Keine Garantie von Datensicherheit – exorbitant hohe Kosten Ärztekammer Österreich gegen elektronische Gesundheitsakte ELGA

Redakteur: Gerald Viola

„ELGA kostet Sie Ihr letztes Hemd“ und „ELGA stellt Sie vor den anderen bloß“ – die Ärztekammer in Österreich zieht gegen die Elektronischen Gesundheitsakte (ELGA) vom Leder. Im Mittelpunkt der Kritik stehen Datenschutzprobleme und die hohen Gesamtkosten.

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Eigentümer der ELGA GmbH sind Bund, Länder und Sozialversicherung
Eigentümer der ELGA GmbH sind Bund, Länder und Sozialversicherung
( Archiv: Vogel Business Media )

„ELGA ist eine elektronische Krankheitsakte, die uns mehrere Hundert Millionen Euro kosten wird – Geld, mit dem längst überfällige medizinische Leistungen für Patienten finanziert werden könnten“, heißt es zum Beispiel in einer Anzeige in den Tageszeitungen.

„ELGA ist eine elektronische Krankheitsakte, mit der mehr als 100.000 Personen Zugang zu Ihren Krankheitsdaten bekommen können. Nach jüngsten Hacker-Attacken auf sensible Gesundheitsdaten wird mit ELGA dem zentralen Datenklau in Österreich Tür und Tor geöffnet“, lautet eine andere Kernbotschaft, die die Ärztekammer in Richtung Patienten bringen möchte.

Der Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsidenten der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, warnt, es werde ein „Datenmoloch“ geschaffen, der für die Patienten keinerlei Nutzen hätte, im Gegenzug jedoch viel Geld koste und darüber hinaus den Patienten in der Öffentlichkeit komplett bloßstelle.

Steinhart: „In Deutschland beispielsweise hat man sich längst von einer zentralen Speicherung von Gesundheitsdaten mangels Nutzen und hohem Missbrauchsrisiko verabschiedet.“ Nur in Österreich werde dieses „Prestigeobjekt von Hauptverband und Gesundheitsministerium“ mit aller Gewalt durchgedrückt. Dabei nehme man bewusst in Kauf, die Menschen in Österreich zu „gläsernen Patienten“ zu machen.

100.000 Personen haben Zugriff auf ELGA

Als „geradezu peinlich“ bezeichnet der Vizepräsident die andauernden Beschwichtigungsversuche des Hauptverbands, wonach für eine maximale Sicherheit der Daten gesorgt sei. Gerade die Datenskandale im In- und Ausland der letzten Monate hätten gezeigt, wie wenig sicher zentrale Datenspeicherungen wirklich seien.

Dabei macht Steinhart neben möglicher krimineller Vergehen auch noch ein anderer Umstand große Sorge: „Nach derzeitigem Plan könnten mehr als 100.000 Personen ganz legal Einschau in die Gesundheit der Österreich nehmen.“ Denn nicht nur alle Ärztinnen und Ärzte sollen sich in das System einloggen können, sondern auch das Pflegepersonal, Angehörige der gehobenen medizinischen Dienste sowie alle Mitarbeiter von Apotheken.

„Spuk um ELGA“ möglichst rasch ein Ende bereiten“

Steinhart appelliert daher an die Politik, allen voran an den Gesundheitsminister, dem „Spuk um ELGA“ möglichst rasch ein Ende zu bereiten. Es sei keine Schande, im Laufe eines Projekts zu erkennen, dass es nicht realisierbar und ohne Nutzen sei. „Wider besseren Wissens und entgegen den Ratschlägen von Experten daran festzuhalten, ist jedoch grob fahrlässig und den Menschen in Österreich gegenüber unverantwortlich“, betont Steinhart.

Das soll die ELGA eigentlich bringen

Die ELGA GmbH zu ihrem Projekt: „Durch die Errichtung der elektronischen Gesundheitsakte fallen bestehende Systemgrenzen: zwischen Akutversorgung und Nachsorge, zwischen Krankenhaus und niedergelassenen Ärzten, Ambulatorien und Apotheken. ELGA stellt die Verbindung zwischen all diesen Systemen her, denn die Gesundheitsdaten werden im Rahmen einer durchgehenden Informationskette durch ELGA zur Verfügung gestellt.

So wird die Kooperation der Gesundheitsorganisationen gestärkt und unterstützt, denn die Akteure können sich mit ELGA sicher und zeit- und ortsunabhängig verbinden: untereinander und mit ihren Patienten und Patientinnen. Für diese bedeutet ELGA die Stärkung ihrer Rechte, indem sie über das ELGA-Portal Zugriff auf ihre eigenen Gesundheitsdaten haben.“

In der ELGA sollen alle Dokumente und Befunde gespeichert werden, sofern sie für die Behandlung und Betreuung des Patienten erforderlich seien – Labor- und Radiologiebefunde, Entlassungsbriefe sowie Medikationsdaten. Die Daten müssten aktuell und relevant sein, daher würden sie nach festgelegten Fristen (sechs Monate oder drei Jahre) gelöscht, wobei eine Verlängerung möglich sei.

Zudem sollen Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten gespeichert werden. Die Teilnahme an ELGA solle grundsätzlich für alle Patienten in Österreich gelten. Der Patient könne aber jederzeit der Speicherung der Daten widersprechen.

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