Potenzial von offenen Verwaltungsdaten realisieren

Plädoyer für einen nachhaltigen Umgang mit Open Data und GovData

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. Jörn von Lucke / Manfred Klein

Der Staat ist gefordert mit offenen Verwaltungsdaten die Wirtschaft zu fördern
Der Staat ist gefordert mit offenen Verwaltungsdaten die Wirtschaft zu fördern (Foto: kebox - Fotolia.com)

Mit Blick auf die anvisierte Gründung eines Internet-Instituts und den bereits sichtbaren Schwerpunkten von Dorothee Bär, Brigitte Zypries und dem Innenministerium sieht Prof. Dr. Jörn von Lucke eine große Herausforderung darin, das Potenzial von offenen Verwaltungsdaten zu heben und in Wirtschaftswachstum zu transferieren.

Staat und Verwaltung verfügen über Datenbestände und Informationssammlungen. Diese werden von den Behörden zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben angelegt und regelmäßig aktualisiert. Eine darüber hinaus gehende Nutzung und Verwertung durch Dritte (PSI-Richtlinie) ist vorstellbar, soweit dies nicht gegen existierende Schutzrechte verstößt. Im Kontext der Öffnung von Geodaten (INSPIRE-Richtlinie) und Verwaltungsdaten (Open Government Data) wird den Verantwortlichen zunehmend bewusst, in welchem Umfang diese Datenbestände bereits im elektronischen Format vorliegen und wie leicht sie Dritten zur weiteren Aufbereitung, Visualisierung, Analyse und Weiterverwertung zur Verfügung gestellt werden können.

Die angestoßene systematische Erfassung dieser Bestände über Datenkataloge und eine weitere inhaltliche Erschließung erfolgen vor allem mit der Absicht, neue zukunftsträchtige Geschäftsfelder mit Wachstums- und Beschäftigungschancen aufzubauen. Die Europäische Kommission erwartet allein dadurch mittelfristig ein zusätzliches jährliches Wirtschaftswachstum von 40 Milliarden Euro für Europa.

Ebenso wichtig ist das Potenzial für Meinungsbildungs-, Abwägungs- und Entscheidungsprozesse, die mithilfe offener Daten noch transparenter und nachvollziehbarer werden. IT-basierte Ansätze helfen Alternativen zu bewerten, politische Entscheidungen zu legitimieren und deren Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen.

Werden Einblicke in die Arbeit von Staat und Verwaltung mit Rückkopplungsangeboten versehen, könnten Impulse und Hinweise die Verwaltung dabei unterstützen, Fehlentwicklungen frühzeitig aufzudecken und mit geeigneten Maßnahmen gegenzusteuern.

Prototyp Govdata.de

Offene Verwaltungsdaten sind in Deutschland bisher vor allem ein Thema der gemeinsamen Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Förderung von Open Government. Der Bund, einige Länder und erste Kommunen arbeiten hier seit Jahren erfolgreich zusammen. Sie haben eine Open-Data-Studie in Auftrag gegeben, eigene Datenkataloge und Datenportale erstellt und mit dem Portal-Prototypen Govdata.de auch einen nationalen Verbund der Datenkataloge geschaffen, dessen Software als Open Source unter kostenlos zur Nutzung und Weiterentwicklung bereitsteht.

Für die Umsetzung hat der Bund in den Jahren 2010 bis 2013 insgesamt bis zu zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Nach einer Evaluierung dieser Maßnahmen werden Bund und Länder in diesem Jahr gemeinsam eine Entscheidung zur Überführung von Govdata.de in den Regelbetrieb und zur weiteren Finanzierung zu treffen haben.

Eine Einbettung dieser Aktivitäten in eine Nationale Open-Data-Infrastruktur und eine entsprechende gesetzliche Grundlage sollten diesbezügliche Sicherungsmaßnahmen der Legislaturperiode sein. In den Anfängen war es den Verantwortlichen wichtig, vor allem unter Entwicklern und Unternehmensgründern Aufmerksamkeit zu generieren, damit die Datenportale und die dort erschlossenen Verwaltungsdaten von Dritten außerhalb der Verwaltung auch genutzt und darauf basierende Anwendungen entwickelt werden.

In den vergangenen Jahren gab es bereits zahlreiche Möglichkeiten, sich mit neuen Ideen und Geschäftsmodellen rund um offene Datenbestände und innovative Apps zu positionieren.

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