Kooperatives eGovernment

Alle für einen

16.06.2008 | Autor / Redakteur: Manfred Klein / Manfred Klein

Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS hat einen Handlungsvorschlag zur Förderung des kooperativen eGovernment in Schleswig-Holstein erarbeitet. eGovernment Computing stellt die zentralen Thesen des Papiers vor.

In der Einleitung des Dokuments werten die Autoren das Dokument als konkreten Beitrag zur aktiven Förderung der im März 2007 verabschiedeten eGovernment-Kompetenzinitiative des Landes Schleswig-Holstein: „Aufbauend auf einer Vielzahl konzeptioneller Vorarbeiten begreift die Landesregierung Schleswig-Holstein die aktuellen Herausforderungen als Chance für eine umfassende Modernisierung von Staat und Verwaltung.“

Bei dieser Einschätzung berufen sich die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts auch auf den Ministerpräsidenten des Landes, der die Ziele der Kompetenzinitiative so charakterisierte: „Die Initiative bündelt unser Know-how in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft. Wir wollen die Innovations- und Modernisierungsprozesse in der Öffentlichen Verwaltung beschleunigen und diese so nachhaltig fit machen für die Herausforderungen im europäischen und globalen Wettbewerb. Wer sich in der Öffentlichen Verwaltung – durchgängig und behördenübergreifend – prozessorientiert organisiert und dabei die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien einsetzt, muss nicht nur einen Struktur-, sondern auch einen Kulturwandel anstoßen. Dieser Veränderungsprozess hat soeben erst begonnen. Die eGovernment-Kompetenzinitiative Schleswig-Holstein bildet eine leistungsfähige Plattform, um die Akteure zu vernetzen, um den notwendigen Wissenstransfer und die strategischen Veränderungen auf den Weg zu bringen.“

Die nun vorliegende Arbeit greift die mit der eGovernment-Kompetenzinitiative verfolgten Zielstellung auf und beschäftigt sich mit den Möglichkeiten zur Erschließung verschiedener Modernisierungs- und Gestaltungspotenziale im Rahmen einer kooperativ angelegten Entwicklungsstrategie in Schleswig-Holstein.

Mit der vorliegenden Arbeit war FOKUS betraut worden, um einen strukturierenden Impuls für die weitere Diskussion im Rahmen der eGovernment-Kompetenzinitiative vorzulegen und einen unabhängigen Entwicklungsvorschlag zur Förderung kooperativer eGovernment-Strategien in Schleswig-Holstein zu erarbeiten. Bestandteil der Aufgabenstellung war es auch, auf der Grundlage ausgewählter Dokumente sowie vertiefender Interviews einen Diskussionsvorschlag zur Förderung kooperativer Entwicklungen für eGovernment zu entwickeln.

eGovernment-Roadmap – Worum geht es?

Der Slogan ist alt und beinahe schon zum Kalauer verkommen: „Die Daten sollen laufen, nicht die Bürger“, doch bringt er nach Ansicht der Autoren die wesentliche Zielsetzung von eGovernment auf den Punkt. Allerdings ist die Umsetzung des Mottos alles andere als einfach, wie viele eGovernment-Verantwortliche in den vergangenen Jahren schmerzlich erfahren mussten.

Die Verfasser des FOKUS-Papiers beschreiben das daraus resultierende Dilemma so: „Auch wenn nahezu jedem Mitarbeiter der Verwaltung bereits seit Jahren Technologien wie eMail und Internet zur Verfügung stehen, lassen sich in einer nach wie vor weitgehend nach Aufgaben gegliederten Verwaltungsstruktur, deren Arbeitsabläufe noch immer stark auf Papierakten basieren, durchgängige elektronische Prozesse nur schwer realisieren. Dies liegt vor allem daran, dass auf der Basis der bisherigen stark dezentralen und aufgabenorientierten Verwaltungsstruktur die zahlreichen fachbezogenen IT-Systeme nicht oder nur eingeschränkt für das Zusammenwirken mit anderen IT-Systemen ausgelegt sind.“

So sei eine Vielzahl der in den über 1.000 Landes- und Kommunalverwaltungen Schleswig-Holsteins eingesetzten Softwareprodukte unter der Prämisse angeschafft oder entwickelt worden, für eine spezielle Aufgabe in einer bestimmten Organisationseinheit ein passendes Werkzeug zur Verfügung zu stellen. Diese IT-Systeme würden sich jedoch nur selten oder nur unter großem Aufwand in amts- oder verwaltungsübergreifende Geschäftsprozesse einbinden lassen. Erschwerend komme hinzu, dass aufgrund gleicher oder ähnlicher Anforderungen in zahlreichen Bereichen der Verwaltung gleiche oder ähnliche „Werkzeuge“ entwickelt oder beschafft worden seien.

Hinzu komme, dass die konsequente Ausrichtung des Verwaltungshandelns an Prozessen nicht nur eine Frage der Technologie sei. Die FOKUS-Mitarbeiter weisen nicht als erste darauf hin, dass die angestrebte Ausrichtung der Verwaltung an aufgaben- und prozessorientierten Abläufen alle Handlungsbereiche der Verwaltung umfasst. Die wesentlichen Felder seien – neben der Technologie – die Bereiche Strategie und Politik, Organisation und Verwaltung, Projekt- und Veränderungsmanagement sowie der Bereich der Anpassung juristischer Vorschriften. Zur optimalen Umsetzung dieses komplexen Vorgangs hat FOKUS in seinem Dokument nun eine entsprechende Roadmap vorgestellt.

Leitlinie staatlicher Modernisierung

Daraus leiten die Verfasser die Forderung ab: „Die Schaffung einer prozessorientierten eGovernment-Infrastruktur ist eine notwendige – jedoch keine hinreichende – Bedingung für den Wandel von der aufgaben- zur prozessorientierten Verwaltung. Zur gesamtgesellschaftlichen Optimierung des Verwaltungshandelns ist es erforderlich, dass Entscheider in Politik und Verwaltung die Notwendigkeit – aber auch das enorme Potenzial – einer prozessorientierten Verwaltung erkennen und entsprechende Maßnahmen zur aktiven Gestaltung des notwendigen Wandels in die Wege leiten.“

Und weiter heißt es: „Die wichtigste Bedingung für das Gelingen eines nachhaltigen Wandels und die konkrete Erschließung neuer Arbeits- und Kooperationsformen auf der Grundlage moderner leistungsfähiger Informationstechnologien ist jedoch die Schaffung beziehungsweise Förderung der für den Veränderungsprozess notwendigen Motivation innerhalb der einzelnen Verwaltungen und Ressorts.“ Dazu sei es erforderlich, ein verwaltungsübergreifendes Reformklima zu schaffen.

Fazit und Handlungsempfehlung

Zur Umsetzung verweisen die Autoren auf die von der Landesregierung Schleswig-Holstein im Rahmen ihrer Stellungnahme zum eGovernment 2007 formulierten Leitlinien, die alle den Aufbau einer verwaltungsübergreifenden Zusammenarbeit im Blick haben:

  • Die Leitlinie Innovation durch Kooperation betrifft die aktive Förderung jeglicher Form der zielorientierten Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure zur Erschließung nachhaltiger Optimierungspotenziale im Verwaltungshandeln durch den gezielten Einsatz moderner Technologien.
  • Die Leitlinie Technische und prozessuale Standardisierung unterstreicht die Bedeutung und zwingende Notwendigkeit der Existenz verbindlicher Normen für eine ebenen- und ressortübergreifende Zusammenarbeit.
  • Die Leitlinie Infrastrukturverantwortung des Landes unterstreicht die strategische Dimension einer leistungsfähigen IT-Infrastruktur für die gesamte Verwaltungslandschaft in Schleswig-Holstein und signalisiert die Bereitschaft der Landesregierung hier auch substanziell in die Zukunft des Landes zu investieren.

Auch mit der im Frühjahr 2007 vom Finanzministerium des Landes ins Leben gerufene eGovernment-Kompetenzinitiative verfüge das Land Schleswig-Holstein bereits über einen wichtigen Baustein.

Daher empfehlen die Autoren, auf der Grundlage der eGovernment-Leitlinien des Landes und der vorgelegten Roadmap, noch in diesem Jahr mit der Umsetzung einer gemeinsamen Initiative zur Einführung eines kooperatives eGovernment zu beginnen.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 2013175 / System & Services)