Accenture-Studie

So gelingt digitale Souveränität

| Autor / Redakteur: Philip Hauth & Jakob F. Scherer* / Regina Willmeroth

Digitale Souveränität ist das entscheidende Kriterium, damit Wirtschaft und Gesellschaft die positiven Auswirkungen der Digitalisierung erfahren
Digitale Souveränität ist das entscheidende Kriterium, damit Wirtschaft und Gesellschaft die positiven Auswirkungen der Digitalisierung erfahren (Bild: Rawpixel Ltd.stock.adobe.com)

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat Accenture den Grad digitaler Souveränität in Deutschland untersucht. Unsere Autoren zeichnen die wichtigsten Ergebnisse der Studie nach.

Die Digitalisierung lässt sich in ihrer Wucht mit der Erfindung des Buchdrucks vergleichen. Informationen und Wissen verbreiteten sich im Mittelalter dank der neuen Technologie schneller als je zuvor und machten aus Untertanen mündige Bürger. Ähnlich verhält es sich mit der Digitalisierung: Sie wälzt sämtliche Lebensbereiche unseres Alltags sowie die Wirtschaftswelt radikal um. Global sind heute Menschen und Wirtschaftsprozesse vernetzt, die vorher meist lokal fokussiert waren.

So wie die Menschen das Alphabet und das Lesen erlernen mussten, um das neue Medium zu ihrem Vorteil zu nutzen, werden auch Bürger, Staat und Unternehmen vom digitalen Zeitalter nur profitieren, wenn sie sich neue Kompetenzen aneignen. Andernfalls drohen ungleiche Verhältnisse mit wenigen Gewinnern und vielen Verlierern. Digitale Souveränität ist daher das entscheidende Kriterium, damit Wirtschaft und Gesellschaft die positiven Auswirkungen der Digitalisierung erfahren.

Doch welche Kompetenzen und Technologien sind notwendig, um ein selbstbestimmtes Handeln im digitalen Raum im Sinne der digitalen Souveränität zu ermöglichen? In welchen konkreten Technologiebereichen haben wir in Deutschland derzeit Stärken und in welchen Schwächen? Und: Was müssen wir tun, um Akteure hierzulande zu befähigen, digital souverän zu handeln, zugleich aber auch global erfolgreich und vernetzt zu sein?

Kompetenzen bewerten, Strategieprozess anstoßen

Um diesen Fragen nachzugehen, führte Accenture gemeinsam mit den Partnern FZI Forschungszentrum Informatik und Bitkom Research die Studie „Kompetenzen für eine digitale Souveränität“ im Auftrag des BMWi durch. Diese wurde der Bundeswirtschaftsministerin, Brigitte Zypries, auf dem Digitalgipfel 2017 in Ludwigshafen überreicht und soll einen ­Strategieprozess zur Stärkung der digitalen Kompetenzen in Deutschland in der kommenden Legislaturperiode anstoßen.

Im Rahmen dieser Studie wurden zunächst sieben für die digitale Souveränität relevante Technologiefelder identifiziert. Anschließend bewerteten die Studienautoren, wie gut Deutschland mit seinen vorhandenen Kompetenzen in diesen sieben Bereichen aufgestellt ist. Dabei wurden unterschiedlichste Faktoren berücksichtigt, von den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen bis hin zum Innovationsumfeld für Unternehmen. Darauf aufbauend leiteten die Studienautoren aus den Ergebnissen der Analyse gezielte Handlungsempfehlungen für Staat und Wirtschaft ab. Hier stand vor allem die Frage im Vordergrund, wie die Fähigkeit zu autonomem Handeln und Entscheiden im digitalen Raum in Zukunft weiter auf- und ausgebaut werden kann.

Wo steht Deutschland?

Insgesamt zeichnet die Bestandsaufnahme ein positives, wenngleich gemischtes Bild. Während Deutschland in vielen Bereichen weltweit an der Spitze steht, sieht es in anderen Feldern nicht annähernd so gut aus:

  • 1. Hardware: Deutsche Anbieter sind hier sehr gut aufgestellt, F&E-Aktivitäten hängen im Branchenvergleich jedoch stark von öffentlicher Förderung ab.
  • 2. Software: Deutschlands Softwarehersteller stehen mit ihren Umsätzen weltweit an zweiter Stelle – dem Entwicklungsumfeld fehlt es jedoch noch an Dynamik und Synergien.
  • 3. Umwelt-Technik-Interaktion: Bei den Kerntechnologien in diesem Bereich sind deutsche Unternehmen im B2B-Umfeld weltweit führend – siehe Industrie 4.0 –, allerdings haben sie kaum Zugang zum Endkundenmarkt für digitale Dienste.
  • 4. Datenmanagement: Beim Einsatz skalierbarer Cloud-Technologien und -Anwendungen ziehen auch deutsche KMU nach. Den meisten deutschen Unternehmen fehlt jedoch eine Plattformstrategie.
  • 5. Datenanalyse: Deutsche Unternehmen nutzen datengetriebene Analyseverfahren vorrangig zur retrospektiven Analyse – und im internationalen Vergleich nach wie vor zu selten.
  • 6. IT-Sicherheit: Deutsche Anbieter spielen in diesem Bereich trotz hoher Marktanteile in Deutschland international praktisch keine Rolle. Überdurchschnittlich häufig werden hierzulande KMU zum Opfer von Cyber-Attacken.
  • 7. Digitale Entwicklungstechnologien: Der Trend zur kollaborativen Entwicklung digitaler Technologien erfordert die Einbindung heterogener Gruppen, die in Deutschland bisher nur mangelhaft gelingt.

Wie lassen sich die festgestellten Defizite bei den für digitale Souveränität nötigen Kompetenzen am besten beheben und bestehende positive Ansätze weiter ausbauen?

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Bei Hardware seien deutsche Anbieter gut aufgestellt. Frage dazu: Seit wann gibt es wieder...  lesen
posted am 19.07.2017 um 07:49 von Unregistriert


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