Der Digitalreport 2022 – das Jahr des Neuanfangs für die deutsche Digitalpolitik?

Von Eva Hornauer

Neues Jahr, neues Glück? Nach den Einschätzungen der Studie ­„Digitalreport 2022“ könnte das für die Digitalpolitik der neuen Bundesregierung durchaus zutreffend sein.

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Nach wie vor ist der Aufholbedarf der Öffentlichen Verwaltung beim eGovernment groß
Nach wie vor ist der Aufholbedarf der Öffentlichen Verwaltung beim eGovernment groß
(© MH - stock.adobe.com)

Der Digitalreport 2022 – eine Studie, herausgegeben vom European Center for Digital Competitiveness (ESCP) in Berlin – untersucht den Stand der Digitalisierung aus Sicht der Bevölkerung und einer sogenannten „Führungsspitze“ anhand von repräsentativen Umfrageergebnissen in diesen Gruppen. Für das Jahr 2022 erkennen die Autoren der Studie eine klare Tendenz: Die Erwartungen an die neue Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP sind hoch.

Ergebnisse des Digitalreports 2022

94 Prozent der befragten deutschen Spitzenkräfte aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung – die sogenannte „Führungsspitze“ – gaben an, dass Deutschland aus ihrer Sicht bei der Digitalisierung im Rückstand ist. 2019 sahen das 89 Prozent so. Der Wert ist also um fünf Prozentpunkte gestiegen.

51 Prozent der Befragten räumten Deutschland sehr gute bis gute Chancen ein, diesen Rückstand aufzuholen. 43 Prozent waren der Meinung, dass Deutschland sich schwer tun werde, den Rückstand in Sachen Digitalkompetenz in absehbarer Zeit aufzuholen.

Die „Führungsspitze“ nimmt den Rückstand beziehungsweise den Fortschritt in Sachen Digitalisierung im wirtschaftlichen und im staatlichen Bereich äußerst unterschiedlich wahr. So gehen 44 Prozent der Befragten dieser Gruppe davon aus, dass die Wirtschaft in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt sei; 54 Prozent denken dagegen, dass die Digitalisierung in diesem Bereich hinterherhinkt.

Der Öffentlichen Hand wird in Sachen Digitalisierung ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: 98 Prozent der Befragten der Führungsspitze gaben an, dass der staatliche Bereich – also Ämter, Behörden und generell der öffentliche Dienst – in Sachen Digitalisierung im Rückstand sei. Nur zwei Prozent glauben, dass die Öffentliche Hand dahingehend gut aufgestellt sei.

Auch die Bevölkerung der Bundesrepublik stellt die Digitalkompetenzen des Staates zunehmend in Frage. So glauben 14 Prozent der befragten Deutschen, dass die Politik beim Thema Digitalisierung „gar nicht kompetent“ sei. Das sind vier Prozentpunkte mehr als 2020. Die Hälfte der Befragten empfindet die Politik in Digitalisierungsfragen für „weniger kompetent“ und nur 17 Prozent halten sie für „sehr kompetent“.

„Die Politik wird hier nur an Vertrauen gewinnen, wenn die Bürger und Bürgerinnen zunehmend die Erfahrung machen, dass sich der staatlich verantwortete Bereich merklich bewegt – also die Digitalisierung der Schulen voranschreitet, der Ämter und Behörden und der gesamte öffentliche Dienst“, so die Autoren des Digitalreports.

Der Lichtblick für einige Befragten aus Bevölkerung und „Führungsspitze“ in Sachen deutscher Digitalisierung ist die neue Bundesregierung. Der Ampel-Koalition wird ein hohes Maß an Vertrauen im Hinblick auf die bevorstehenden Digitalisierungsherausforderungen entgegengebracht. So glauben 82 Prozent der befragten Spitzenkräfte aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, dass die Ampel-Koalition die Digitalisierung in Deutschland entscheidender vorantreiben werde. Bei den Befragten außerhalb der „Führungsspitze“ ist das Umfrageergebnis in diesem Punkt weniger eindeutig: 37 Prozent trauen der neuen Bundesregierung zu, die Digitalisierung entschiedener voranzutreiben – 32 Prozent glauben dies nicht. 31 Prozent der Befragten – also fast ein Drittel – trauen sich noch kein Urteil über den Digitalisierungserfolg der neuen Ampel-Regierung zu.

Handlungsempfehlungen für die Bundesregierung

Um den Erwartungen der Befragten – sowohl der „Führungsspitze“ als auch der Bevölkerung – gerecht zu werden, schlägt der Digitalreport drei Hebel vor, die die Ampel-Regierung bedienen müsse. Ansonsten „drohe ein massiver Wohlstandsverlust“.

Zum einen müssten die Chancen von Zukunftstechnologien aufgezeigt werden. Der Bevölkerung – so die Ergebnisse der Studie – sei zwar bewusst, dass Technologien wie Künstliche Intelligenz, 3D-Drucker, Greentech, Pflegeroboter und so weiter in Zukunft bedeutsam sein werden, wie genau diese aber ihren Alltag verändern und verbessern könnten, ist einem Großteil der Befragten nicht unbedingt klar.

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Die Bundesregierung solle deshalb „die Potenziale von digitalen Technologien stärker kommunizieren“. Darunter würde zum Beispiel auch fallen, dass die Förderung von Start-ups und Zukunftstechnologien zur Chefsache erklärt werden müsse und eine mediale Zukunftskampagne die Chancen dieser Technologien im Hinblick auf Lebensqualität, Rente, Wohlstand und Inflation aufzeigen soll.

Hebel zwei läge laut den Autoren des Digitalreports 2022 in der „massiven“ Investition in Zukunftstechnologien und Start-ups. „Für ein Wirtschaftswunder 2.0 muss die Finanzierung von Innovationen deutlich gesteigert werden“, so die Einschätzung der Autoren des Digitalreports 2022.

Schlussendlich müsse die neue Bundesregierung mit „Investitionen und dem Abbau von Regulierungen“ die Transformation des Staates ermöglichen. Darunter stellen sich die Autoren etwa die schnellere Abwicklung von Genehmigungsverfahren vor. Weiterhin müssen – den Handlungsempfehlungen des Digitalreports 2022 zu Folge – Schulen und Hochschulen verstärkt auf Zukunftstechnologien setzen und diese auch in der Lehre einsetzen.

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