Interview

Alles aus einer Hand

21.11.2008 | Autor / Redakteur: Manfred Klein / Manfred Klein

Klaus Schlie
Klaus Schlie

Die Details der elektronischen Kommunikation mit den Kommunen soll in naher Zukunft das eGovernment-Gesetz des Landes regeln. Noch ist das Gesetz aber nicht verabschiedet. Wie ist hier der Stand der Dinge?

Schlie: Das eGovernment-Gesetz, mit dem wir die Standardisierung und Interoperabilität bei der Aufgabenerfüllung gemeinsam mit anderen Trägern der Öffentlichen Verwaltung sicherstellen wollen, hat nach der ersten Kabinettsberatung mittlerweile das Anhörungsverfahren durchlaufen. Wir haben durchweg positive Rückmeldungen zu dem Gesetzentwurf erhalten und bereiten derzeit das Einbringen in den Landtag vor. Unser Ziel ist, das Gesetz im Frühjahr 2009 zu verabschieden.

Auch bei der Reform des IT Managements darf Schleswig-Holstein als Vorreiter gelten. Welchen Stand hat das strategische und operative IT-Management derzeit erreicht und welche Ziele sind im Zusammenhang mit dem eGovernment-Gesetz und der eGovernment-Strategie für die nächste Zeit geplant?

Schlie: Da muss ich etwas ausholen. Schleswig-Holstein hat als erstes Flächenland einen durchgängig ressortübergreifenden Ansatz für das IT Management eingeführt. Dabei bündeln wir Aufgaben, die sonst in jedem Ressort individuell gelöst werden müssten.

Begonnen haben wir bereits vor mehr als zehn Jahren mit einem einheitlichen Arbeitsplatzstandard, der zunächst in den obersten Landesbehörden eingeführt wurde. Sukzessive wurde das Einsatzgebiet ausgedehnt. Heute ist der Standard – mit wenigen, fachlich begründeten Ausnahmen – in der gesamten Landesverwaltung im Einsatz. Das spart nicht nur Kosten, sondern ermöglicht uns auch, Änderungen der Organisation mit geringem Aufwand abzubilden und unsere Verwaltung flexibel an sich ändernde Rahmenbedingungen anzupassen.

Als nächsten Schritt haben wir die Datennetze der verschiedenen Verwaltungen gebündelt. Heute sind sämtliche Dienststellen des Landes und alle Kommunen mit einem gemeinsam genutzten Landesnetz miteinander verbunden, über das wir auch telefonieren – inzwischen via IP-Telefonie.

Nach einem ähnlichen Muster bauen wir derzeit unsere Basisinfrastruktur für eGovernment aus, um sie an die deutlich gestiegenen Anforderungen anzupassen. Funktionalitäten wie Benutzerregistrierung, Berechtigungsmanagement, Payment stehen für alle eGovernment-Anwendungen bereit. Das spart nicht nur Entwicklungskosten, sondern ist auch benutzerfreundlich, weil die Anwendungen gleichartig bedient werden und ein Registrierungsvorgang für alle Anwendungen ausreicht. Ein weiteres Beispiel ist die Einrichtung einer zentralen Beschaffungsstelle für IT-Bedarf. Mit diesen Maßnahmen ist eine Angleichung der Prozesse, zum Beispiel für Serveradministration, Anwenderbetreuung und Beschaffung verbunden.

Das alles lässt sich natürlich nur mit einem effektiven Instrumentarium zur Planung und Steuerung bewältigen. Die Grundlage dafür ist die Bündelung der finanziellen Mittel in einem IT-Budget, dessen Bewirtschaftung vom strategischen IT-Management mithilfe eines umfassenden Controlling-Systems gesteuert wird.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die von Fraunhofer entwickelte Roadmap?

Schlie: Die vom Fraunhofer-Institut Fokus entwickelte „Roadmap für kooperatives eGovernment Schleswig-Holstein“ ist eine Studie, die vom Finanzministerium 2007 in Auftrag gegeben wurde und seit März 2008 vorliegt. Wichtigstes Ergebnis des erarbeiteten Handlungsvorschlags von Fraunhofer für die Förderung von eGovernment in Schleswig-Holstein ist der proklamierte kooperative Ansatz, also das Zusammenwirken von Land und Kommunen.

Wir haben diesen wesentlichen Aspekt in unsere gesamten strategischen Überlegungen miteinbezogen und planen, die Zusammenarbeit von Land und Kommunen im eGovernment weiter zu intensivieren und auszubauen.

Mit welchen Ergebnissen ist in den kommenden Monaten bei der Umsetzung von eGovernment in Schleswig-Holstein zu rechnen?

Schlie: Unser Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie. Hierzu schaffen wir derzeit die rechtlichen, technischen und organisatorischen Voraussetzungen. Das Gesetz zur rechtlichen Ausgestaltung der geplanten Anstalt für den Einheitlichen Ansprechpartner soll ebenso wie das eGovernment-Gesetz im kommenden Jahr in Kraft treten.

Aus technischer Sicht planen wir die „eGovernment-Infrastruktur 2.0“: Diese bildet die technische Basis für die Realisierung sämtlicher eGovernment-Anwendungen als eine universell nutzbare Plattform nach dem Prinzip „Einer für Alle“ und steht der Landesverwaltung, aber auch den Kommunen zur Nutzung zur Verfügung. Sie stellt solche Funktionalitäten bereit, die sonst in jeder Fachanwendung einzeln umgesetzt werden müssten.

Parallel dazu arbeiten wir daran, ein Prozessregister aufzubauen. Wir schaffen damit für alle Verwaltungsträger die Möglichkeit, mithilfe modellierter Standardprozesse ihre eigenen Geschäftsprozesse zu analysieren und zu optimieren. Da wir den kommunalen Verwaltungsträgern die Verwendung bestimmter Prozessmodelle weder vorschreiben können noch wollen, setzen wir in diesem Zusammenhang auf das Eigeninteresse der Kommunen. Dieses ist übrigens bereits deutlich artikuliert worden. Darüber hinaus ist das Prozessregister auch eine wesentliche Wissensbasis für die Koordinierung ebenenübergreifender Verwaltungsprozesse durch den Einheitlichen Ansprechpartner.

Auch mit dem Prozessregister legen wir also eine Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie.

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