eGovernment-Ratgeber-Serie (Teil 6, Qualifikationsdefizite) Acht Lösungsansätze für IT-Probleme in der Öffentlichen Verwaltung (6/8)

Autor / Redakteur: Frank Zielke / Gerald Viola

Manchmal sind es nur Missverständnisse: Die Fachabteilung in der Öffentlichen Verwaltung spricht eine „andere Sprache“. Die IT-Abteilung „versteht nur Bahnhof“ – und umgekehrt. Manchmal passen Strukturen nicht zusammen, um erfolgreich eGovernment umzusetzen. Frank Zielke, Vorstand der ITSM Consulting AG, hat für eGovernment Computing acht nahezu alltägliche IT-Probleme ermittelt und zeigt Lösungsansätze auf.

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In der heutigen Ratgeberfolge geht es um „IT-fachliche Qualifikationsdefizite in den Behörden“.

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Problemstellung: Beim Personal mit IT-fachlichen Aufgaben in den Verwaltungseinrichtungen handelt es sich vielfach um Mitarbeiter, die in diese Funktionen hineingewachsen sind, aber über keine entsprechende Ausbildung verfügen. Angesichts der wachsenden Bedeutung der IT für die Leistungsfähigkeit und Effizienz der Verwaltungsprozesse ist das gegenwärtige Fähigkeitsniveau auf Dauer keineswegs ausreichend.

Insofern bedarf es einer Qualifikationsoffensive, zumal es durch die demografische Entwicklung immer schwieriger wird, fachlich entsprechend ausgebildete Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen.

Lösungsansätze: Insgesamt kennzeichnet sich der gegenwärtige IT-Arbeitsmarkt durch hohe Mangelerscheinungen. Nach Untersuchungen des Spitzenverbandes Bitkom fehlen allein in der deutschen Wirtschaft derzeit fast 30.000 Mitarbeiter, gleichzeitig will mehr als die Hälfte der Hightech-Firmen noch neues IT-Personal einstellen.

Insbesondere bei den IT-Services besteht eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage. Damit machen sie es den öffentlichen Verwaltungen noch schwerer, ihren Personalbedarf abzudecken.

Denn allein aufgrund der dortigen Tarifstrukturen wirken die Jobangebote in der freien Wirtschaft finanziell und hinsichtlich der Karrieremöglichkeiten vielfach wesentlich attraktiver. Wie problematisch dort die Situation inzwischen ist, zeigt der Blick auf die IT-Dienstleister in der Öffentlichen Verwaltung. Bei ihnen ist teilweise bereits jede siebte Stelle unbesetzt – Tendenz steigend.

Dabei wären Impulse durch junge Mitarbeiter, die der Digital Native-Generation erwachsen und dadurch eine sehr ausgeprägte IT-Mentalität mitbringen, allein wegen des hohen Durchschnittsalters bei den eGovernment-Beschäftigten sehr wichtig.

Die unter 30-Jährigen, die in sozialen Netzwerken aufgewachsen sind und sich in Messengers, Wikis und Blogs zu Hause fühlen, fällt die Eingewöhnung in neue technische Themen wesentlich leichter als den älteren IT-Mitarbeitern.

Insofern steht die öffentliche Verwaltung nicht nur vor einem quantitativen Problem, sondern hat auch zunehmende Schwierigkeiten, die qualitativ dynamisch steigenden Anforderungen ausreichend abzudecken. Dies verlangt eine intensive Diskussion der heutigen Tarifstrukturen und Laufbahnmodelle, will man mit der privaten Konkurrenz am Arbeitsmarkt halbwegs Schritt halten.

Realistisch betrachtet bestehen für solche Veränderungen aber nur geringe und enge Spielräume. Deshalb sollte das Hauptaugenmerk darauf gelegt werden, die Attraktivität der Jobs und Arbeitsplatzbedingungen zu steigern. Dazu gehört für die junge Mitarbeitergeneration zweifellos auch ein Arbeitsplatz, der technisch und hinsichtlich seines mobilen Einsatzes dem privaten digitalen Verhalten nahe kommt.

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Auch die Frage einer Liberalisierung der Endgeräte mit Nutzung privater Laptops, wie sie derzeit in der freien Wirtschaft intensiv diskutiert wird, darf kein generelles Tabu sein, sofern nicht Sicherheitsaspekte dagegen sprechen.

Außerdem darf das Marketing nicht vergessen werden. Die IT auch in der Öffentlichen Verwaltung hat häufig über eine Vielzahl spannender Technologien, Projekte und Entwicklungsmöglichkeiten in einem gleichzeitig sicheren Jobumfeld zu bieten. Dieser Vorteil wird viel zu selten oder zumindest nicht ausreichend deutlich dem Markt bekannt gemacht.

Ganz wichtig ist aber auch der frühzeitige Einbezug des Nachwuchses. Dazu etwa sollten typischerweise kontinuierliche Angebote für Praktika und – im Falle der Studenten – die Unterstützung bei Diplom- und weiteren Studienarbeiten gehören. Nicht zuletzt ist auch ein offensives Personalmarketing notwendig, bei dem etwa mit bestehenden Mitarbeitern als Testimonials, also dem eigenen Personal als positiven Botschaftern, gearbeitet wird.

Acht Lösungsansätze für IT-Probleme in der Öffentlichen Verwaltung

  • Teil 1: Anforderungsmanagement
  • Teil 2: Wissenstransfer
  • Teil 3: Zentrale IT-Steuerung
  • Teil 4: Standardisierung
  • Teil 5: Prozessoptimierung
  • Teil 6: IT-fachliche Qualifikationsdefizite (dieser Beitrag)
  • Teil 7: IT-Partner in der Privatwirtschaft (10. Oktober 2011)

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