Surfen im Ministerium

Österreich: Justiz sperrt Facebook

23.07.2009 | Redakteur: Gerald Viola

Bundeskanzleramt Wien (Foto: Gerald Viola)

Das Justizministerium in Wien hat Facebook gesperrt. Und zwar für alle im Justizsystem, also auch für Richter und alle anderen bei den Gerichten Tätigen berichtet „Die Presse“ in Wien. Denn die Nutzungsfrequenz von Netzwerken im Netz, speziell von Facebook, hatte zuletzt Ausmaße angenommen, die den Rahmen im wahrsten Sinne des Wortes zu sprengen drohten. Das Büro von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (ÖVP) beschreibt es so: „Es wurden offenbar so viele Bilder rauf- und runtergeladen, dass die Netzwerkbelastung an ihre Grenzen stieß.“ Der unmittelbare Effekt: ein extrem verlangsamtes System.

Die Konsequenzen der Ressortleitung werden allerdings nicht nur auf Facebook beschränkt bleiben: Zumindest einem weiteren Networking-Portal, nämlich MySpace, soll demnächst der Riegel vorgeschoben werden, kündigte eine Sprecherin Bandion-Ortners an.

Dabei haben die Administratoren in den österreichischen Behörden eigentlich ganz andere Probleme.

Laut ARGE DATEN, der österreichische Gesellschaft für Datenschutz, übertragen zwei Drittel der österreichischen Mailserver die Nachrichten unverschlüsselt. Im Schnitt sei nur ein Drittel der Mailserver auf dem letzten Stand der Technik und übertragen die eMails verschlüsselt. Die ARGE: „Nicht nur Kleinbetriebe, die mit der sicheren Mailserverkonfiguration überfordert sind, sondern auch viele Behörden, börsenotierte Unternehmen, Branchenführer und Institutionen, die zu den TOP-500 Österreichs gehören, verwenden leichtsinniger Weise unverschlüsselten Mailverkehr.“

Viele Einrichtungen mit unsicherem Mailverkehr seien der ARGE DATEN bekannt, würden jedoch aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben: „Unter anderem sind es 210 Behörden, 36 Aktiengesellschaften, meist börsenotiert, 213 TOP-Unternehmen und Branchenführer, 196 Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, sogar 113 Internetserviceprovider sind darunter. Auch viele Mailserver von Parteien sind unsicher, kein Wunder wenn brisante eMails in falsche Hände geraten.“

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