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Studien Akzeptanzsteigerung für den neuen Personalausweis

Redakteur: Manfred Klein

Der elektronische Personalausweis (ePA) wird derzeit umfassend getestet, um mögliche Einsatzoptionen, aber auch die Sicherheit des digitalen Identitätsnachweises zu erforschen. Behörden, Trägern der Öffentlichen Verwaltung und Unternehmen soll so eine erste Hilfestellung im Umgang mit dem neuen Identitätsdokument geboten werden.

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Welche Rahmenbedingungen verhelfen dem ePa zum Erfolg? Darüber zerbricht sich nicht nur das BMI den Kopf.
Welche Rahmenbedingungen verhelfen dem ePa zum Erfolg? Darüber zerbricht sich nicht nur das BMI den Kopf.
( Archiv: Vogel Business Media )

Seit 1. Oktober testet das Bundesinnenministerium (BMI) den elektronischen Personalausweis, der im kommenden Jahr eingeführt werden soll. Sinn des umfangreichen Anwendungstests: Öffentliche Verwaltungen, Wirtschaftsunternehmen und Institutionen sollen sich frühzeitig mit den Komponenten des neuen elektronischen Personalausweises, insbesondere mit dem gegenseitigen elektronischen Identitätsnachweis, vertraut machen können.

Diese Testphase wird sich bis zum 30. Oktober 2010 erstrecken. Dazu konnten sich seit Ende 2008 Firmen, Institutionen und Behörden registrieren. Inzwischen haben sich für den Feldversuch knapp 100 Unternehmen und Verwaltungen angemeldet. Im Juni wurden nun 30 der Interessenten für den zentral koordinierten Teil dieses Tests ausgewählt, in dem Services und Anwendungen in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium des Innern entwickelt werden.

Auch alle anderen Interessenten sind eingeladen, in einem offenen Anwendungstest ab 1. Februar 2010 Erfahrungen und Know-how für den künftigen Einsatz des elektronischen Personalausweises (ePA) zu sammeln.

Ziele des Anwendungstests

Mit den Tests soll erstmals die Anwendung des elektronischen Identitätsnachweises für den Zugang zu eBusiness- und eGovernment-Diensten im Internet sowie an Automaten und Offline-Systemen vorbereitet, überprüft und ausgewertet werden. Ziel ist es, so das Bundesinnenministerium, „eine valide Anzahl attraktiver Einsatzmöglichkeiten für den elektronischen Personalausweis zu schaffen und diese anschließend den Bürgern ab November 2010 für die praktische Nutzung zur Verfügung zu stellen“.

In den Anwendungstests soll besonderes Augenmerk auf die Praxistauglichkeit, Handhabbarkeit und Akzeptanz des elektronischen Identitätsnachweises des künftigen Personalausweises gelegt werden. Die Anwendungsversuche soll den Teilnehmern die Gelegenheit bieten, frühzeitig bei der Einführung mitzuwirken, kompetente Unterstützung bei der Vorbereitung ihrer Anwendungen und Anpassung der Systeme zu erhalten sowie bald möglichst eine Lösung nach dem Stand der Technik zur sicheren Identifizierung für ihre Kunden oder Mitarbeiter umsetzen zu können.

Alexander Schmid von BearingPoint und Leiter des Kompetenzzentrums Elektronischer Personalausweis, bestätigt: „Der elektronische Personalausweis unterstützt vollkommen neue Geschäftsprozesse für die Wirtschaft und die Öffentliche Verwaltung, die eine sichere elektronische Identität erfordern. Hier bieten sich Unternehmen und Behörden erhebliche Potenziale, die elektronische Kommunikation mit ihren Kunden sicherer und einfacher zu machen und darüber ihre Kunden weiter an sich und die eigenen Dienstleistungen zu binden und letztlich auch die Prozesskosten zu senken. Alle Unternehmen und Behörden in Deutschland sind gefordert, diese Möglichkeiten für sich und ihre Geschäftsziele zu evaluieren. Das Kompetenzzentrum bietet dafür mit dem offenen Anwendungstest einen sehr guten Einstieg.“

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Lifetime Safe – elektronisches Schließfach

Doch auch andere arbeiten an der Einführung des elektronischen Personalausweises. So untersuchen Wissenschaftler der TU Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Isprat-Institut mögliche Einsatzkonzepte. Das Projekt will ebenfalls zur Akzeptanzsteigerung des elektronischen Personalausweises beitragen. Dazu wurde eine neuartige Anwendung des elektronischen Personalausweises spezifiziert und implementiert – der Lifetime eSafe.

Dieses elektronische Schließfach soll es dem Nutzer erlauben, persönliche Dokumente langfristig sicher und vertraulich abzulegen. Die sichere Authentisierung des Benutzers am eSafe wird durch den elektronischen Personalausweis ermöglicht. Parallel dazu soll in dem Projekt erforscht werden, wie die langfristige Sicherheit der eingesetzten Technologien erreicht werden kann.

Seit Beginn des Projekts, so die Verantwortlichen, seien bereits signifikante Ergebnisse und Erfolge erzielt worden. Die Forscher untersuchten zunächst vorhandener Applikationen wie die TUDCard, die Studierendenkarte der Hochschule und die Mitarbeiterkarte der TU, hinsichtlich der Übertragbarkeit der Anwendungsszenarien auf den elektronischen Personalausweis. Die Ergebnisse dieser Analyse wurden in Form eines Konferenzbeitrags für die 9th European Conference on eGovernment angenommen und unter dem Titel „From student smartcard applications to the German electronic identity card“ Ende Juni auf der Konferenz an der University of Westminster in London vorgestellt.

Die Anforderungsanalyse und Spezifikation des Prototyps Lifetime eSafe wurden bereits vorher fertiggestellt. Hier wurde auch der Leistungsumfang des eSafe festgelegt. Außerdem untersuchten die Darmstädter die Skalierbarkeit der Lösung sowie den Aspekt der Vertraulichkeit.

Teile des Lifetime eSafe wurden danach zunächst als Demonstrator realisiert, der einen realitätsnahen Eindruck des zu implementierenden Systems vermitteln soll. Er zeigt die Authentisierung des Nutzers mithilfe des elektronischen Personalausweises (Registrierung des Nutzers und Anmeldung bei wiederholter Nutzung) sowie die Verwaltung persönlicher Dokumente im eSafe. Diese können im eSafe umbenannt, gelöscht oder auf die lokale Plattform heruntergeladen werden.

Nützliche Zusatzfunktionen

Während die Darmstädter Forscher technische Grundlagen für mögliche Zusatzfunktionen des neuen elektronischen Personalausweises erarbeiten, untersuchen Verwaltungswissenschaftler des Lorenz-von-Stein-Instituts der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel damit zusammenhängende rechtliche Fragen. Die Resultate der beiden Forschungsgruppen fließen in der Isprat-Studie „Innovative Personalausweisanwendungen“ zusammen. Sie soll eine erste Hilfestellung für Behörden bieten, die mit den klassischen Ausweisfunktionen befasst sind, für Träger der Öffentlichen Verwaltung sowie für Unternehmen, die den elektronischen Identitätsnachweis künftig als Diensteanbieter etwa zur Verbesserung und Erleichterung ihrer eGovernment- und eCommerce-Angebote nutzen wollen. Professor Dr. Utz Schliesky und seine Mitarbeiter nahmen dazu eine systematische Erläuterung des neuen Personalausweisgesetzes vor.

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Zielsetzung der Isprat-Studie

Die Einführung des elektronischen Personalausweises soll eCommerce und eGovernment einen neuen Schub verleihen, doch welchen Mehrwert bieten die neuen Funktionalitäten der Öffentlichen Verwaltung? Diese und andere Fragen will das Isprat-Projekt beantworten. Die ausreichende Verbreitung von Ausweis und erforderlicher Infrastruktur werde zwar noch einige Jahre auf sich warten lassen, eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den Einsatzmöglichkeiten und rechtlichen Anforderungen sei jedoch empfehlenswert, um parallel zur Ausgabe der ersten Ausweise ab 2010 eine Einbindung der neuen Funktionen in bestehende Online-Dienste gewährleisten zu können, erläutert Prof. Schliesky die Zielsetzung des Vorhabens.

Den aktuellen Entwicklungsstand charakterisieren die Kieler Forscher so: „Das neue ePersonalausweisgesetz ergänzt einerseits die hoheitliche Ausweisfunktion um biometrische Daten. Neu ist andererseits vor allem der elektronische Identitätsnachweis, der ein elektronisches Speichermedium nutzt und dem Ausweisinhaber die Option eröffnet – es gilt das Freiwilligkeitsprinzip – sich auch im virtuellen Kontakt eindeutig zu identifizieren. Der elektronische Identitätsnachweis ist dabei keine Einbahnstraße vom Nutzer zum Diensteanbieter, vielmehr muss sich auch das virtuelle Gegenüber eindeutig mithilfe eines Berechtigungszertifikats identifizieren. Ohne ein solches ist der Zugriff auf das (kontaktlose) Speichermedium technisch ausgeschlossen. Bei der Erteilung wird daher seitens des Staates präventiv geprüft, ob der verfolgte Zweck rechtswidrig ist oder in der geschäftsmäßigen Übermittlung von Daten besteht.“ Zudem erfolge eine Prüfung der Erforderlichkeit und der Einhaltung bestimmter Datenschutz- und Datensicherheitsstandards. Zusätzlich bedürfe jeder Datentransfer einer Freischaltung durch die Eingabe einer Geheimnummer.

Für den Einsatz im eGovernment bieten sich nach Ansicht der Forscher daher zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, zumal insbesondere die Transaktionsdienstleistungen in der Vergangenheit an der fehlenden Überprüfbarkeit der Identität scheiterten. Zudem werde die Ersetzung der Schriftform durch eine qualifizierte elektronische Signatur mit dem elektronischen Personalausweis künftig erleichtert. Träger der Öffentlichen Verwaltung könnten ihn also auch dann nutzen, wenn sie keine zur Identitätsfeststellung berechtigten Behörden mit entsprechendem hoheitlichen Zugriffsrecht seien. Soweit sie zur Wahrnehmung von Aufgaben der Öffentlichen Verwaltung oder zur Erfüllung eigener Geschäftszwecke den Nachweis einzelner Identitätsmerkmale benötigten, könnte ihnen ebenfalls eine Zugriffsberechtigung erteilt werden und so insbesondere Antragsverfahren im Bereich der Leistungsverwaltung erleichtern werden.

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Fazit

Auf dem ePA sind verschiedene Daten wie etwa der Familien- und Geburtsname, die Vornamen, Tag und Ort der Geburt sowie die Anschrift des Ausweisinhabers gespeichert. Die Datenkategorien, die mittels des elektronischen Identitätsnachweises angefragt werden dürften, seien jedoch jeweils im Berechtigungszertifikat, ausgehend vom Verwendungszweck, festzulegen. Hinzu komme die Möglichkeit, aus den gespeicherten Daten Identitätsattribute errechnen zu lassen und lediglich das Ergebnis zu übermitteln (etwa das Überschreiten einer bestimmten Altersgrenze ohne Übermittlung von Alter oder Geburtsdatum). Der elektronische Identitätsnachweis ermögliche damit eine Form der Datensparsamkeit, die ein herkömmlicher Ausweis nicht leisten kann.

Im eGovernment führten diese Eigenschaften sowohl zu einer Erleichterung des Verfahrens – unter Umständen verbunden mit der Erschließung von Innovations-, Modernisierungs- und Effizienzpotenzialen – als auch zu einer Stärkung der Datenhoheit und -sparsamkeit für die Nutzer. Der neu Personalausweis könne daher, so das Fazit der Kieler Studie, eine wesentliche Akzeptanz- und Vertrauenssteigerung beim eGovernment, aber auch für eCommerce- und weitere Online-Anwendungen bewirken.

Die zunehmende Virtualisierung des Lebens verlange nach Infrastrukturen, die es ermöglichen, virtuelle Teilidentitäten so zu verwalten, dass Diensteanbietern jeweils nur die Daten offenbart würden, die vom Geschäfts- oder öffentlichen Zweck erfordert sind. Wenn man Identitätsmanagement als eine rechtssichere, in der Regel webbasierende Möglichkeit verstehe, persönliche Daten, Dokumente, partielle Identitäten und Pseudonyme elektronisch zu verwalten, so sei das Bürgerportal-Konzept des Bundes ein Schritt in die richtige Richtung – da Bürgerportale untrennbar mit dem elektronischen Personalausweis verbunden seien, weil sie ohne eine sichere Erstregistrierung nicht realisierbar sind. Daher könne der elektronische Personalausweis somit als Enabler und Vertrauensanker für eGovernment und eBusiness fungieren.

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