutsche Welt von Fahrkartenautomat bis Verkehrszeichen. Die Domain der dazugehörigen Website ließ sich ohne weiteres reaktivieren.

Zentraler Knotenpunkt

Parallel dazu etablierte das Bundeskanzleramt mit Hilfe der „Neuen deutschen Medienmacher“ eine unabhängige Redaktion. Statt die Inhalte einfach nur aus dem Deutschen in die anderen Sprachen zu übersetzen, erarbeiten nun vier Redakteure eigenverantwortlich die Inhalte für „ihre“ Sprache. „Die Impulse für unsere Beiträge erhalten wir über die sozialen Medien oder in Workshops mit Geflüchteten“, sagt Shamila Hashimi, die das Angebot in Persisch betreut. Derzeit gibt es das Portal in drei weiteren Sprachen – Deutsch, Englisch und Arabisch.

2018 soll das Team wachsen: Dann wird es auf der Seite auch Inhalte auf Französisch, Türkisch und Russisch geben. Langfristiges Ziel: das digitale Handbuch zum zentralen Knotenpunkt für alle Migranten zu machen. Denn zu wissen, wer bei der Jobsuche hilft, was eine SCHUFA-Auskunft ist und was „April, April!“ bedeutet, ist nicht nur für Geflüchtete wichtig, um in Deutschland heimisch zu werden.

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