Capgemini IT-Trends 2017

Je mehr digitalisiert wird, desto mehr Probleme gibt es

| Autor: Heidemarie Schuster

Der Capgemini-Studie zufolge ist der Fachkräftemangel eine wesentliche Hürde bei der Digitalisierung.
Der Capgemini-Studie zufolge ist der Fachkräftemangel eine wesentliche Hürde bei der Digitalisierung. (Bild: Pixabay)

Laut der aktuellen IT-Trends-Studie von Capgemini behindern Oragnisationsstrukturen oftmals die Digitalisierung. Zudem stellt der Fachkräftemangel ein Problem dar. Die Umfrage ist auch für Verwaltungen interessant, da da Anteil an Studienteilnehmern aus der Öffentlichen Verwaltung deutlich gestiegen ist.

Bei der jährlichen Capgemini-Studie „IT-Trends„ waren in diesem Jahr 82 Prozent der CIOs im deutschsprachigen Raum der Meinung, dass die Digitalisierung die Geschäftsmodelle ihrer Branche verändert. Um darauf zu reagieren, stellen die CIOs in erster Linie Mitarbeiter mit dem entsprechenden Know-how ein (82,7 Prozent) und engagieren Beratungsunternehmen (66,0 Prozent). Vor tiefgreifenden organisatorischen Veränderungen wie dem Aufbau einer Innovationsabteilung, der Abflachung der Hierarchie und dem Austausch von Führungskräften schrecken die meisten aber zurück.

Technologisch konzentrieren sie sich auf die bessere Vernetzung von Daten (88,3 Prozent) und den Ausbau der Datenanalyse (78,2 Prozent), die Entwicklung neuer Produkte und Services (80,8 Prozent) sowie den Ausbau der Cloud-Kapazitäten (80,6 Prozent).

Hürden

Als die größten Hürden für die Digitalisierung bezeichnen die Studien-Teilnehmer den Fachkräftemangel, unflexible Geschäftsprozesse, starre Organisationsstrukturen, fehlende übergreifende Planung und unklare Verantwortlichkeiten.

„Die Digitalisierung ist offenbar weniger eine technische als vielmehr eine organisatorische Herausforderung. Althergebrachte Strukturen behindern den Wandel, sowohl auf Unternehmensebene als auch in der IT-Abteilung. CIOs, in deren Unternehmen Digitalisierung eine hohe Bedeutung hat, sind eher zu Veränderungen bereit. Das zahlt sich offenbar aus, denn diese Unternehmen sind bei der Vernetzung und Analyse der Daten weit fortgeschritten und bereits dazu übergegangen, aus den Erkenntnissen neue Produkte und Services zu entwickeln“, erklärt Dr. Uwe Dumslaff, Chief Technology Officer bei Capgemini in Deutschland die Ergebnisse.

Probleme mit agilen Arbeitsweisen

Der Einsatz agiler Methoden von der Entwicklung über den Betrieb, den Support bis hin zum Projektmanagement ist in den vergangenen zwölf Monaten stabil geblieben (durchschnittlich 23,3 im Vorjahr versus 24,2 Prozent in der aktuellen Umfrage). Die Gründe dafür liegen Capgemini zufolge offenbar in Schwierigkeiten mit der agilen Arbeitsweise, die Unternehmen entweder nicht in das althergebrachte Organisationsmodell integrieren können oder die von den Mitarbeitern nicht angenommen wird. Darüber hinaus klagen viele CIOs über Fachkräftemangel in diesem Bereich.

Unterm Strich verzögern die Probleme die Verkürzung der Release-Zyklen. Ein Drittel und damit die meisten Teilnehmer aktualisieren ihre Individualanwendungen lediglich ein- bis dreimal pro Jahr. Viele haben aber das Ziel, schneller zu werden: Die Mehrheit strebt ein Update pro Monat oder pro Woche an und hat demnach einen wesentlich höheren Änderungsbedarf als derzeit umsetzbar.

Big Data

In diesem Jahr betreiben 18,3 Prozent der Unternehmen im deutschsprachigen Raum eine oder mehrere eigene Big-Data-Anwendungen. Das sind unterm Strich weniger als im vergangenen Jahr (23,9 Prozent). „Der Rückgang ist jedoch nicht unbedingt negativ, da in einigen Branchen bereits europa- oder weltweit konsolidiert wird“, kommentiert Thomas Heimann, Principal Enterprise Architect & Experte IT-Trends bei Capgemini. „Einige Pilot-Projekte enden auch in der Entscheidung, die Leistungen eines Anbieters zu nutzen oder abzuwarten, bis mehr Daten zur Verfügung stehen. Das Interesse an Big Data ist aber nach wie vor hoch und die Anzahl der Unternehmen, die sich in Workshops oder Pilotanwendungen mit Big Data auseinandersetzen, ist gestiegen.“

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Cloud Computing

Auch die Cloud-Nutzung hat zugenommen: Inzwischen beziehen 75 Prozent der Unternehmen Services aus der eigenen und sogar 79,6 Prozent Leistungen aus einer Anbieter-Cloud. Die hohe Nutzerquote sollte laut Capgemini aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass letztere aber nach wie vor nur einen geringen Anteil an der Gesamtleistung haben. Sie stellen in diesem Jahr 10,2 Prozent aller IT-Services bereit (Vorjahr 6,5 Prozent), während unternehmenseigene Clouds einen Anteil von 36,6 Prozent haben (Vorjahr 27,1 Prozent). Insbesondere Großkonzerne und der Mittelstand haben die Cloud-Nutzung stark ausgebaut.

Top-Technologien und die EU-Datenschutzgrundverordnung

Die ersten Plätze auf der Liste der Top-Technologien des Jahres belegen Cloud Security, Security Automation, BYOx Security, Privacy by Design und Predictive Analytics. Die häufige Nennung von Sicherheitsthemen hat Capgemini zufolge zum einen mit der aktuellen Bedrohungslage, zum anderen mit der EU-Datenschutzgrundverordnung zu tun. In deren Rahmen wird es neue Sicherheitsanforderungen geben, wie beispielsweise die Anwendung des Prinzips Privacy by Design. In der Relevanz für das Unternehmen aus Sicht der IT fallen hingegen digitale Lösungen zur Verbesserung des Einkaufs- und Service-Erlebnisses in der Filiale, mobile Payment, Robotic Process Automation, mobile Services für Fahrzeuge und Wearables deutlich ab, sie sind die „Flops des Jahres“.

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