Krankheit und Behandlung

Ärzte mögen googelnde Patienten nicht

| Autor: Ira Zahorsky

Viele Patienten kommen heute gut informiert zum Arzt
Viele Patienten kommen heute gut informiert zum Arzt (Bild: © Monkey Business - Fotolia)

Mehr als die Hälfte der von der Bertelsmann Stiftung und der Barmer GEK befragten Ärzte hält nichts davon, wenn sich Patienten im Internet über Krankheiten und Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Neulich im Behandlungszimmer googelt der behandelnde Arzt nach den Symptomen meiner gesundheitlichen Probleme. Was sich paradox anhört, könnte eine Ursache dafür sein, dass sich immer mehr Patienten gleich selbst im Internet über Krankheiten und mögliche Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Dies ist zahlreichen Ärzten jedoch ein Dorn im Auge. Eine Online-Umfrage der Bertelsmann Stiftung und der Barmer GEK unter rund 800 ambulant tätigen, niedergelassenen Ärzten ergab, dass mehr als die Hälfte informierte Patienten „mindestens problematisch“ sieht. So erzeuge die Selbstinformation unangemessene Erwartungen und Ansprüche, die die Arbeit der Ärzte belaste. Zudem verwirre die eigene Recherche die Patienten und beeinträchtige das Vertrauen zum Arzt. Deshalb rät knapp ein Viertel der Befragten den Patienten aktiv von der eigenständigen Suche ab.

Selbstinformation als Chance

„Was das Thema Gesundheit angeht, sind die Menschen heutzutage viel anspruchsvoller und selbstbewusster. Ein gut informierter Patient, der auf Augenhöhe mit dem Arzt über Krankheit und Behandlungsoptionen diskutiert, sollte das Ziel aller an der Versorgung Beteiligten sein", so Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK.

So freuen sich zwar mehr als 40 Prozent über das Interesse ihrer Patienten. Fast zehn Prozent ärgern sich aber, dass der Patient sich nicht zuerst an sie gewandt hat. Nur ein geringer Teil der Befragten reflektiert darüber, ob er selbst die Ursache für die Eigen-Recherche sein könnte.

Seriöse Informationen

Gut die Hälfte der Befragten (56 Prozent) hat vertrauenswürdiges Informationsmaterial für die Patienten ausliegen. Knapp die Hälfte sucht entweder selbst nach geeigneten Informationen oder weist entsprechend darauf hin.

Dennoch kennt nur ein Fünftel der Ärzte die Internetseite www.patienten-information.de des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ), das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung. Bedenklich: Nur ein Drittel dieser Ärzte hält die Patienteninformationen dieser Internetseite für vertrauenswürdig, während das Vertrauen in Wikipedia mehr als doppelt so groß ist.

15 Prozent der Ärzte kennen sich nach eigenen Angaben eher nicht so gut oder überhaupt nicht gut mit den für Patienten verfügbaren Informationsangeboten aus.

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