Top 100 Dienstleistungen für die Wirtschaft

Die Wirtschaft braucht ein eGovernment-Verbundportal

| Autor: Manfred Klein

Dirk Stocksmeier, Vorstandsvorsitzender der Berliner init AG, spricht sich für eine stärkere Bündelung der eGovernment-­Angebote – auch für die Wirtschaft – aus
Dirk Stocksmeier, Vorstandsvorsitzender der Berliner init AG, spricht sich für eine stärkere Bündelung der eGovernment-­Angebote – auch für die Wirtschaft – aus (Bild: Viviane Wild)

Nach der Studie „Die Top 100 der Verwaltungsdienstleistungen für Bürger“ ist nun im Auftrag des BMWi die Studie „Die Top 100 Verwaltungsdienstleistungen für Unternehmen“ erschienen. eGovernment Computing sprach mit dem Herausgeber Dirk Stocksmeier, Vorstandsvorsitzender der init AG über die Ergebnisse.

Herr Stocksmeier, das Bundeswirtschaftsministerium hat die Studie der Top 100 Verwaltungsleistungen für Unternehmen veröffentlicht, in der die wichtigsten und am häufigsten genutzten Verwaltungsleistungen identifiziert wurden. Welche Idee steckt dahinter?

Stocksmeier: Hintergrund beider Top-100-Studien – sowohl für Bürger als auch für Unternehmen – ist das Ziel der Regierungskoalition, diese Verwaltungsleistungen bundesweit einheitlich zu digitalisieren. Dahinter stehen zwei Gedanken: Erstens sollen durch eine Priorisierung genau die Leistungen in den Blickpunkt rücken, mit denen eine spürbare Wirkung erzielt werden kann. Zweitens sollen angesichts knapper Ressourcen gemeinsame Schwerpunkte gesetzt werden.

Worin unterscheiden sich die beiden Studien – der „Top Verwaltungsleistungen für Bürger“ und jetzt der „Top Verwaltungsleistungen für Unternehmen“ – in ihren zentralen Ergebnissen?

Stocksmeier: Beide Studien nehmen eine Priorisierung vor. Doch Bürger und Unternehmen haben größtenteils unterschiedliche Kontakte zur Verwaltung, sodass jeweils andere Leistungen oder Leistungsbündel besonders wichtig sind und auch häufig auftreten.

Bei den Bürgern hat sich herausgestellt, dass Leistungen im Bereich Familie (Geburt und Kinderbetreuung), Bildung (Berufsausbildung und Studium) und Zuwanderung besonders relevant sind. Bei den Unternehmen liegen die wichtigen Kontakte in den Bereichen Steuern und Abgaben, Forschung und Entwicklung, Produktionsanlagen und -stoffe sowie bei den Aufgaben als Arbeitgeber.

Weitere Themen der Unternehmen sind Finanzierung und Förderung, Statistik und Berichtspflichten und Gründung von Unternehmen.

Es gibt nichtsdestotrotz auch Leistungen, die sowohl für Bürger als auch für Unternehmen wichtig sind. Deshalb sehen wir auch eine Überschneidung bei einzelnen Leistungen, unter anderem bei Steuern, Kfz, Führungszeugnis oder ausländischen Beschäftigten.

Nach welchem Muster wurden die Verwaltungsleistungen für die Wirtschaft klassifiziert?

Stocksmeier: Ähnlich wie Bürger, müssen auch Unternehmen in einer bestimmten Situation meist mehrere Verwaltungskontakte bewältigen, um ein Anliegen zu erledigen. So geben Unternehmen am Monatsende nicht nur eine Umsatzsteuervoranmeldung ab, sondern auch eine Meldung für Lohnsteuer und Sozialversicherungen. Ebenso vielfältig ist es, wenn Unternehmen eine Anlage errichten, einen Mitarbeiter einstellen oder einen neuen Standort errichten. Allerdings unterscheiden sich einige Verwaltungskontakte von Branche zu Branche, bei verschiedenen Unternehmensgrößen oder aufgrund anderer Faktoren. Deshalb haben wir die Kontakte der Unternehmen nach „Geschäftslagen“ gebündelt.

Diesen haben wir dann mit den sogenannten „Kernleistungen“ die Verwaltungskontakte zugeordnet, die eine besonders große Rolle spielen. Auch für die Wirtschaft gilt, dass digitale Lösungen eher genutzt werden, wenn nicht bloß ein Teil der Prozesse digitalisiert wird, sondern sämtliche Verwaltungskontakte, die mit einer Geschäftslage im Zusammenhang stehen.

Insofern sollen aus unserer Sicht zunächst die Kernleistungen einer Geschäftslage umgesetzt werden, weil mit diesen eine besonders ­große Wirkung erzielt wird. Aber natürlich bieten auch die übrigen Leistungen Digitalisierungschancen, die anschließend gehoben werden sollten.

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