Zu häufige Arztbesuche?

Ärzte fordern finanzielle Eigenbeteiligung der Patienten

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Die Deutschen gehen zu häufig zum Arzt: durchschnittlich 18 Mal im Jahr – und oft auch wegen Bagatellerkrankungen. Für die Ärzte ein Grund für eine finanzielle Eigenbeteiligung der Patienten
Die Deutschen gehen zu häufig zum Arzt: durchschnittlich 18 Mal im Jahr – und oft auch wegen Bagatellerkrankungen. Für die Ärzte ein Grund für eine finanzielle Eigenbeteiligung der Patienten (Bild: Archiv)

Laut einer Umfrage des Ärztenachrichtendienstes (änd) sind die Deutschen nicht nur im Fußball Weltmeister, sondern auch was die Anzahl der jährlichen Arztbesuche betrifft: Glaubt man dieser Umfrage, dann konsultiert jeder gesetzlich Versicherte 18 Mal jährlich den Arzt. Viele Mediziner sind durch die häufigen Bagatellerkrankungen genervt.

Dass viele Mediziner von Patienten mit Bagatellerkrankungen und Nichtigkeiten genervt sind, zeigt eine aktuelle Umfrage unter niedergelassenen Haus- und Fachärzten.

Der Ärztenachrichtendienst (änd) in Hamburg hat vom 17. bis zum 21. Juli eine Online-Umfrage zum Thema Bagatellerkrankungen durchgeführt. An dieser Umfrage beteiligten sich rund 590 niedergelassene Ärzte aus dem gesamten Bundesgebiet, wobei 85 Prozent angaben, dass sie regelmäßig Besuch von Patienten erhielten, die eigentlich keiner medizinischen Behandlung bedürfen. Jeder zweite Arzt aus dieser Gruppe schätzte sogar, dass diese Fälle mehr als 20 Prozent der gesamten Patientenbesuche ausmachen. Nur 15 Prozent der Umfrageteilnehmer waren der Meinung, dass all ihre Patienten im Wartezimmer auch medizinische Hilfe benötigen.

Bagatellfälle behindern die Ärzte und erfordern unnötigen Zeitaufwand

Darüber, dass Patienten mit unbedeutenden Kleinigkeiten die eigene Arbeit behindern oder erschweren, klagten 80 Prozent der Ärzte, die solche Termine registrieren. Die große Mehrheit dieser Ärzte (87 Prozent) sind auch der Meinung, dass sie mehr Zeit für Patienten mit schweren Erkrankungen hätten, wenn weniger Bagatellfälle in die Praxis kämen. 80 Prozent von ihnen fordern daher mehr Maßnahmen von Politik und Kassen, um solche Bagatellfälle einzudämmen.

Reduziert eine Eigenbeteiligung die Anzahl der Arztbesuche?

Welche Maßnahme das primär sein sollte, zeigt die Umfrage überdeutlich: 92 Prozent der Ärzte, die von Patienten mit Bagatellerkrankungen berichten, glauben, dass eine stärkere finanzielle Eigenbeteiligung die Zahl dieser Patientenbesuche deutlich reduzieren könnte.

Die Ärzte hatten im Rahmen der Umfrage auch die Möglichkeit, Kommentare über eine Freitextfunktion einzugeben. Häufig wurde dort eine feste prozentuale Eigenbeteiligung der Patienten pro Arztbesuch angeregt. Dies könne helfen, die Ressourcen in der ambulanten Versorgung optimaler zu nutzen. Gleichzeitig favorisieren zahlreiche Mediziner die Umstellung der ärztlichen Vergütung auf ein Modell der Kostenerstattung beziehungsweise auf eine für Arzt und Patient transparente Rechnungserstellung.

Aufklärung ist wichtig – bereits in den Schulen

Auffallend oft forderten die Ärzte auch eine intensivere Aufklärungsarbeit über Krankheiten und den menschlichen Körper schon in den Schulen. Ebenso müssten sich die Medien um eine sachliche und informative gesundheitliche Aufklärung bemühen. Einer von zahlreichen Kommentaren in dieser Richtung: „Nicht jedes Zwicken ist gleich eine Krebserkrankung – da sind im Internet so viele Halbwahrheiten und Fehlinformationen zu finden, dass wir oft unnötige Ängste erleben“, schreibt ein Arzt.

Der Ärztenachrichtendienst (änd) ist Betreiber des unabhängigen Ärztenetzwerks „Hippokranet“ mit mehr als 52.000 registrierten Mitgliedern. Dazu gehören niedergelassene und Klinik-Ärzte aller Fachrichtungen. Es finden sich in über 780 Spezialforen mehrere 100.000 Diskussionsbeiträge zu medizinischen, technischen und gesundheitspolitischen Themen. Seit der Gründung im Jahr 2000 durch Dr. med. Bernd Guzek, hat sich das Portal der von einem reinen Informationsdienst hin zur einer der aktivsten deutschsprachigen Ärzte-Communitys entwickelt.

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