Das Indikatoren-Modell als Basis für Konsolidierungsentscheidungen

IT-Konsolidierung mit Nebenwirkungen

| Autor / Redakteur: Jan Alexander Linxweiler & Axel Keller* / Susanne Ehneß

Innovationsprozesse sind in aller Regel kostspielig, aber ihre Resultate spiegeln sich finanziell oft nicht unmittelbar wider
Innovationsprozesse sind in aller Regel kostspielig, aber ihre Resultate spiegeln sich finanziell oft nicht unmittelbar wider (Bild: Konstantin Hermann/ Fotolia.com)

Neben aktuellen Entwicklungen in der IT wie Digitalisierung, Inter­net of Things und Industrie 4.0 ist ein weiteres Trendthema auf der Tagesordnung, in der Privatwirtschaft ebenso wie in der Öffentlichen Verwaltung: die IT-Konsolidierung.

Auf den ersten Blick scheinen IT-Konsolidierungsprojekte praktisch nur Vorteile zu eröffnen. Sie ­versprechen beispielsweise ein ­besseres Nutzererlebnis, mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit, eine erhöhte Effizienz, weniger Lizenzkosten und einen reduzierten Supportaufwand. Eine nähere Betrachtung zeigt, dass eine IT-Konsolidierung zwar oft, aber durchaus nicht immer sinnvoll ist. Sie ist kein Allheilmittel.

Angesichts des Hypes um das Thema wird die Notwendigkeit, durchdacht vorzugehen, aber nicht selten ignoriert. Letztlich gilt, dass ein IT-Konsolidierungsvorhaben nur dann sinnvoll ist, wenn es einer kritischen Überprüfung anhand konkreter Bewertungsparameter, sogenannter Indikatoren, standhält. Solch ein Indikatoren-Modell bewahrt davor, dass IT-Konsolidierung zum Selbstzweck wird.

Trendthema

In der Wirtschaft ist das Thema IT-Konsolidierung schon viel länger präsent, etwa im IT-Outsourcing, beim Merger von Unternehmen oder im Rahmen der Zentralisierung der IT innerhalb größerer Unternehmensgruppen. Aber auch in der Bundesverwaltung, in Ländern und Kommunen gewinnt IT-Konsolidierung an Bedeutung – wobei die Herausforderungen und Vorteile denen in der Wirtschaft stark ähneln.

Auf Bundesebene beispielsweise wird die IT-Konsolidierung derzeit im Rahmen der Digitalen Agenda vorangetrieben, auf Länder- und kommunaler Ebene gibt es wettbewerbsorientierte IT-Dienstleister, die sich ihren Auftraggebern bereits erfolgreich als Betreiber ­einer konsolidierten IT anbieten. Ob in Unternehmen oder Behörden: In der Regel ist die Motivation für eine IT-Konsolidierung, dass man sich davon eine Optimierung der IT-Organisation bezüglich Aufbau und Ablauf verspricht – und dabei insbesondere Kosteneinsparungen im Blick hat.

Vor- und Nachteile

In der Öffentlichen Verwaltung wie auch in der Wirtschaft kommen üblicherweise dieselben Vor- und Nachteile einer Konsolidierung von IT zum Tragen – und sehr oft überwiegen die Vorteile.

Typische Vorteile einer IT-Konsolidierung:

  • Einfacheres Management und stringentere Steuerung
  • Bessere Nutzung der Ressourcen, d. h. Effizienzsteigerung und Reduzierung der Kosten
  • Skalierbarkeit: technisch und betrieblich
  • Zentralisierte und einheitliche Beschaffung von Soft- und Hardware
  • Funktionale Entflechtung
  • Bessere Abbildung von IT-Modernisierungsbedarfen
  • Datenschutz und Datensicherheit werden besser umsetzbar
  • Eine konsolidierte IT erscheint als attraktiverer Arbeitgeber und adressiert zugleich den Fachkräftemangel
Ergänzendes zum Thema
 
IT-Konsolidierung beim Zukunftskongress Staat & Verwaltung

Typische Nachteile:

  • Risiko einer monolithischen Softwarearchitektur
  • Gestiegenes Fehlerpotenzial in der Dimensionierung der IT-Systeme
  • Migration birgt das Risiko von Datenverlusten in der Phase der Konsolidierung
  • Zentralisierung führt zu höherem Angriffspotenzial aus der Perspektive der IT-Sicherheit
  • Standortspezifische Applikationen verlieren bei einer Zentralisierung gegebenenfalls ihren Sinn
  • Zentralisierung der IT-Systeme – und damit der Expertise – verlängert Support-Reaktionszeiten und führt zu höheren Aufwendungen in den Fachabteilungen
  • Abhängigkeit vom Rechenzen­trumbetreiber und ggf. reduzierter oder fehlender Wettbewerb

Innovations-Dilemma

Bleibt die Frage: Wie weit darf eine IT-Konsolidierung gehen? Sich einzig auf mögliche Kostenreduktionen zu fokussieren, ist keinesfalls zielführend. Als problematisch erweist sich dabei nicht zuletzt das sogenannte „Innovations-Dilemma“ der IT-Branche. Oft wird die Konsolidierung bloß als besonders leichter Weg gesehen, Kosten zu reduzieren und damit kurzfristig Unternehmensgewinne zu steigern.

Nur bewahrt dies nicht vor besagtem Dilemma, mit dem sich letztlich alle Technologiebranchen konfrontiert sehen: Innovationsprozesse sind in aller Regel kostspielig, aber ihre Resultate spiegeln sich im Unternehmensgewinn oft nicht unmittelbar wider. Während die Effekte einer IT-Konsolidierung meist schnell messbar sind, wirken sich Innovationsanstrengungen häufig langsamer aus. Dennoch haben gerade Innovationen entscheidenden Einfluss auf den langfristigen Unternehmenserfolg und Unternehmensgewinn.

Wer nur auf die kurzfristige Kostenreduktion sieht, wird immer dazu tendieren, der leicht messbaren und einfachen Konsolidierung den Vorrang vor der nur schwer abbildbaren Innovation einzuräumen. Die langfristige, positive Wirkung der Innovationen für den Gesamtwert der Organisation lässt solch eine Sicht ebenso außer Acht wie die langfristigen Kosten einer IT-Konsolidierung.

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