Hochschulmedizin

Die elektronische Patientenakte kommt

| Autor: Susanne Ehneß

Die elektronische Patientenakte wird derzeit entwickelt
Die elektronische Patientenakte wird derzeit entwickelt (Bild: mcmurryjulie/Pixabay / CC0)

Die elektronische Patientenakte rückt in greifbare Nähe. Die Hochschulmedizin sitzt derzeit an der Entwicklung – und erhält Rückenwind durch eine Expertise der Bertelsmann-Stiftung.

Die digitale Patientenakte erhält derzeit massiv Schub. So fordert der Verband Deutsche Hochschulmedizin eine vernetzte elektronische Akte, „die dem behandelnden Arzt für jeden Patienten bei jedem Behandlungsschritt alle relevanten Informationen sowieso das neueste Wissen elektronisch zur Verfügung stellt“.

Dazu solle die Anbindung an die klinische und biomedizinische Forschung möglich sein. Aus routinemäßig im klinischen Betrieb anfallenden Patientendaten sollen rasch und zielgerichtet neue Erkenntnisse über Erkrankungen und erfolgreiche Behandlungskonzepte gewonnen werden. Umgekehrt sollen gesicherte neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die Patientenversorgung zurück fließen. „Der Schutz der Patientenrechte und -daten hat dabei Priorität“, heißt es vonseiten des Verbands.

Mehrwert für Patienten

Eine vernetzte und forschungskompatible Patientenakte bietet laut Hochschulmedizin vier Vorteile für Patienten:

  • 1. Patientenbezogen klinische Daten bündeln: Die elektronische Zusammenführung relevanter Daten unterschiedlicher Gesundheitseinrichtungen soll den behandelnden Ärzten – die Zustimmung des Patienten vorausgesetzt – ein besseres Bild über die Situation des Patienten und des Erkrankungsverlaufs liefern. Das kann die Behandlung verbessern und die Patientensicherheit erhöhen, etwa weil Diagnosen schneller und präziser gestellt, Doppeluntersuchungen vermieden oder unerwünschte Arzneimittelwirkungen früher erkannt oder verhindert werden können.
  • 2. Informationstechnologische Voraussetzungen für maßgeschneiderte Therapien schaffen: Dank neuer Technologien, etwa innovativer Bildgebung, Daten aus (tragbaren) Sensoren oder der Gensequenzierung, können Patienten immer individueller charakterisiert werden. Dadurch gelingt es immer häufiger, den für den Patienten besten Behandlungsansatz bereits vor Therapiebeginn zu bestimmen. Diese maßgeschneiderten Therapien können zu höheren Behandlungserfolgen führen oder Nebenwirkungen reduzieren. Allerdings erfordern die neuen Technologien und die patientenbezogene Zusammenführung von Daten die sichere Handhabung und die Überschaubarkeit großer Datenmengen durch den behandelnden Arzt. Dazu müssen die Patientendaten systemmedizinisch analysiert und zu abgesicherten Erkenntnissen und Handlungsoptionen verdichtet werden. Diese Verdichtung wird nur mit Hilfe evidenzbasierter Entscheidungsunterstützungssysteme möglich sein. Für deren Entwicklung bzw. Nutzung sollen Methoden der klinischen Epidemiologie, der medizinischen Statistik und Biometrie sowie der Bioinformatik eingesetzt werden.
  • 3. Patientendaten für wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt nutzen: Routinemäßig im klinischen Alltag anfallende Versorgungsdaten können in Deutschland bisher kaum für die Forschung genutzt werden. Die Verknüpfung von Datensätzen aus Forschung (z. B. Biobanken, Gendatenbanken, Daten aus Studien) und Patientenversorgung kann jedoch Zusammenhänge aufdecken, etwa zwischen einzelnen Genen, Lebensstilen und Erkrankungen oder Komplikationen. Die kombinierte Nutzung dieser Daten fördert Innovationen in Diagnostik, Therapie und Prävention. Zudem eröffnen große klinische Datensätze Chancen für die frühere Erkennung von seltenen Komplikationen, Risiken und Nebenwirkungen, etwa bei Arzneimitteltherapien. Auch die Datenlage für die Erforschung seltener Erkrankungen würde verbessert. Patienten, die für eine klinische Studie in Frage kommen, könnten – ihre Bereitschaft vorausgesetzt – schneller und zielgerichteter informiert und ggf. eingebunden werden. Der Patientennutzen von innovativen Versorgungsmodellen oder neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden könnte rascher und zuverlässiger wissenschaftlich überprüft werden.
  • 4. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse ohne Zeitverzug im Versorgungsalltag verfügbar machen: Heute dauert es oft zu lange, bis gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse in der Patientenversorgung berücksichtigt werden. Neues Wissen steht bei Behandlungsentscheidungen oft noch nicht überall zur Verfügung. Deshalb soll die forschungskompatible vernetzte Patientenakte gesicherte Forschungsergebnisse schneller für die Patientenversorgung bereitstellen.

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