eVergabe in Deutschland

Analoge Vergabe verursacht Kosten von 2 Milliarden Euro

| Redakteur: Manfred Klein

Wie könnten zum Beispiel Kommunen von einem einheitlichen Einsatz der XVergabe profitieren?

Zeidler: Kommunen, die bereits elektronische Vergabeverfahren einsetzen, erreichen künftig durch die XVergabe eine größere Zahl von Bietern. Das führt zu wirtschaftlicheren Angeboten und besserer Qualität. Zusätzlich senkt XVergabe aber vor allem die Hemmschwelle für diejenigen Vergabestellen, die sich wegen der erwähnten Schwierigkeiten noch nicht so recht an die eVergabe herantrauen. Da liegt noch ein gewaltiges Einsparpotenzial.

Unternehmen, die Angebote nicht mehr in Papierform drucken und per Post verschicken müssen, sparen nicht nur enorm viel Zeit, sondern auch Geld: Schätzungsweise können durch die eVergabe auf Unternehmerseite rund 970 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden.

Aufseiten der Behörden wird sogar mit Einsparungen von knapp 1,2 Milliarden Euro gerechnet. Grund dafür sind größere Transparenz, schnellere Auswertbarkeit und geringere Prozesskosten für die Vergabestellen. Gerade letztere sind vielfach erstaunlich hoch.

Noch vor einigen Jahren waren bei bestimmten Vergabeverfahren im Bund oft regelrechte Materialschlachten üblich. Bei großen Ausschreibungen wurden manchmal sogar Kleintransporter angemietet. Darin transportierte man die Papiermassen mit Angeboten zu ebenfalls angemieteten Hallen zur Auswertung. Bei Kommunen werden die Maßstäbe in den Vergabeverfahren zwar etwas kleiner gesetzt, aber trotzdem kann auch hier das Papierverfahren Zeit, Geld und Nerven kosten.

Unter den Nutzern der eVergabe kenne ich deshalb keinen, der noch zur Papierwelt zurück will. Jetzt geht es vor allem darum, auch diejenigen zu gewinnen, die noch keine eVergabe nutzen.

Das Beschaffungsamt des BMI arbeitet in Brüssel an der Grundlagenentwicklung für die elektronische Auftragsvergabe mit. Wie stellt sich der Projektstand gegenwärtig dar?

Zeidler: Ergebnisse aus dem Projekt XVergabe werden im EU-Projekt eSENS eingebracht, das für die Vereinheitlichung beziehungsweise die Interoperabilität der IT-Systeme der verschiedenen Länder arbeitet. Eine erste erfolgreiche Live-Demonstration gab es bereits im vergangenen Jahr in Brüssel auf der „Konferenz zum elektronischen Vergabeverfahren – Herausforderung und Chance“.

In der gesamten EU ist der Handlungsbedarf auf dem Gebiet der elektronischen Vergabe natürlich mindestens ebenso dringend wie in Deutschland selbst: Nach Schätzungen der EU-Kommission sind hier mehr als 300 verschiedene Lösungen im Einsatz – ein Riesenproblem für EU-weite Ausschreibungen. Umso wichtiger ist es, dass XVergabe möglichst bald in Deutschland zum Standard erklärt und etabliert wird.

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posted am 11.07.2013 um 21:03 von woksoll


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