„Software, Daten und Menschen“

Digitalisierung ist ein politisches Thema geworden

| Redakteur: Susanne Ehneß

Wildwuchs eindämmen und Projekte gezielt abarbeiten – zwei Vorteile eines Digitalministeriums
Wildwuchs eindämmen und Projekte gezielt abarbeiten – zwei Vorteile eines Digitalministeriums (Bild: Pixabay / CC0)

MACH-Vorstand Rolf Sahre äußert sich im Interview zur Digitalisierung sowohl im Public Sector als auch in den aktuellen Wahlprogrammen – und zur Frage, ob Deutschland ein Digitalministerium braucht.

Rolf Sahre ist bei der MACH AG zuständig für die Bereiche Vertrieb, Finanzen, die eigene Softwareentwicklung, das Produktmanagement und das Marketing. Im Interview erläutert der Vorstand seine persönliche Einschätzung zur Digitalisierung der Öffentlichen Verwaltung.

Herr Sahre, was verstehen Sie selbst unter Digitalisierung?

Sahre: Für mich ist Digitalisierung sehr viel mehr als nur dieses häufig genutzte Schlagwort. Ich verbinde mit der Digitalisierung vor allem viele positive Aspekte, die unseren Alltag erleichtern. Viele Alltagssituationen können dank Smartphone, entsprechender Apps und Co. heutzutage deutlich schneller und einfacher als früher gelöst werden – ich möchte diese Entwicklungen nicht mehr missen! Auch in der Arbeitswelt konnten viele Prozesse durch entsprechende Lösungen bereits digitalisiert werden, wodurch Zeit für noch mehr wertstiftende Arbeit gewonnen wurde.

Worauf kommt es bei der Digitalisierung Ihrer Meinung nach an?

Sahre: Wenn man sich einmal fragt, worum es bei der Digitalisierung genau geht, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass hier drei Begriffe eine zentrale Rolle spielen: Software, Daten und Menschen.

Beim Thema „Software“ geht es zum Beispiel darum, welche digitalen Lösungen in einer Behörde zum Einsatz kommen. Dies umfasst Systemlösungen genauso wie spezifische Fachverfahren.

Der Begriff „Daten“ befasst sich mit der Frage, wie eine Verwaltung ihre digitale Wertschöpfungskette organisiert. Das heißt konkret: Werden Daten zentral oder dezentral in Dateninseln gehalten? Und wie gelingt es, den öffentlichen, den privaten und den Datenraum der öffentlichen Verwaltung sinnvoll und sicher zu verknüpfen und somit den Schatz der Daten zu heben?

Der dritte Aspekt bezieht sich auf die entscheidende Komponente der Digitalisierung: die „Menschen“. Denn letztlich sind es die Mitarbeiter in den öffentlichen Verwaltungen, die digitale Lösungen tagtäglich nutzen, digitale Prozesse gestalten und damit den Mittelpunkt aller Digitalisierungsprojekte darstellen.

Gibt es so etwas wie Erfolgsfaktoren für ein Digitalisierungsprojekt in der Öffentlichen Verwaltung?

Sahre: Es gibt sicherlich kein „Schema F“, das ein Projekt zum Erfolg führt – dafür sind die Prozesse und Aufgaben in der öffentlichen Verwaltung zu komplex. Entscheidend ist jedoch in jedem Fall, dass die Verwaltungsprozesse erst einmal optimiert werden, bevor es um die Digitalisierung geht. Dazu gehört auch, dass man zunächst überlegt, wie der mögliche Digitalisierungsgrad von Geschäftsprozessen überhaupt aussehen soll. Wenn man zum Beispiel in Richtung digitale Dividende denkt – und das empfiehlt sich meiner Meinung nach – dann sollte man nicht nur digitalisieren, sondern am Ende auch einen Großteil der Prozesse automatisieren.

Was bedeuten Digitalisierung und Automatisierung für die Mitarbeiter der Verwaltung?

Sahre: Das ist natürlich ein hochsensibles Thema. Ich glaube, dass sich an diesem Thema sogar entscheiden wird, ob die Digitalisierung gelingen kann. Wenn man hier nicht konsequent prozessual denkt, wird die Digitalisierung dazu führen, dass die Arbeitswelt komplizierter wird und das Arbeitsaufkommen sich unter Umständen sogar erhöht, weil auf der Arbeitsseite keine Entlastung erzielt wird. Es stellt sich ja durchaus die Frage – zum Beispiel bei der elektronischen Rechnungsbearbeitung – was die Menschen in Zukunft machen, wenn das Abtippen der Rechnung wegfällt? Hier sehe ich große Chancen, die freigewordene Arbeitskraft an anderer Stelle wieder wertschöpfend in die Verwaltung einzubringen.

Was bedeutet das Thema Digitalisierung für die MACH AG?

Sahre: Digitalisierung ist das Kernthema, das uns in allen Projekten beschäftigt. Wir begleiten unsere Kunden seit über 30 Jahren sehr intensiv und nachhaltig bei der Optimierung und Digitalisierung ihrer Prozesse bis hin zur Automatisierung. Hier leisten nicht nur unsere Lösungen im Bereich Enterprise Ressource Planning (ERP) und Enterprise Content Management (ECM) einen entscheidenden Beitrag – immer wichtiger wird für unsere Kunden das Thema Prozessmanagement und damit die strukturierte Analyse und Optimierung der Geschäftsprozesse als Basis der Digitalisierung.

Aktuell zeigt die hohe Nachfrage nach unseren Lösungen und Beratungsleistungen, dass hier ein immenser Bedarf besteht und letztendlich viel bewegt werden kann. Gerne begleiten wir als Experten und Lösungsanbieter für die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung diesen spannenden Prozess und treiben die Digitalisierung damit aktiv voran.

Die Länder Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen haben eine neue Landesregierung gewählt – welche Rolle hat das Thema Digitalisierung hier gespielt?

Sahre: Insgesamt kann man sagen, dass das Thema Digitalisierung mittlerweile auch den politischen Raum erreicht hat. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Digitalisierung viele Bereiche der Gesellschaft verändert. Damit ist das Thema automatisch auch für die Politik relevant. Letztlich geht es dabei aber um mehr als Industrie 4.0 oder den Breitbandausbau. Die Politik beschäftigt sich mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft und wie wir mit den daraus resultierenden Folgen umgehen. Das haben inzwischen alle Parteien erkannt und in ihre Wahlprogramme aufgenommen.

Wird mit den neuen Koalitionen nun alles anders? Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter.

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