Interoperabilität in der ambulanten Versorgung muss vorankommen

Ambulante Versorgung besteht aus unterschiedlichen Sektoren und Disziplinen

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Was die ambulante Versorgung betrifft, so sind noch nicht alle Probleme zufriedenstellend gelöst.
Was die ambulante Versorgung betrifft, so sind noch nicht alle Probleme zufriedenstellend gelöst. (Bild: bmg)

Die ambulante Versorgung in Deutschland ist gekennzeichnet durch ein komplexes Zusammenspiel zwischen Einrichtungen unterschiedlicher Sektoren und Disziplinen. Sowohl aus medizinischen als auch aus versorgungspolitischen Gründen ist eine stärkere Integration der zum Einsatz kommenden IT-Systeme wünschenswert. Beispiele dafür existieren bereits.

Die Gesundheitspolitik fordert von der ambulanten Medizin zunehmend kooperative Strukturen und eine stärkere Verzahnung der Versorgungsprozesse zwischen den an der Patientenversorgung beteiligten Sektoren. So wird derzeit mit der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung ein komplett neuer Versorgungssektor eingeführt, der eine Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern obligat vorsieht. Krankenkassen und Kassenärzte fördern außerdem Ärztenetze und damit die regionale Zusammenarbeit zwischen Leistungserbringern.

Viele Erfolgsmodelle in der ambulanten IT-Kommunikation

Punktuell funktioniert die IT-basierte Kooperation in regionalen Versorgungsstrukturen bereits ausgezeichnet. Beispiele dafür werden im Kongress des Healthcare-IT-Branchentreffs conhIT 2014 in der Kongress-Session „IT-Integration in der ambulanten ärztlichen Versorgung“ (7. Mai 2014; 11.30 bis 13.00 Uhr) vorgestellt und diskutiert.

So hat sich in den letzten Jahren mit dem Westdeutschen Teleradiologieverbund in Nordrhein-Westfalen ein großes teleradiologisches Netzwerk gebildet, innerhalb dessen CT- und MRT-Bilder übermittelt und Zweitmeinungen von spezialisierten Experten eingeholt werden können. Als weiteres Beispiel wird das sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen vorgestellt, das unter anderem elektronische KV-Abrechnungen erlaubt und Dienste für die direkte medizinische Kommunikation zwischen Arztpraxen anbietet. Aktuell entwickelt die KV-Seite unter dem Namen „KV-Connect“ neue Spezifikationen, die eine nahtlosere Integration in die Praxis-IT-Systeme ermöglichen sollen.

Auch die Krankenkassen arbeiten an der IT-Integration der ambulanten Versorgung. So wurde eine IT-Schnittstelle für Selektivverträge erarbeitet, die eine elektronische Abrechnung zwischen Ärzten und Krankenkassen im Rahmen neuer, integrierter Versorgungsszenarien erlauben soll.

Interoperabilität muss noch stärker adressiert werden

Noch längst sind nicht alle Probleme gelöst: „Wir würden uns wünschen, dass die IT-Anbieter in der kommenden Dekade sich verstärkt um die Interoperabilität ihrer Systeme bemühen“, betont Dr. Christian Peters, Leiter der Abteilung Ambulante Versorgung beim AOK-Gesundheitsverband. Zusammen mit einem Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hat Peters den Vorsitz der conhIT-Session zur IT-Integration in der ambulanten Versorgung inne.

Verbesserungsbedarf sieht Peters unter anderem bei den Abrechnungsschnittstellen für neue Versorgungsformen. So muss es im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung IT-Lösungen geben, die eine Abrechnung sowohl über die KV als auch direkt mit den Krankenkassen ermöglichen. Klare Defizite gibt es auch beim Austausch medizinischer Daten, die zum Beispiel in Ärztenetzen eine herausragende Bedeutung hat: Einheitliche, systemübergreifende Schnittstellen für den Datentransfer zwischen IT-Systemen gibt es bisher noch nicht in allen Softwarelösungen, in denen das wünschenswert wäre. Doch es deutet sich Bewegung an: Im Koalitionsvertrag hat die schwarz-rote Regierung bereits angekündigt, sich mit diesem Thema zu befassen.

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