Die Parteichefin der Linken, Katja Kipping schlug unlängst in der Zeitung DIE WELT vor, dass erwerbstätige Eltern minderjähriger Kinder grundsätzlich einen halben Urlaubstag pro Monat zusätzlich erhalten sollten, um Behördengänge und andere wichtige Dinge zu erledigen, die sonst im Alltag den Stress erhöhen.
Ein ähnliches Modell gab es schon in der DDR. Nur sind die DDR und ihr Verwaltungswesen schon seit 22 Jahren passé. Ein Behördentag wäre ein Schritt zurück in das letzte Jahrhundert. Warum sollten Bürger überhaupt Zeit opfern müssen um Behörden aufzusuchen und Verwaltungsdinge zu erledigen? Die Modernisierung des Verwaltungswesens und dessen Prozesse haben ja gerade zum Ziel, den Bürgern einen einfachen Zugang zur Verwaltung zu eröffnen und einen größtmöglichen Service zu bieten. Dieser Service wird gerade durch den Einsatz moderner IT und der elektronischen Unterstützung von Verwaltungsprozessen erreicht. Viele Standardvorgänge, für welche man früher noch den Weg zum Amt auf sich nehmen musste, sind heute bequem vom heimischen PC oder dem Smartphone von unterwegs aus zu erledigen. In naher Zukunft wird dies für alle Verwaltungsleistungen gelten.
Man kann Katja Kipping allerdings zu Gute halten, dass sie womöglich von der Berliner Situation geprägt ist. Berlin ist für lange Schlangen und lange Wartezeiten in den Bürgerämtern bekannt. Termine in Meldeämtern dauern bis zu 14 Tagen und mehr. In den meisten deutschen Städten und Gemeinden geht es allerdings schneller. So gibt es zum Beispiel in Osnabrück eine App, die zu den üblichen Behördenöffnungszeiten in Sekundenschnelle angibt, wie viel Personen im Bürgeramt derzeit warten und wie lang die aktuelle Wartezeit ist. Dort kann man beim normalen Einkauf, sozusagen nebenbei, den Besuch im Bürgerbüro miterledigen.
Die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger, aber auch moderne IT und die Möglichkeiten des Internets müssen in Forderungen und Vorschlägen für die Gestaltung der Zukunft unserer Verwaltung immer eine Rolle spielen. Wer diese Dinge außer Acht lässt, geht nicht voran, sondern lebt in der Vergangenheit.
(Kommentar Franz-Reinhard Habbel)



