KVB sagt alle Info-Veranstaltung zur Gesundheitskarte (eGK) wegen Sicherheitsmängeln ab

„Ärzte sind keine Versuchskaninchen“ für die Gesundheitskarte

27.05.2011 | Redakteur: Gerald Viola

Schon wieder Probleme mit der Gesundheitskarte
Schon wieder Probleme mit der Gesundheitskarte

2oo Ärzte sollten heute in Würzburg von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) über die Einführung der Gesundheitskarte informiert werden. Doch: „Die jetzt bekannt gewordene Schwachstelle in der Software der Lesegeräte hat den Vorstand der KVB auch dazu veranlasst, kurzfristig die geplanten Informationsveranstaltungen in allen bayerischen Regionen abzusagen.“

Der KVB-Vorstand erklärte, man könne „unter den jetzigen Bedingungen eine solche Veranstaltung mit den Geräteherstellern nicht durchführen. Erst muss wieder das Vertrauen geschaffen werden, dass die Technologie auch wirklich ausgereift genug ist, um in den Praxen zum Einsatz zu kommen. Zudem ist auch eine verbindliche Klärung notwendig, wer denn die Kosten dafür trägt, Sicherheitsmängel im Zusammenhang mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte auch wirklich in jeder einzelnen Praxis umfänglich zu beheben. Das kann man nicht der Ärzteschaft aufbürden.“

„Versuchskaninchen einer offensichtlich unausgereiften Technologie“

Dr. Wolfgang Krombholz, Dr. Pedro Schmelz und Dr. Ilka Enger in der gemeinsamen Stellungnahme: „Wir sind nicht technikfeindlich, aber wir sind als Ärzte in besonderem Maße der Sicherheit unserer Patienten und deren Daten verpflichtet.“

Darüber hinaus hat die KVB die Gerätehersteller sowie die Betreibergesellschaft Gematik aufgefordert, die Schwachstelle umgehend zu beseitigen und auch künftige Sicherheitslücken aktiv anzugehen.

Es dürfe auf keinen Fall sein, dass die Ärzte in den Praxen zu „Versuchskaninchen“ einer offensichtlich unausgereiften Technologie gemacht würden. Unter den jetzigen Bedingungen könne der laufende Basis-Rollout für die Lesegeräte an sich nicht fortgesetzt werden, so die Meinung des Vorstands der KVB.

Insofern lautet dessen Empfehlung an die Ärzte und Psychotherapeuten in Bayern, derzeit auf die Anschaffung der Lesegeräte und die damit verbundene Einreichung der Förderanträge zu verzichten.

Neben dem bekannt gewordenen Sicherheitsproblem bestünden offensichtlich auch in der praktischen Umsetzung in den Praxen noch zahlreiche offene Fragen. So habe das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) kürzlich verlautbaren lassen, dass die Kartenlesegeräte nicht länger als 30 Minuten unbeaufsichtigt sein dürften und im Prinzip in einer weiteren Ausbaustufe unter ständiger Kontrolle des Arztes stehen müssten.

Eine solche Forderung ist aus Sicht des Vorstands der KVB „weltfremd“ und keinesfalls dazu angetan, das schon längst erschütterte Vertrauen der Ärzteschaft in das Mammutprojekt elektronische Gesundheitskarte wiederherzustellen.

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