eGovernment Computing im Dialog

10 Jahre eGovernment: Erfolge, Fehler, Chancen

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Jochen Michels, Fujitsu Technology Solutions GmbH, wies darauf hin, dass so einschneidende Veränderungen auch ihre Zeit brauchen: „Wenn wir nochmals auf die Fragestellung zehn Jahre eGovernment zurückkommen, dann muss man auch konstatieren, dass man erst bestimmte Voraussetzungen braucht, um überhaupt Dinge implementieren zu können.“

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So hätten die Web-2.0-Technologien erst umgesetzt werden können, als die erforderlichen Bandbreiten und Flatrates verfügbar waren, die das Internet für breite Bevölkerungsschichten bezahlbar gemacht hätten. Michels weiter: „Die ersten UMTS-Lizenzen wurden 2000 versteigert, da wurde in der Telekommunikationsbranche erstmals davon gesprochen, dass uns das Handy irgendwann den Weg zum nächstliegenden Restaurant zeigen könnte. Aber erst jetzt kommen solche Dienste wirklich zum Tragen. Wir müssen uns also vergegenwärtigen, über welche Zeiträume wir da sprechen. Natürlich brauchen wir den neuen Personalausweis. Aber er feiert jetzt gerade mal seinen ersten Geburtstag.“

Auch die digitale Spaltung machte Michels zum Thema: „Den Begriff gibt es so nicht, aber ich würde sagen, wir leben in einer hybriden Welt. Viele alte Menschen haben keinen Computer. Die müssen zum Amt gehen. Viele Senioren kommen noch nicht mal mit dem Terminal im Amt klar. Die Verwaltung muss aber auch diese Gruppen bedienen. Wir diskutieren immer auf so einem hohen Niveau. Und für die Kommunen ist es unwahrscheinlich schwer, IT-Verfahren im Einsatz zu haben, die technologisch State-of-the-Art sind. Ich plädiere daher dafür, mehr zu kooperieren als bisher. Vor allem über Verwaltungsebenen hinweg. Dazu zählt auch, den Blick ins Ausland zu richten und auch auf europäischer Ebene zusammenzuarbeiten.“

eGovernment und das Prinzip Römertopf

Auch Dirk Arendt honorierte die gemachten Fortschritte: „Wir haben in den letzten zehn Jahren wirklich eine Menge erreicht. Wenn man sich ansieht, was es inzwischen alles an Infrastruktur gibt: den neuen Personalausweis, D115 und demnächst De-Mail. Und hätte damals jemand behauptet, eGovernment kommt ins Grundgesetz, hätte ihm niemand – ob nun in der Verwaltung, in der Wirtschaft oder Bürger – geglaubt.“

Das gelte übrigens auch für die gescholtenen Geschäftsmodelle, so Arendt. Immerhin seien Shared-Service-Center-Modelle inzwischen landauf, landab Alltag und keine Utopie mehr.

Allerdings gab Arendt zu bedenken: „Aber etwas haben wir in all den Jahren immer noch nicht geschafft – dabei ist das ein ganz wesentlicher Punkt – wir haben es nicht geschafft, andere für das Vorhaben eGovernment zu begeistern. Immer wieder angesprochen, aber nie wirklich behoben sind die Probleme rund um die Themen Kommunikation und Marketing. Das betrifft übrigens nicht nur die Kommunikation mit dem Bürger und der Wirtschaft. Auch innerhalb der Verwaltung muss für ebenen- und ressortübergreifende Zusammenarbeit geworben werden.“

Arendt weiter: „Wenn wir uns auf dem Modernen Staat oder auf der CeBIT treffen – machen wir uns nichts vor – dann ist das ein Klassentreffen. Wir schaffen es nicht, neue Leute für das Thema einzunehmen und zu begeistern. Es bleibt bei diesem Römertopf-Modell. Deshalb ist die ebenenübergreifende Zusammenarbeit für die Zukunft enorm wichtig. Zunächst auf der Ebene Bund-Länder-Kommune. Immer wichtiger wird in den kommenden Jahren aber auch die europäische Ebene werden.“

Fazit

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