Schulen im digitalen Steinzeitalter

Digitale Schule in der Warteschleife

| Autor / Redakteur: Petra Adamik / Margrit Lingner

Die digitale Schule steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen.
Die digitale Schule steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. (Bild: maglara - Fotolia.com)

Internet, Smartphone, Tablet oder Notebook – modernste digitale Medien prägen heute den Alltag von Schülern und Studenten. Hinter den Schultoren sieht das allerdings oft noch anders aus. Zwar haben Bits und Bytes Einzug in die Klassenräume gehalten. Allerdings nur rudimentär, denn die Digitalisierung kommt nur schleppend voran.

Die Vorstellung vom Lehrer, der lieber an der Tafel steht und so lehren will, wie Generationen von Lehrern vor ihm, ist ein Klischee. Bereits in der Vergangenheit haben repräsentative Studien gezeigt, dass der digitale Unterricht nicht am Willen der Lehrkräfte scheitert. Bremser der Digitalisierung sind vielmehr die veraltete Ausstattung der Schulen sowie die fehlenden Möglichkeiten, moderne Techniken im Unterricht zu nutzen.

Digitale Strategie für Schulen gefordert

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Von Erfahrungen dieser Art berichtet auch Dr. Julia Behrens. Die promovierte Pädagogin beschäftigt sie sich seit über zehn Jahren mit den Themen „Lebenslanges Lernen, Weiterbildung und Bildungspolitik“. Seit 2012 arbeitet sie für die Bertelsmann Stiftung schwerpunktmäßig zu Fragen der Digitalisierung von Bildung und Lernen. Digitales Lernen könne wunderbar funktionieren, wenn da nicht die vielen kleinen Hürden wären, mit denen man nicht rechnen könne, berichtet die Pädagogin in ihrem Blog. Dazu gehört beispielsweise die Architektur eines Gebäudes.

So habe ihr ein Lehrer berichtet, dass es an seiner Schule ein fantastisches Whiteboard gäbe, das aber ­leider nicht benutzt werden könne. Der absurde Grund dafür: Die Schule hat keinen Aufzug. Und das gute Stück stehe im Erdgeschoss, in dem sich keine Klassenräume befinden. Kein Einzelfall, wie diverse Untersuchungen zeigen. Hier besteht in Deutschland erheblicher Nachholbedarf an den Lehranstalten, sonst geht der Unterricht mittelfristig am realen Leben vorbei.

Digitale Bildung nur Mittelfeld

Statistiken zeigen, dass im Internet pro Minute etwa 204 Millionen eMails verschickt und 13,8 Millionen WhatsApp-Nachrichten versendet sowie rund 42.000 Fotos bei Instagram hochgeladen werden. Nicht zu vergessen die 277.000 Tweets, die innerhalb einer Minute gesendet werden. Das ist die Lebensrealität, mit der Kinder und Jugendlich tagtäglich konfrontiert sind.

In den Schulen bietet sich ein anderes Bild. Die internationale ICIL-Studie (International Computer and Information Literacy) belegt, dass Deutschland bei der Digitalen Bildung im weltweiten Vergleich eher einen Platz im Mittelfeld belegt. Gerade einmal 1,5 Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler haben bei der Studie die höchste Kompetenzstufe erreicht. Computereinsatz findet an deutschen Schulen viel zu selten, wenig sinnvoll und kaum fächerübergreifend statt, so der Tenor der Studie. Nur 30 Prozent arbeiten in der Schule regelmäßig mit digitalen Medien; der internationale Mittelwert liege bei 52 Prozent.

Die stärkere Verankerung digitaler Medien in alle Lernprozesse ist allerdings in einer technologisch geprägten Welt zwingend notwendig, sonst droht international auf längere Sicht der Abstieg, so die Studie.

Whiteboards und Flexibilität im Unterricht

Whiteboards werden im Unterricht immer häufiger genutzt. Wegen ihrer Ähnlichkeit zu klassischen Tafeln lassen sie sich natürlicher verwenden als Desktop-Computer mit Projektoren. Lehrer können die Klasse am Whiteboard mit typischen Zeigegesten durch den Stoff führen, was für beide Seiten komfortabler ist, als ein projizierter Mauszeiger.

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