Digital Government Barometer

Angst vor Datenklau ist das größte Hindernis für eGovernment

| Autor: Manfred Klein

Die Bundesbürger vertrauen ihren Behörden, weniger jedoch deren technischen Möglichkeiten und dem Internet allgemein
Die Bundesbürger vertrauen ihren Behörden, weniger jedoch deren technischen Möglichkeiten und dem Internet allgemein (Bild: © Dreaming Andy – stock.adobe.com)

Die Unternehmensberatung Sopra Steria beginnt, die Ergebnisse ihrer im Dezember erschienenen Studie „European Digital Government Barometer 2017“ zu veröffentlichen. Dabei zeigt sich, nicht nur die Öffentliche Verwaltung hat so ihre Probleme mit der Digitalisierung, auch der deutsche Michel zeigt sich wieder einmal sehr bedächtig.

So sind laut Studie zwar 85 Prozent der Deutschen prinzipiell bereit, alle Behördengänge über digitale Kanäle zu erledigen. Doch für jeden zweiten Bundesbürger (48 Prozent) wäre das Risiko von Datenphishing-Attacken eine wesentliche Hürde, Behördengänge online zu erledigen. 38 Prozent äußern zudem generelle Bedenken, persönliche Informationen über das Internet zu übermitteln.

Gleichwohl sehen die Bürger in Deutschland die die digitale Verwaltung sehr viel kritischer als in Großbritannien, Frankreich und Norwegen. In der Studie klingt das dann so: „Die Erwartungen der Bürger an eine fortschrittliche digitale Verwaltung sind größer als bei der Befragung 2016. Vor allem in Deutschland sind die Menschen im Vergleich zum Vorjahr kritischer geworden. 52 Prozent der Deutschen sehen beim Online-Angebot Defizite, sechs Prozent sogar starken Nachholbedarf. 2016 gab noch eine knappe Mehrheit eine positive Bewertung ab. In Frankreich, Großbritannien und Norwegen sieht dagegen die große Mehrheit ihre Verwaltung auf einem guten Weg.“

Und weiter: „Wie bereits bei der Vorjahresbefragung fällt das Urteil der Bürger über den digitalen Fortschritt in den einzelnen Verwaltungsteilen sehr unterschiedlich aus. Die Finanzverwaltungen erhalten die besten Noten. In Deutschland bewerten sechs von zehn Bürgern das Online-Angebot der Behörden als fortgeschritten, beispielsweise die Abgabe der Einkommensteuererklärung über das Internet. Vergleichbare Erwartungen haben die Bundesbürger nun auch an Schul- und Ausbildungsbehörden. Sie wünschen sich mehr Positivbeispiele wie den elektronischen BAföG-Antrag. Großer Nachholbedarf besteht aus Sicht der Bevölkerung auch beim Beantragen sozialer Leistungen wie Arbeitslosengeld und Wohngeld.“

Vor diesem Hintergrund sind nach Meinung der Autoren Politik und Öffentliche Verwaltung gefordert, das Vertrauen in die Onlinekommunikation mit Behörden zu stärken, damit wie mit der digitalen Agenda gewünscht, mehr Bürger die digitalen Verwaltungsdienste wie Einwohnmeldeangelegenheiten, Kfz-Zulassungen und Steuererklärung nutzen können.

„Die Ergebnisse zeigen: Es ist wichtig, nicht nur die eigenen IT-Systeme und Netze genügend gegen Cyberattacken zu schützen. Nur wenn die gesamte digitale Strecke zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Behörden sicher ist, wird die Masse der Bürger ihre Behördenangelegenheiten ohne ungutes Gefühl online erledigen“, sagt Dr. Andreas Simon, Experte für Digital Government.

Denn am Vertrauen in die Informationssicherheit der Öffentlichen Verwaltung mangelt es in der Bevölkerung nicht. 70 Prozent der Deutschen sehen ihre personenbezogenen Daten bei den Behörden generell in guten Händen, so die Studie. Viele Bundesbürger fürchten vielmehr, dass ihre Daten auf der Strecke zwischen Computer, Smartphone und Tablet und dem Behördenserver in die Hände Dritter gelangen könnten „Die Öffentliche Verwaltung genießt generell ein hohes Ansehen in der Bevölkerung, was den Datenschutz und die Informationssicherheit angeht“, sagt Dr. Andreas Simon von Sopra Steria Consulting.

14 Prozent bevorzugen den persönlichen Besuch in der Behörde

Abseits der Sicherheitsbedenken äußern die Bundesbürger weitere Hürden, die sie von der Nutzung digitaler Angebote der Öffentlichen Verwaltung abhalten würden. 29 Prozent nennen die Sorge, dass sie online niemand mit Informationen und Hinweisen, beim Ausfüllen von Anträgen unterstützt. 14 Prozent der Bürger in Deutschland bevorzugen generell das persönliche Gespräch mit einem Verwaltungsmitarbeiter gegenüber der Internetkommunikation, elf Prozent würden eGovernment meiden, wenn sie das Gefühl hätten, dass Online-Dienste Behördenangelegenheiten verkomplizieren anstatt sie zu vereinfachen.

Ergänzendes zum Thema
 
Mehr zur Studie und weiterführende Links

Bei Sopria Steria zieht man daraus den Schluss: „Für die Öffentliche Verwaltung sind die Bedenken der Bürger wertvolle Hinweise, wie sie digitale Angebote künftig gestalten müssen. Abstriche beim Service sind ebenso wenig erlaubt wie in punkto Sicherheit. Wichtig ist eine Onlineberatung für weniger geübte Menschen, die sie durch die virtuellen Behörden lotst und hilft, Anträge zu stellen. Die gute Nachricht: Immerhin jeder vierte Deutsche sieht keinerlei Hürden, digitale Verwaltungsdienste zu nutzen.“

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