Big Data in Behörden und Kliniken

Der Staat als modernes Unternehmen

| Autor: Susanne Ehneß

Abgeschottet: Für geplante Digitalisierungsvorhaben sind Datensilos hinderlich
Abgeschottet: Für geplante Digitalisierungsvorhaben sind Datensilos hinderlich (Bild: © buhanovskiy/ Fotolia.com)

Im Gespräch erklärt Susanne Diehm, Leiterin Public Services & Healthcare und Mitglied der Geschäftsleitung bei SAP, weshalb deutsche Verwaltungen und Krankenhäuser ihr Silo-Denken hinter sich lassen sollten.

Sind Datensilos in deutschen Verwaltungen der Normalfall?

Diehm: Der Blick auf ein Datensilo ist unterschiedlich – je nachdem ob eine Behörde, ein Verwaltungsträger oder ein Unternehmen Daten speichert. In Unternehmen ist es meist nur noch historisch erklärbar, wenn Daten zu Kunden, Bestellungen und Lieferungen in unterschiedlichen Formaten und unterschiedlich beschrieben vorliegen. In der Vergangenheit ist das geschehen, wenn Fachabteilungen ihre Stammdaten nach eigenen Vorstellungen in unterschiedlichen IT-Systemen abgespeichert haben und folglich die Kundendaten verteilt auf mehreren Systemen in ­Vertrieb, Service und Buchhaltung in anderer Struktur vorlagen. Für moderne Unternehmen ist das schlicht nicht mehr zeitgemäß.

Anders ist das grundsätzlich bei Behörden. Vor allem die strenge datenschutzrechtliche Zweck­bestimmung hat es in der Vergangenheit verboten, Daten aus ­unterschiedlichen Quellen wie Einwohnermeldeamt, Polizei, Schul- und Sozialämtern miteinander zu verbinden.

Daher sind Datensilos in der Verwaltung eher der Normalfall, aber für geplante Digitalisierungsvorhaben, die auch für die Verwaltung von großer Bedeutung sind, einfach hinderlich.

Inwiefern könnte die Verwaltung von Big-Data-Analysen profitieren?

Diehm: Big-Data-Analysen ermöglichen es, große Mengen strukturierter als auch unstrukturierter Daten zu analysieren. Dies kann zum Beispiel nützlich bei der Überwachung beziehungsweise Bewertung der Wirksamkeit von Fördermaßnahmen sein, oder auch, um mögliche Verhaltensmuster bezüglich eines Steuer- oder Sozialversicherungsbetrugs zu erkennen.

Aber auch im Katastrophenschutz, bei der Verkehrsplanung und vor allem auch bei der Verkehrssteuerung wird es immer wichtiger, ­Daten aus unterschiedlichsten Quellen in Echtzeit zu verarbeiten.

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Werden komplexe, ämterübergreifende Datenanalysen bereits jetzt durchgeführt – und wenn ja, zu welchem Zweck?

Diehm: Ämterübergreifende Datenanalysen sind in den meisten Bereichen derzeit noch die Ausnahme. Aber gerade im Hinblick auf die stetig wachsenden Gefahren durch Cyberattacken und sogar Cybererpressungen, auch für die Öffentliche Verwaltung, wird immer klarer, dass eine Kommune oder eine Behörde durch Firewall und Virenscans allein nicht geschützt ist. Es werden zusätzlich professionelle Lösungen benötigt, die den Datenverkehr in Echtzeit überprüfen und sichern. Hierbei schafft ein koordiniertes und vernetztes Vorgehen zusätzliche Sicherheit.

Daher gibt es bei den Sicherheitsbehörden Anstrengungen, in eine moderne und intelligent vernetzte IT-Infrastruktur zu investieren, die es erlaubt, nicht nur große Datenmengen zu verwalten, sondern diese anschließend auch schnell und effektiv zu analysieren. SAP hat daher vor einigen Jahren eine Software-­Lösung für den Eigenbedarf zum Schutz der hauseigenen SAP-Anwendungen entwickelt. Diese Lösung kann inzwischen auch von Kunden erworben werden und wurde aufgrund der wachsenden Gefahr zusätzlich erweitert, so dass damit inzwischen auch Nicht-SAP-Anwendungen umfassend geschützt werden können.

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