Ausbreitung soll durch SORMAS kontrolliert werden

Mit Apps und Big Data gegen gefährliche Epidemien

| Autor: Ira Zahorsky

Beeindruckt von der gemeinsam von Informatikern, Epidemiologen, Infektionsforschern, Tropenmedizinern und Experten aus Nigeria entwickelten IT-Lösung: Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka (m.), die Professoren Christoph Meinel (HPI, 2. v. r.), Gerard Krause (HZI, r.), Doktorandin Cindy Fähnrich (l.) und Bachelorstudent Michael Janke (2. v. l.)
Beeindruckt von der gemeinsam von Informatikern, Epidemiologen, Infektionsforschern, Tropenmedizinern und Experten aus Nigeria entwickelten IT-Lösung: Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka (m.), die Professoren Christoph Meinel (HPI, 2. v. r.), Gerard Krause (HZI, r.), Doktorandin Cindy Fähnrich (l.) und Bachelorstudent Michael Janke (2. v. l.) (Bild: HPI/K. Herschelmann)

Ein Forschungskonsortium aus Wissenschaftlern des Hasso-Plattner-Instituts, Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, Robert-Koch-Instituts, Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin und Forschern aus Nigeria hat ein IT-System entwickelt, das die Ausbreitung schwerer Epidemien verhindern soll.

An seinem CeBIT-Stand (Halle 9, Stand D44) gibt das Hasso-Plattner-Institut Einblick in die aktuellen Forschungsergebnisse des IT-Systems „Surveillance and Outbreak Response Management System“, kurz SORMAS, das künftig dazu beitragen soll, dass sich Epidemien und Infektionskrankheiten nicht massiv ausbreiten. Am Stand wird demonstriert, wie künftig auf interaktive Weise aktuelle Lageanalysen erstellt, Trends frühzeitig identifiziert und Prognosen für mögliche Entwicklungen simuliert werden. „Die Erfassung von Verdachtsfällen hilft den Beteiligten vor Ort sowie den Spezialisten auf den verschiedenen Behördenebenen dann, passende Gegenmaßnahmen effizient zu organisieren, um eine weitere Ausbreitung wirksam zu verhindern“, erläutert HPI-Projektleiter Dr. Matthieu Schapranow.

Vor Ort besonders wichtig: das Auffinden und Befragen von Kontaktpersonen, die möglicherweise mit Erkrankten in Verbindung kamen - das so genannte „Contact Tracing“. Mit kompakten Smartphones und Tablets sowie einer speziellen App ausgerüstet, können medizinische Helfer infizierte Personen und deren Kontakte systematisch erfassen und Symptome direkt zurückmelden. „Das soll sicherstellen, dass nicht möglicherweise weitere Menschen angesteckt werden“, sagt HPI-Doktorandin Cindy Fähnrich. Im März wird das System in Nigeria erstmals getestet, eine Pilotanwendung startet im Anschluss.

Forschungsansatz für die IT-Spezialisten des HPI war es, Informationen in Echtzeit auswerten zu können, um Spuren und Trends blitzschnell zu finden sowie Vorhersagen treffen zu können. „Denn Seuchen machen nicht an Landesgrenzen halt. Sie sind ein globales Problem. Da müssen sich alle zusammentun“, betont Fähnrich.

Grundlage für SORMAS ist die am HPI erforschte In-Memory Database Technology. Sie ermöglicht es, riesige Datenmengen interaktiv nach frei wählbaren Kriterien auszuwerten. Forscher können so die Massen an Daten blitzschnell durchforsten, um Zusammenhänge zu erkennen.

Praktische Hinweise zur Anwendung vor Ort lieferten nigerianische Experten aus dem Field Epidemiology and Labaratory Training Program. Sie verhinderten durch ihr systematisches Vorgehen einen flächendeckenden Ebola-Ausbruch in ihrem Land. In Nigeria wurden Personen, die Kontakt zu Infizierten hatten, für den Zeitraum der Inkubationszeit – bei Ebola beträgt sie bis zu 21 Tage – von medizinischen Helfern täglich besucht und zu Krankheitssymptomen befragt. Dokumentiert wurde vieles noch auf Papier.

Um künftig in Echtzeit reagieren und Übermittlungsfehler auszuschließen zu können, kommt die vom HPI und seinen Partnern entwickelte mobile Anwendung zum Einsatz. Auf Smartphones oder Tablets werden etwaige Auffälligkeiten erfasst und direkt in das zentrale Datenbanksystem eingespielt. So kann direkt reagiert werden und betroffenen Personen schneller geholfen werden. Die Anwendung ließ sich Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka am HPI-Stand zeigen. Das Vorhaben der Infektionsforscher und Epidemiologen wird durch das Bundesforschungsministerium mit rund 700.000 Euro gefördert.

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