Zweite Projektphase angelaufen

Agiles aus dem Kanzleramt

| Autor / Redakteur: Peggy Liebscher, Dr. Till Nierhoff, Dr. Christian Hartmann* / Susanne Ehneß

Einführung eines agilen Vorgehens

Agile Projektmethodiken gehen von komplexen Themen und Problemen aus, deren Bearbeitung sich nicht mehr ex ante planen lässt. Sie formulieren daher eine iterative Vorgehensweise, die in der Lage ist, auf neue Situationen und Anforderungen schnell zu reagieren. Gerade weil agile Projekttechniken zum Ziel haben, mit komplexen Themenstellungen, Unsicherheiten und neuen Situationen adäquat umzugehen, müssen sie über eine zwar flexible, aber dennoch „starke“ Struktur verfügen.

Das SCRUM-Framework – zum Vergrößern bitte draufklicken
Das SCRUM-Framework – zum Vergrößern bitte draufklicken (© Scrum.org)

Im PKP-Projekt wurde das wohl verbreitetste agile Framework ­SCRUM eingesetzt. SCRUM sieht eine Vielzahl von Ritualen wie Sprint Planning, Review, Daily und Retrospektive sowie diverse Artefakte wie etwa das backlog vor, in dem die Anforderungen festgelegt werden.

Alle diese Instrumente dienen dazu, die Kommunikation zwischen den Projektbeteiligten zu strukturieren und zu intensivieren. Damit wird ein entscheidender ­Unterschied zu früheren Projekttechniken markiert, die unter Kommunikationsgesichtspunkten im Wesentlichen die Abstimmung über Pflichten- und Lastenhefte verstanden hatten.

Die Diskussion von Anforderungen erfolgt über User Stories, die damit an die Stelle von detaillierten Lasten- und Pflichtenheften treten. Im Unterschied zu Letzteren sind User Stories konsequent aus der Nutzerperspektive beschrieben, aus der sie funktionale Anforderungen darstellen und – nicht zuletzt – auch das Motiv und den Kontext der Features benennen.

Das bringt Dr. Michael Wendel, Referatsleiter IT im Bundeskanzleramt, auf den Punkt: „Agilität wird dann spannend, wenn die Nutzer wirklich mit einbezogen werden. Die Rituale schulen beide Seiten: Die Nutzer verstehen die Aufwandstreiber viel besser, und die Entwickler die Anwendungsfälle.“

Am Ende einer jeweils zweiwöchigen Sprintphase steht ein möglicherweise noch rudimentäres, aber dennoch lauffähiges Produkt. Dieses schafft für alle Beteiligten eine große „Übersichtlichkeit“: Es ist für die Stakeholder jederzeit transparent, woran gerade gearbeitet wird. Für das Entwicklerteam ist immer klar, wo die derzeitigen ­Prioritäten der Anwender liegen.

Als Kommunikations- und Informationsplattform für alle Betei­ligten wurde JIRA eingesetzt. In JIRA wurden nicht nur backlog, sprints und burn-down charts dargestellt. Nahezu die gesamte Kommunikation zwischen Nutzern und Entwicklern fand auf der Plattform statt und konnte in ihrem Verlauf jederzeit nachvollzogen werden.

Der Einsatz von SCRUM hat nachhaltige Lernprozesse bei allen Akteuren bewirkt, die erfahren haben, wie sinnvoll ein iteratives Verfahren ist, wie wertvoll ein jederzeit transparenter Projektstand und wie wichtig für das Gelingen klare Kommunikationsregeln und -rituale sind.

Dieses hebt auch Eva Christiansen, Abteilungsleiterin Politische Planung, Innovation und Digitalpolitik, Strategische IT-Steuerung im Bundeskanzleramt, hervor: „Die Erfahrungen mit der agilen Softwareentwicklung sind positiv. Wir können schneller und gezielter auf Wünsche der verschiedenartigen Nutzer eingehen. Wir können außerdem mitverfolgen, in welchem Stadium der Umsetzung die Entwickler gerade sind.“

Auf der dritten Seite: Agile Ausschreibungskriterien in der zweiten Projektphase.

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posted am 27.01.2019 um 23:16 von Unregistriert


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