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Friedrichshafen auf dem Weg zur vernetzten Stadt

Aber die Bürger bleiben reserviert

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Das Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchung fällt nach Ansicht der Autoren ausgesprochen positiv aus. Besonders betonten die Forscher, dass Friedrichshafen und die Telekom – im Gegensatz zu vielen anderen Akteuren – tatsächlich eine Smart City gebaut haben. Zudem seien in den fünf Jahren des Projektzeitraums in über 40 Einzelprojekten Lösungen für Bürger und Unternehmen entwickelt worden.

Die angestrebte Beteiligung breiter Bevölkerungskreise konnte hingegen nicht erreicht werden. „Für viele Bürger blieb das Thema zu a­bstrakt“, so das Fazit der Bonner F­orscher.

Als Ursache vermuten die Autoren der Begleitforschung, dass man Bürgern und Vereinen zuviel zugemutet habe, mit einem Projekt, das auf einen offenen, fünfjährigen Entwicklungsprozess setzte.

Ähnliche Schwierigkeiten – wenn auch in abgeschwächter Form – nehmen die Forscher auch bei Wirtschaft und Verwaltung an. „Vielleicht waren auch fünf Jahre Projektlaufzeit nicht lang genug, um sich gemeinsam in einer Stadtgesellschaft auf den Weg zu machen und Zukunft gemeinsam zu erfinden“, begründen die Bonner Forscher die Zurückhaltung der Friedrichshafener Bürger.

Dennoch falle das Gesamtfazit positiv aus. Dazu Franz-Reinhard Habbel: „Der Start von T-City war nicht einfach. Die größte Herausforderung bestand darin, die unterschiedlichen Kulturen eines Global-Players und einer mittelgroßen Stadt in Einklang zu bringen. Denkt die eine Seite in Quartalen, plant die andere in Haushaltsjahren. Unternehmen denken in Projekten, Kommunen in Aufgaben. In Friedrichshafen ist es gelungen, diese unterschiedlichen Kulturen zu koordinieren und damit das gesamte Spektrum an Kreativität, Projektorientierung und –Umsetzung aller Beteiligten ins Werk zu setzen. T-City machte deutlich, dass Deutschland über bemerkenswertes unternehmerisches Know-how verfügt, das in der Öffentlichen Verwaltung bislang weitgehend ungenutzt bleibt. Das müssen wir dringend ändern. Verwaltung bedeutet nicht nur Anträge zu bearbeiten und Genehmigungen zu erstellen, sondern Dienste für Bürger und Unternehmen in wichtigen Politikbereichen wie Bildung, Kinderbetreuung, Energie, Mobilität und Gesundheit auf den Weg zu bringen.“

Vielleicht gelingt die Einbindung der Bevölkerung ja in den kommenden drei Jahren. Die neuen Projekte aus den Bereichen Elektromobilität und Telemedizin, die die Deutsche Telekom zusammen mit Friedrichshafen plant, scheinen jedenfalls dazu geeignet:

  • Energie und Elektromobilität

So haben Stadt und Telekom im Bereich Mobilität ein Projekt begonnen, das künftig Fahrzeuge in das Stromnetz einbinden soll. Alle elektrisch betriebenen Fahrzeuge (eAutos) sollen dabei als Stromspeicher dienen und den Energieversorger dabei unterstützen, Überangebote im Netz auszugleichen. Diese entstehen bei entsprechender Wetterlage durch Fotovoltaikanlagen und Windrädern.

  • Das Smartphone wird zum Autoschlüssel

Die Zeppelinstadt will in den kommenden drei Jahren mit ihren Partnern neue Mobilitätskonzepte entwickeln. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Friedrichshafen kommt und mit einem Mietwagen weiterreist, soll künftig auf der gesamten Reiseroute vernetzt sein. So würden Autoverleiher automatisch informiert, wenn sich der Kunde verspätet. Dieser wiederum findet und öffnet per Smartphone seinen Mietwagen. Mit dem Projekt soll erprobt werden erproben, wie intelligente Vernetzung die Straßen entlastet.

  • Telekonsultation und eHealth

Und im Gesundheitswesen soll im kommenden Jahr ein Projekt aus der Taufe gehoben werden, bei dem das Krankenhaus in Friedrichshafen mit einer Klinik außerhalb der Bodensee­region vernetzen wird. Die Ärzte k­önnen so bei schwierigen Befunden die Zweitmeinung von Kollegen einholen.

Bereits heute treffen sich Ärzte aus Konstanz und Friedrichshafen zu einer Video-Tumorkonferenz und vermeiden so Fahrzeiten. Die Telekom entwickelt im Projekt Tablet-PCs, mit deren Hilfe Senioren künftig länger Zuhause wohnen können, etwa indem sie Haushaltshilfe, Essen auf Rädern oder Medikamente „auf Knopfdruck“ bestellen können.

Eines hat das Projekt nach Ansicht des Oberbürgermeisters Andreas Brand aber schon heute erreicht: Friedrichshafen konnte sich auch international als innovativer Wirtschaftsstandort etablieren.

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