30 Jahre Windows

Holperiger Start für das Erfolgsmodell

| Autor: Klaus Länger

Mit Windows 1.01 erblickte im November 1085 die erste Windows-Version das Licht der Welt. Angekündigt hatte Bill Gates die Software schon zwei Jahre zuvor.
Mit Windows 1.01 erblickte im November 1085 die erste Windows-Version das Licht der Welt. Angekündigt hatte Bill Gates die Software schon zwei Jahre zuvor. (Bild: Vogel IT-Medien)

Vor 30 Jahren kam Windows 1.01 auf den Markt – zwei Jahre nach der Ankündigung. Und zunächst war es gar nicht klar, dass die GUI von Microsoft irgendwann ein Erfolg werden würde. Der kam dann auch erst mit der Version 3.0 von Windows.

Am 20. November 1985 war es endlich soweit: Microsoft konnte mit der Auslieferung von Windows beginnen. Fast zwei Jahre hatte Microsoft von der ersten Präsentation der grafischen Benutzeroberfläche bis zu deren Fertigstellung benötigt und sich damit für die GUI die Bezeichnung „Vaporware” eingehandelt. Denn eigentlich sollte Windows bereits im April 1984 in den Handel kommen. Auf den Markt kam Windows schließlich bereits in der Version 1.01. Mit der Version 1.02 kamen 1986 dann auch internationale Versionen von Windows, darunter auch eine deutschsprachige.

Windows war keineswegs die erste grafische Oberfläche für die Steuerung eines Rechners: Die gab es schon beim 1973 am Xerox-Forschungszentrum PARC entwickelten Alto und dessen seit 1981 verkauften, kommerziellen Nachfolger Xerox Star. Auch Apple war mit Lisa und Macintosh früher dran. Dort hatte man sich ebenso wie bei Microsoft an den Xerox-Entwicklungen orientiert und auch PARC-Programmierer abgeworben.

Für PCs gab es 1985 mit Visi On vom Spreadsheet-Erfinder VisiCorp und mit GEM von Digital Research bereits zwei weitere grafische Oberflächen. Visi On benötigte allerdings im Gegensatz zu Windows eine, damals noch extrem teure, Festplatte und Digital Research war in einen lähmenden Rechtsstreit mit Apple verstrickt. Dem konnte Bill Gates entgehen, da Microsoft auch dringend benötigte Software für den Mac produzierte und Apple ein Abkommen mit Microsoft über die Nutzung von GUI-Elementen schließen musste.

Daneben gab es die Multitasking-Oberflächen DesQ von Quarterdeck und TopView von IBM, die allerdings nur im Textmodus arbeiteten. Allerdings war TopView teilweise für die Verzögerung bei Microsoft verantwortlich, da Gates dessen Behandlung von DOS-Programmen und die dafür zuständigen PIF-Dateien auch für Windows übernehmen wollte.

Windows ohne überlappende Fenster

Nach dem Start von Windows aus DOS heraus erschien auf dem Desktop erst einmal eine Liste mit allen Dateien im Windows-Verzeichnis. Ein eigener Programm-Manager kam erst mit Windows 3.0. Alle geöffneten Programme wurden als Icon im unteren Teil des Desktops angezeigt, hier wurde zwischen geöffneten Programmen umgeschaltet. Windows 1.01 konnte auch bereits mehrere Programme gleichzeitig anzeigen, allerdings nur nebeneinander. Die Menü-Leiste mit Drop-Down-Menüs gab es schon beim ersten Windows.

Überlappende und mit der Maus verschiebbare Fenster kamen erst mit Windows 2.03, der ersten Windows-2-Version. Wegen dieser Windows-Version reichte Apple schließlich doch eine Klage ein, die 1989 als unbegründet abgewiesen wurde.

Microsoft lieferte bei Windows 1.01 bereits einige Windows-Programme mit: Die Textverarbeitungssoftware Write mit WYSIWYG-Ansicht (What you see is what you get), das Zeichenprogramm Paint, einen Editor, einen Kalender, ein Kartei-Programm, einen Taschenrechner sowie eine analoge Uhr. Als Spiel war Reversi mit dabei. Auch der Austausch von Daten über die Zwischenablage war bereits möglich. Zudem bot Microsoft für Entwickler einige Tools an. Das erste Anwendungsprogramm für Windows war In-A-Vison von Micrographx. Die Firma wurde 2001 von Corel übernommen. Für das Multitasking nutzte Microsoft das kooperative Verfahren. Das zuverlässigere präemptive Multitasking kam erst mit Windows NT und bei Windows 95 für 32-Bit-Anwendungen.

Schleppender Start

Zwar waren die Hardwareanforderungen von Windows nicht so hoch, wie die von Visi On, aber 1986 waren die meisten Rechner für Windows ungenügend ausgestattet. Ihnen fehlte beispielsweise die für Windows eigentlich notwendige EGA-Grafikkarte nebst passendem Monitor und auch die nötigen 256 KB Hauptspeicher. Der Durchbruch für Windows kam erst mit Windows 3.x.

Einen umfassenden Überblick über alle Windows-Versionen liefert die hervorragende Seite Winhistory.de. Und auf der Seite www.pcjs.org kann man Windows 1.01 sogar selbst ausprobieren: Denn dort findet man einen browserbasierten, in JavaScript geschriebenen Emulator des IBM PC, der auch das erste Windows als Demo-Anwendung findet.

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