Digitalgipfel 2019

Altmaier startet Projekt zu einer europäischen Cloud

| Autor: Manfred Klein

Kann Europa sich gegen die Internetgiganten mit einer eigenen Cloud durchsetzen?
Kann Europa sich gegen die Internetgiganten mit einer eigenen Cloud durchsetzen? (© Vittaya_25 – stock.adobe.com)

Auf dem Digitalgipfel mehren sich die Anzeichen, dass das Thema digitale Infrastruktur in der Politik angekommen ist. So hat der Staatssekretär im Bundesinnenministerium in seinem Einführungsvortrag eine föderale Cloud für Deutschland gefordert. Und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat auf dem Gipfel das GAIA-X Papier über eine europäische Dateninfrastruktur vorgestellt.

Deutsche und europäische IT-Anbieter sollen sich künftig zu einem Netzwerk zusammenschließen, bei dem Unternehmen ihre Daten sicher und selbstbestimmt speichern und verarbeiten können. Das ist der Kern eines ambitionierten Projekts für eine europäische Daten-Infrastruktur als Alternative zu Diensten amerikanischer Internet-Riesen, die Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Dienstag auf dem Digital-Gipfel in Dortmund präsentiert hat, wie die dpa berichtete.

Das Cloud-Netzwerk Gaia-X soll unter anderem europäischen Firmen auch den Weg zu digitalen Geschäftsmodellen ebnen. Es soll etwa auch dabei helfen, mit Hilfe von Datenanalyse Krankheiten wie Krebs zu bekämpfen. Diverse praktische Fragen wie Kosten, Finanzierung oder Bedarf an Software-Entwicklern blieben bei dem europäischen Konzept jedoch zunächst noch offen.

In der Präambel des Dokuments heißt es zur Zielsetzung von GAIA-X: „Das Projekt dient dem Ziel,

1. die technische und wirtschaftliche Konzeption einer solchen Infrastruktur zu konkretisieren,

2. auf dieser Basis ein gemeinsames Ökosystem von Anwendern und Anbietern aus Organisationen der öffentlichen Verwaltung, des Gesundheitswesens, Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen zu schaffen

3. sowie unterstützende Rahmenbedingungen und Strukturen zu etablieren.“

Weiter heißt es: „Wir verstehen das Projekt GAIA-X als Wiege eines offenen digitalen Ökosystems, in dem Daten sicher und vertrauensvoll verfügbar gemacht, zusammengeführt und geteilt werden können. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit weiteren europäischen Ländern für Europa, seine Staaten, seine Unternehmen und seine Bürgerinnen und Bürger die nächste Generation einer vernetzten Dateninfrastruktur zu schaffen, die den höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügt und Innovationen fördert.

Die geplante Infrastruktur soll sich an folgenden Leisätzen orientieren:

1. Europäischer Datenschutz

2. Offenheit und Transparenz

3. Authentizität und Vertrauen

4. Souveränität und Selbstbestimmtheit

5. Freier Marktzugang und europäische Wertschöpfung

6. Modularität und Interoperabilität und

7. Nutzerfreundlichkeit.

Zur Umsetzung wird im GAIA-X-Dokument folgender Lösungsansatz beschrieben: „Getrieben durch die beschriebenen Entwicklungen (Industrie 4.0, Edge und Cloud Computing etc.) steigt die Bedeutung von Multi-Cloud-Strategien und damit der Interoperabilität rapide an. Anwender erwarten Flexibilität, Funktionalität, Anwendungsfreundlichkeit, weltweite Verfügbarkeit, unternehmensübergreifende Services, Spezialisierung von Services oder verteilte Datenverarbeitung und Datenhaltung. Einfache Migration zu anderen Cloud-oder Edge-Anbietern muss möglich sein. Anwender verlangen Interoperabilität, d.h. das Finden und die effiziente Nutzung von Diensten über neue Daten- und Dienstvermittler. Hierzu gehört auch die Transparenz über angebotene Dienste. Anwender möchten die Datenverarbeitung flexibel über viele Anbieter verteilen können und dabei auf robuste Prozesse zurückgreifen.“

Interoperabilität sei daher eine der zentralen Anforderungen an die vernetzte Dateninfrastruktur. Sie werde auf drei Infrastruktur-Ebenen betrachtet: Technische und semantische Interkonnektivität auf Netzwerk-, Daten und Dienstebene. Innerhalb Europas gebe es bereits Netzwerkinfrastrukturen und Interkonnektivitätskonzepte für Cloud-Infrastrukturen, die durch den GAIA- Ansatz integriert werden könnten und Verteiltheit überhaupt erst ermöglichten. So säßen drei der fünf größten Interconnection Hubs (IXPs)weltweit innerhalb von Europa. Eine vernetzte Dateninfrastruktur müsse als Mehrwert für den Anwender den intradomänen- und interdomänenspezifischen Austausch sowie die Verkettung von Daten und Diensten über Anbieter- und Kundengrenzen hinaus ermöglichen. Insbesondere die Kollaboration zwischen Edge- und Cloud-Instanzen müsse möglichst einfach sein. Damit würden auch für Klein- und Mittelständische Unternehmen (KMU) die Einstiegshürden für Edge und Cloud Computing sinken.

Erste Reaktionen aus der Wirtschaft gibt es ebenfalls schon. So erklärte der Verband der Internetwirtschaft e.V., eco: „Digitale Souveränität in Form von leistungsfähigen und sicheren digitalen Infrastrukturen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor und entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. eco begrüßt und unterstützt daher grundsätzlich die auf dem Digitalgipfel in Dortmund von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vorgestellten Überlegungen der Bundesregierung hinsichtlich der Konzeption einer leistungsfähigen, sicheren und souveränen europäischen Dateninfrastruktur im Dialog zwischen Staat, Wirtschaft und Forschung.“

eco-Vorstandsvorsitzender Oliver Süme erklärte: „Europa braucht einen intelligenten Mix an digitalen Infrastrukturanbietern und eine Stärkung des Standorts für Anbieter ebensolcher Angebote. Daher. glauben wir, dass Anwenderunternehmen – ob KMU, Global Player oder eben auch die öffentliche Verwaltung selbst – eine solche Orientierung hinsichtlich der Verfügbarkeit vertrauenswürdiger Infrastrukturen – von Edge Computing über Cloud Computing, bis hin zu Hyperscalern – benötigen, um souverän wirtschaftliche Entscheidungen in Zeiten der digitalen Transformation treffen zu können.“

Praxisanwendungen für eHealth und Public Sector

Das GAIA-X-Dokument enthält auch eine Reihe von Anwendungsbeispielen für das Gesundheitswesen. Die Autoren diskutieren insbesondere Einsatzmöglichkeiten von KI im Bereich klinischer Studien, die KI-basierte eTriage in der Notaufnahme und die bessere Gesundheitsvorsorge mit Smart Wearables.

Im Bereich der Öffentlichen Verwaltung wird die Nutzung von GAIA beim Einsatz von Chatbots der Nutzen von Big Data für die smarte Stadt von morgen diskutiert.

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