„Internet of Things“ sichert Passagiere und Fahrzeuge

IoT im Gotthard-Basistunnel

| Autor / Redakteur: Laurent Moureu* / Andreas Donner

Die Einfahrt in den Gotthard-Basistunnel
Die Einfahrt in den Gotthard-Basistunnel (Bild: x-default / Alcatel-Lucent Enterprise)

Der Gotthard-Basistunnel stellt nicht nur ein beeindruckendes Zeugnis höchster Ingenieurskunst dar. In einer der anspruchsvollsten Betriebsumgebungen der Welt wird modernste IoT-Technologie eingesetzt, um rund um die Uhr die Sicherheit der Passagiere und Fahrzeuge sicherzustellen.

Durch den am 11. Dezember 2016 in Betrieb genommene Gotthard-Basistunnel werden jeden Tag rund 9.000 Passagiere mit einer Geschwindigkeit von 250 km/h durch die Alpen transportieren. Außerdem werden täglich bis zu 260 Güterzüge den Tunnel passieren, die wesentlich länger und schwerer sind als bisher.

Einschließlich der Zugangsstollen und Quertunnel sind etwa 152 Kilometer Tunnel zu vernetzen. Dabei muss die Konnektivität in dem gesamten Bereich durch extrem zuverlässige IP-Netzwerke hergestellt werden. Denn selbst die kleinste Unterbrechung des Netzwerks durch ineffizienten Datentransfer oder Engpässe kann zu Verspätungen führen und im schlimmsten Fall sogar die Sicherheit der Arbeiter und Passagiere gefährden.

Ein großer Teil der Technologie ist automatisiert. Das bedeutet, dass ein äußerst stabiles und zuverlässiges Datennetzwerk nötig ist, um wichtige Betriebsdaten in den Tunnel und aus dem Tunnel zu übertragen. Eine IoT-Umgebung ist auf funktionierende Echtzeitkommunikation zwischen den IP-Geräten – den „Dingen“ im Internet of Things – angewiesen, um sekundenaktuelle Betriebsdaten zu erfassen und den Betreibern damit die Informationen zu geben, die sie brauchen, um den reibungslosen, sicheren Betrieb aller Systeme im Tunnel zu gewährleisten.

Vorsicht an den Türen

Die Türen sind ein gutes Beispiel. Wenn eine der Türen zu den Servicebereichen oder Zugangsstollen nicht ordnungsgemäß geschlossen wird, entsteht bei der Durchfahrt eines Hochgeschwindigkeitszugs ein Druck, der die Systeme im Tunnel erheblich beschädigen kann. An das IoT angeschlossene Geräte im Tunnel überwachen 24 Stunden am Tag alle Türen und senden automatisch einen Alarm an das Kontrollzentrum, wenn eine Tür nicht sicher geschlossen ist, obwohl sie es sein sollte.

Wenn man dann auch noch an die vielen Sensoren, Überwachungskameras, Anlagen für die Belüftung und Entwässerung sowie die Kommunikations- und Kontrollsysteme im gesamten Bereich denkt, die alle Echtzeitdaten senden oder empfangen, versteht man schnell, warum zuverlässige Konnektivität so wichtig ist.

Die Punkte verbinden

Es ist Aufgabe des Datennetzwerks – besser: der Datennetzwerke, denn in den beiden parallelen Tunneln sind separate Netzwerke installiert –, alle diese IP-basierten Endpunkte des IoT zusammenzubringen und die Daten in die Kontrollzentren des Tunnels zu übertragen. Das Netz muss belastbar genug sein, um zu allen Zeiten, bei allen Temperaturen und in allen Umgebungen zu funktionieren. Das heißt natürlich, dass auch die Daten-Switches widerstandsfähiger sein müssen als üblich. Sie müssen auch unter ungünstigsten Bedingungen einen ununterbrochenen Datenverkehr und eine absolut fehlerfrei Kommunikation sicherstellen.

Unter einem Schweizer Berg ist es nicht gemütlich

Die Größe des Tunnelkomplexes und die Abgeschiedenheit einiger Servicebereiche führen dazu, dass viele der eingesetzten Netzwerkkomponenten über lange Zeiträume mitten im Tunnel funktionieren müssen – fernab von sicheren Datenzentren mit kontrollierten Umgebungsbedingungen. Es geht aber nicht nur um den Standort. In Teilen des Tunnels können Temperaturen von bis zu 40° Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent auftreten – wesentlich mehr, als Daten-Switches üblicherweise aushalten müssen.

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