Objektverwaltung mit Near Field Communication (NFC) Alles im Blick

Autor: Susanne Ehneß

Die bayerische Stadt Schwabmünchen hat sich für den Einsatz einer Smart-City-Lösung entschieden, durch die sich kommunale Besitztümer einfacher verwalten lassen sollen.

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NFC-Chip an einem Baumstamm
NFC-Chip an einem Baumstamm
(© EineStadt)

Das junge Unternehmen EineStadt hat eine Lösung entwickelt, bei der verwaltungsrelevante Gegenstände einer Stadt, wie Bäume oder Hundestationen, mit NFC-Chips ausgestattet werden. Ein Verwaltungsmitarbeiter liest per Tablet den Chip aus und gelangt so zum entsprechenden Datenbankeintrag. In Schwabmünchen werden diese Chips seit 2016 eingesetzt. Wir haben bei EineStadt-Geschäftsführer Sebastian Seitz nachgefragt, wie diese Lösung in der Praxis aussieht.

Wofür ist Ihre Smart-City-­Lösung genau gedacht?

Seitz: Unsere Lösung dient dazu, Kommunen die Verwaltung all i­hrer kontrollrelevanten Objekte zu erleichtern sowie den Bürger zu integrieren. Mitarbeiter der Verwaltung, Dienstleister und die Bürger kommunizieren alle über eine Schnittstelle direkt am Objekt. Es wird eine zentrale Datenbasis für alle geschaffen.

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Welche Elemente umfasst die Lösung?

Seitz: Zum einen unterscheiden wir innerhalb unserer Anwendung nach Lizenzen – eine Lizenz sind zum Beispiel Spielplätze. Mit dieser Lizenz lassen sich alle Spielplätze einer Kommune mit beliebig vielen Objekten verwalten. Weitere Lizenzen bieten wir an für Straßenlaternen, Hundetoiletten, Mülleimer, Bäume, Straßenschilder, Ruhebänke, Hydranten, Schächte, Kanäle, Hausanschlüsse, Wasserschieber, Gasschieber, Sickerschächte sowie Verteilnetze von Stromlieferanten.

Innerhalb jeder Lizenz gibt es mehrere Module für die Nutzung. Ein Modul ist die digitale Dokumentation von Wartung und Inspektion durch städtische Mitarbeiter und externe Partner. Ein weiteres Modul stellt das Bürgermeldesystem dar, dieses kann flexibel ein- oder ausgeschaltet werden. Ist es eingeschaltet, kann der Bürger den NFC-Chip am Objekt auslesen und Probleme melden. Auch können beispielsweise morsche Bäume oder defekte Straßenlaternen gemeldet werden. Ist es ausgeschaltet, kann der Bürger zwar zum Beispiel die Baumart auslesen, aber keine Probleme melden.

Das dritte Element, das wir anbieten, ist die darauffolgende Auswertung der Meldungen und Optimierung der Abläufe bei der Stadt. So können beispielsweise regelmäßige Fahrten zu nur halbvollen Mülleimern eingespart und durch bedarfsgerechte Leerung nach Meldung ersetzt werden.

Welche Kosten kommen dabei auf eine Kommune zu?

Seitz: Das hängt natürlich von der Größe und der Einwohnerzahl der Kommune ab, allerdings bieten wir unsere Lösung auch als einzelne Lizenz an (zum Beispiel nur Spielplätze) und ist somit auch für kleine Kommunen erschwinglich. Die jährliche Nutzungsgebühr für eine Einzellizenz liegt im niedrigen vierstelligen Bereich, für die Hardware kostet jeder Chip pro Objekt einen Euro. Als Ausleseequipment können bereits in Besitz befindliche Smartphones und Tablets genutzt werden; falls nicht vorhanden, bieten wir auch spezielle Outdoor-Tablets an.

Auf der nächsten Seite: Wofür interessieren sich Verwaltungen am meisten? Und: Bilder.

Die Chips sind für verschiedene Anwendungen, wie Bäume, Laternen oder Spielplätze, konzipiert. Für welchen Einsatz interessieren sich Verwaltungen vor allem?

Seitz: Aktuell steht der Einsatz unserer Lösung auf Spielplätzen im Fokus – für die Kommunen häufig aus versicherungsrelevanten Gründen. Eltern haften für ihre Kinder und Kommunen für ihre Spielplätze – im Laufe eines Jahres werden Spielplätze oft mehrmals, in Großstädten sogar wöchentlich, kontrolliert. Gleichzeitig steigt die Klagefreudigkeit der Nutzer; Kommunen sind also gezwungen, sich und ihre Mitarbeiter immer besser abzusichern.

Immer wenn ein Chip ausgelesen wird, hinterlässt der Kontrolleur eine digitale Signatur, dadurch ist möglich, auf die Sekunde genau nachzuweisen, wann der städtische Kontrolleur am Spielgerät war und welche Informationen er erfasst hat. Im Schadensfall lassen sich so detaillierte Inspektionsprotokolle vorlegen, die Inspektor und Kommune entlasten und ein vorschriftsmäßiges Kontrollwesen nachweisen.

Gleichzeitig hilft unsere eMail-Reminderfunktion, in der Kontrollturnusse hinterlegt werden können, sodass keine Inspektion vergessen wird. Außerdem hoch im Kurs steht unsere Anwendung für Hundetoiletten und Mülleimer – hier melden Bürger volle Müll­eimer und Toiletten, und der Bauhof kann bedarfsgerecht leeren und spart sich Fahrten zu halbleeren Mülleimern.

Gleichzeitig muss sich der Bürger nicht mehr über überquellende Mülleimer ärgern und kann über seine Meldungen einen Beitrag zur Sauberkeit des öffentlichen Raumes leisten.

Sind weitere Einsatzbereiche geplant?

Seitz: Ja, aktuell bereiten wir den Einsatz in den Bereichen Ver- und Entsorgung vor. Das umfasst im Speziellen Kanäle, Hausanschlüsse, Gasschieber und (Feuerwehr-)Hydranten. Hier sind unsere Zielgruppe insbesondere Stadt- und Wasserwerke, die damit einfach die Kontrolle und den Erhalt ihrer weitläufigen Infrastruktur sicherstellen.

In ähnlicher Art und Weise testen wir auch gerade den Einsatz unseres Systems in den Bereichen Netzanbieter mit dem Schwerpunkt Stromnetze. Die Betreiber müssen hier auch eine umfassende Wartung und Kontrolle einer Vielzahl von Objekten sicherstellen. Als zusätzliches Schmankerl bieten wir eine Anwendung für die automatisierte Abrechnung von externen Dienstleistern an.

Wie oft müssen die Chips oder Aufkleber ausgetauscht werden?

Seitz: Bisher fast nie. Wir testen unsere Chips seit mehreren Jahren und hatten bis dato noch keine Ausfälle. Bei den Deckaufklebern, die wir mit dem Stadtlogo bedrucken, haben wir aber bereits eine gewisse Entwicklung durchlaufen. Der geplante Turnus ist, dass die Chips mindestens zehn Jahre am Objekt halten – Vandalismus ausgenommen.

Auf der nächsten Seite: Nutzen für Verwaltungsmitarbeiter & Erfahrungen aus Schwabmünchen.

Welchen Nutzen hat Ihre Lösung für Verwaltungsmitarbeiter und Bürger?

Seitz: Der Verwaltungsmitarbeiter erfährt eine signifikante Arbeitserleichterung. Kernnutzen ist das Ersparen der Suche nach Objekten. Mit dem Chip am Objekt öffnet sich immer automatisch der richtige Datensatz. Die oft lästige Dokumentation, zum Beispiel erst die Kon­trollergebnisse auf Papier festhalten und später im Büro in den PC tippen, entfällt komplett oder wird stark vereinfacht – unsere App kann auch per Sprache gesteuert werden –, und es bleibt mehr Zeit für die eigentlichen Wartungs- und Inspektionsaufgaben.

Gleichzeitig sichert sich der städtische Kontrolleur gegenüber Haftungsansprüchen durch die lückenlose Dokumentation ab. Kontrolleure können entspannt ihrer Arbeit nachgehen, da Reparaturaufträge an andere Abteilungen im Ticketsystem mühelos verfolgt werden können und sich der jeweilige Status einer Meldung jederzeit abfragen lässt.

Ein weiterer großer Vorteil für die Verwaltungen ist, dass Meldungen kanalisiert über unser Meldesystem eintreffen und dadurch direkt bei den richtigen Ansprechpartnern landen – vorbei die Zeit der Post-Its!

Für den Bürger ergibt sich auch eine Vielzahl an Vorteilen. Er kann Meldungen an die Stadtverwaltung schnell und unkompliziert abgeben, muss nicht zu den Öffnungszeiten anrufen und sich zum richtigen Ansprechpartner durchfragen. Gleichzeitig fühlt sich der Bürger gehört, weil ihm nun die Möglichkeit gegeben wird, mit der Stadtverwaltung zu interagieren und Feedback erhält – zum Beispiel „Lampe repariert“.

Wie hoch sind die Sicherheitsstandards bei der Datenbank-Verwaltung?

Seitz: Unsere Datenbanken werden in Deutschland gehostet und unterliegen dem Bundesdatenschutzgesetz. Unser zertifizierter Hostingpartner garantiert Ausfallschutz während wir zusätzlich durch ein tägliches Backup für höchste Datensicherheit sorgen. Userdaten und Passwörter werden grundsätzlich mit PHP-Funktionen verschlüsselt abgelegt und zusätzlich mit einem „Salt“ versehen. Der Datenfluss zwischen Datenbank und User wird ausschließlich SSL-verschlüsselt übertragen.

In Schwabmünchen wird die Lösung seit über einem Jahr eingesetzt. Was klappt, wo hakt es noch?

Seitz: Der Bürger nimmt das System sehr gut an, und die Verwaltung ist begeistert! Fast alles funktioniert, ein paar Nebenfeatures fehlen aktuell noch. Wie zum Beispiel ein kartengestütztes Routing zu gemeldeten Problemen, mit dem dann beispielsweise der Bauhof ­eine Route erstellen kann über alle­ Objektklassen hinweg – und mit einer Fahrt die vollen Mülleimer leert, defekte Spielgeräte repariert und den abgebrochenen Ast an einem Baum entfernt.

In der Verwaltung und den dazugehörigen Betrieben haben wir im Grunde jeden überzeugt. Gerade weniger IT-affine Mitarbeiter werden an die Hand genommen und langsam in das System eingeführt. Für unser System ist es wichtig, Berührungsängste, die manche mit dem sehr technischen englischen Begriff „Smart City“ verbinden, zu überwinden. Wir wollen zeigen, dass unsere App mit Anwendern für die Anwender entwickelt wurde – so einfach und intuitiv wie möglich.

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