Sächsisches Verwaltungsnetz

Überzeugende Vorteile für Kommunen

| Redakteur: Manfred Klein

Daumen nach oben! Innenminister Markus Ulbig schaltet das Netzwerk offiziell frei
Daumen nach oben! Innenminister Markus Ulbig schaltet das Netzwerk offiziell frei (Bild: Manfred Klein – eGovernment Computing)

Mit der Freischaltung des neuen Sächsischen Verwaltungsnetzes (SVN 2.0) eröffnen sich der Landesverwaltung und den Kommunen neue Möglichkeiten. eGovernment Computing sprach mit Dr. Sebas­tian Kiebusch, Geschäftsführer des SID, über die Vorzüge.

Herr Kiebusch, das Sächsische Verwaltungsnetz 2.0 (SVN 2.0) soll „mit einem definierten Leistungskatalog und einer Verbesserung der Nutzerorientierung verbunden“ werden. Was genau ist darunter zu verstehen?

Kiebusch: Zunächst einmal konnte das Leistungsangebot stark ausgebaut werden. Durch eine feinere Untergliederung der einzelnen Dienste steht den Nutzern eine Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung, um die Leistung optimal an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Zur Unterstützung setzen wir dabei auf eine transparente, detaillierte Darstellung im Leistungskatalog sowie vereinfachte, elektronisch unterstützte Bestellverfahren.

Dr. Sebastian Kiebusch erläutert Funktion und Zielsetzung des neuen sächischen Verwaltungsnetzes
Dr. Sebastian Kiebusch erläutert Funktion und Zielsetzung des neuen sächischen Verwaltungsnetzes (Bild: LarsNeumann.Fotografie)

Zwei zentrale Punkte bei der Planung waren die Themen Kosteneffizienz (über Virtualisierung) und Sicherheit. Welche Rolle spielten die beteiligten Unternehmen bei der Umsetzung dieser Punkte?

Kiebusch: Die angestrebte Kosteneffizienz entsteht durch die Nutzung von Synergieeffekten durch Schaffung einer großen, zentralen Plattform für die zentralen SVN-weiten Dienste sowie die eGovernment-Dienste. Dabei setzen wir zusammen mit den beteiligten Firmen noch stärker als beim SVN 1.0 auf Virtualisierung. Dies erleichtert auch die Gewährleistung des geforderten, höheren Sicherheitsniveaus – unter anderem durch den Aufbau durchgängig redundanter Strukturen.

Welche Rolle werden in Zukunft mobile Anwendungen in Sachsen spielen, und welche Lösungen bietet das SVN dafür?

Kiebusch: Auch die Verwaltung unterliegt Veränderungsprozessen, welche mit höheren Anforderungen an Mobilität und Flexibilität einhergehen. Um dem gerecht zu werden, bietet das SVN zum Beispiel im Bereich Unified Communication vielfältige Möglichkeiten für die sichere Integration mobiler Anwendungen in bestehende interne IT-Verfahren, sichere Managementlösungen für mobile Endgeräte (MDM, EMM) sowie Multifaktor-Authentifizierung. Ziel soll es sein, die Digitalisierung der Verwaltung und öffentlicher Institutionen voranzutreiben. Um zum Bespiel eine durchgängige medienbruchfreie elektronische Bearbeitung von Abläufen zu ermöglichen oder die Mitarbeiter dazu zu befähigen, örtlich flexibel arbeiten zu können – ob von zu Hause oder von unterwegs.

Das SVN 2.0 soll eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der eGovernment-Strategie des Freistaats spielen. Wie sehen die damit verbundenen Planungen aus, womit ist in nächster Zeit zu rechnen, und welche Rolle spielt bei alldem das eGovernment-Gesetz des Landes?

Kiebusch: Das SVN 2.0 schafft mit der weiter entwickelte Netzinfrastruktur und der integrierten Diensteplattform, die den sicheren und performanten technischen Betrieb der Basiskomponenten gewährleistet, Grundvoraussetzungen für die Umsetzung wesentlicher im Leitbild der Strategie für IT und eGovernment verankerten Grundsätze. Um nur zwei der Grundsätze anzusprechen: Das SVN 2.0 ist die infrastrukturelle Basis für den Betrieb der Basiskomponenten für Online-Antragstellungen, eID-Service und elektronische Zahlungen, die wiederum notwendig sind, damit Bürger und Unternehmen ihre Anliegen elektronisch abwickeln können. Mit dem SVN 2.0 werden IT-Leistungen für die Verwaltung bedarfsgerecht und wirtschaftlich zur Verfügung gestellt.

Das Sächsische eGovernment-Gesetz hat die strategischen Ziele der Strategie für IT und eGovernment vom April 2014 mit gesetzlichen Regelungen flankiert. Geregelt ist auch die Pflicht der Anbindung an das Sächsische Verwaltungsnetz für staatliche Behörden. Daraus ergibt sich für uns die Pflicht, ein leistungsfähiges und sicheres Netz bereitzustellen. Mit dem SVN 2.0 werden die staatlichen und kommunalen Behörden des Freistaates zudem beim Vollzug der Regelungen zur elektronischen Kommunikation, zu elektronischen Zahlungsverfahren und zur sicheren Datenübermittlung unterstützt. Und schließlich ist der sichere und performante Betrieb der Basiskomponenten eine Voraussetzung dafür, dass die im Gesetz verankerte Pflicht zur Nutzung dieser Komponenten von den staatliche Behörden akzeptiert und umgesetzt wird.

Auch die Kommunen des Landes sollen in besonderer Weise vom SVN profitieren. Welche Vorteile können die Kommunen aus dem Netz ziehen, und wie sollen die noch nicht beteiligten Kommunen für das Vorhaben gewonnen werden?

Kiebusch: Das Kernnetz wird den Kommunen durch den Freistaat Sachsen kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Es wird eine gemeinsame, zentrale Diensteplattform betrieben. Dieses leistungsfähige Verwaltungsnetz ermöglicht die Kommunikation zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Des Weiteren wird dadurch ein wirtschaftlich günstiger, bedarfsorientierter Zugang zu sicheren Verwaltungsverfahren bereitgestellt. Viele Mehrwerte und Vorteile dieser gemeinsamen Nutzung wären nur mit einem hohen finanziellen Mehraufwand für die einzelnen Kommunen erreichbar. So zum Beispiel die Grundverschlüsselung des Netzes, der sichere, hochperformante Internetzugang oder der 7x24h Servicedesk. Diese Vorteile gilt es dementsprechend aufzuzeigen, um die noch nicht beteiligten Kommunen von dieser gemeinsamen Lösung zu überzeugen.

Bei der Umsetzung des SVN spielte das Ausschreibungsprozedere – hier: Verhandlungsverfahren mit vorheriger öffentlicher Aufforderung zur Teilnahme - eine zentrale Rolle. Welche Faktoren waren hier für den Erfolg besonders wichtig?

Kiebusch: Das Vergabeverfahren lief in mehreren Schritten ab. Zunächst wurden die Beratungsleistungen (juristisch und fachlich) für das eigentliche Vergabeverfahren ausgeschrieben. Wesentlich war hier, dass eine „gesunde“ Kombination von landeseigenem und externem Know-how auf der juristischen und fachlichen Seite erreicht werden konnte. Auf dieser Grundlage galt es, ein Vergabeverfahren für das SVN 2.0 selbst zu wählen, das sowohl den strengen Vorgaben des Vergaberechts genügt als auch inhaltlich angemessen war.

Aufgrund der Komplexität der auszuschreibenden Dienste und damit einhergehender Risiken für die Vertragsparteien wurde das Verhandlungsverfahren mit vorheriger öffentlicher Aufforderung zur Teilnahme ausgewählt. Eine zentrale Rolle spielte hier insbesondere die Losbildung, da diese von grundsätzlicher Bedeutung für die Struktur der Leistungserbringung ist. Bei der eigentlichen Vergabemaßnahme war eine penible und für die Beteiligten transparente Dokumentation aller Verfahrensschritte selbstverständlich. Im Ergebnis konnten die sehr anspruchsvollen terminlichen Vorgaben eingehalten werden. Für Verfahren dieser Komplexität und mit solch einem Auftragsvolumen, ist es nicht selbstverständlich, dass diese so reibungslos verlaufen.

Das Netz ist nun freigeschaltet, jetzt steht die Migration von SVN 1.0 auf 2.0 an. Welche Herausforderungen müssen hier gemeistert werden, und wie sieht der damit verbundene Zeitplan aus?

Kiebusch: Beim SVN 1.0 handelt es sich bereits um ein hoch komplexes, konvergentes Netz, welches eine Vielzahl an Diensten abbildet. Die wohl größte Herausforderung bei der Migration auf SVN 2.0 liegt dabei in einem möglichst unterbrechungsfreien Übergang auf eine vollkommen neue Plattform. Im Gegensatz zum SVN 1.0 werden die bislang getrennten Plattformen für zentrale Dienste und eGovernment-Dienste im SVN 2.0 zu einer großen, gemeinsamen Plattform zusammengefasst. Parallel zur Migration der Dienste erfolgt mit der Bereitstellung einer neuen Leitung und mit dem Austausch von Routern die technische Migration von über 800 Behördenstandorten des Freistaates Sachsen sowie 450 kommunalen Standorten und 1300 Schulen. Wir veranschlagen dafür einen Zeithorizont von einem Jahr. Zieltermin ist Ende März 2018.

Das SVN ist zukunftsoffen angelegt. Wie kann die Landesregierung auf künftige technische Herausforderungen reagieren?

Kiebusch: Die Zukunftsfähigkeit soll im Wesentlichen durch eine einheitliche Basis und Struktur sichergestellt werden. Durch den Aufbau flexibler logischer Netze sowie einer gemeinsamen Plattform für zentrale Dienste und eGovernment-Dienste schaffen wir einerseits Möglichkeiten zur Erweiterung und können andererseits zeitnah und bedarfsgerecht auf geänderte Anforderungen reagieren. Grundlegende, langwierige Anpassungen an der Netzstruktur gehören damit der Vergangenheit an. Zusammengefasst bietet die neue, flache Netzarchitektur eine höhere Performance im Netz, mehr Flexibilität und damit die Basis für zukünftige neue Anwendungen.

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