Graphtechnologie

Das eGovernment der Zukunft

| Autor / Redakteur: Stefan Kolmar* / Susanne Ehneß

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Auch öffentliche Behörden müssen sich in Zeiten von Internet und Big Data mit Themen wie schnell wachsenden Datenmengen und komplexen Strukturen auseinandersetzen. Nach dem Vorbild vieler Unternehmen entscheiden sich deshalb immer mehr staatliche Einrichtungen für die Nutzung von Graphdatenbanken. Diese können die Behörden in unterschiedlichsten Bereichen unterstützen – in der Verwaltung, beim Aufdecken von Steuerhinterziehung bis hin zum Schutz der inneren Sicherheit.

Im Öffentlichen Dienst werden täglich unzählbare Mengen an Informationen erzeugt, verändert und verschoben. Zur Verwaltung der Daten kommen in der Regel relationale Datenbanken (RDBMS) zum Einsatz, in denen die Daten in Tabellen und Spalten modelliert und über komplexe (Selbst-) Verknüpfungen miteinander verbunden sind. Verbindungen zwischen den Tabellen lassen sich nur über sogenannte Joins der Primär- und Fremdschlüssel-Tabelle berechnen.

Je größer die Datenmenge und je heterogener die Datenstruktur, desto schneller stoßen diese Datenbanken an ihre Grenzen: Die Abfragen gestalten sich als zu komplex und zu aufwändig, während die Antwortzeiten sich in die Länge ziehen.

Der entscheidende Vorteil: Datenverbindungen

Hier besitzen Graphdatenbanken gegenüber relationalen Systemen einen entscheidenden Vorteil: Sie berücksichtigen nicht nur einzelne Daten, sondern auch die Beziehungen zwischen ihnen. So entsteht ein semantischer Kontext an Informationen, der neue Einblicke eröffnet und Zusammenhänge aufdeckt.

Aufgrund der Struktur einer Graphdatenbank können Beziehungen zwischen einzelnen Personen nicht nur gespeichert, sondern auch abgefragt werden – und das in Echtzeit. Zudem lassen sich den Personen Eigenschaften wie persönliche Vorlieben zuordnen.

Welche Vorteile dieser Fokus auf die Verbindungen mit sich bringt, zeigt der Erfolg von sozialen Netzwerken wie Facebook, LinkedIn oder Twitter. Graphdatenbanken punkten überall dort, wo die Beziehungen zwischen Mitgliedern einer Gruppe eine entscheidende Rolle spielen. Interessant ist dies zum Beispiel für Online-Shops, in denen Kunden Kaufempfehlungen auf Basis ihrer Einkaufshistorie, Bewertungen und Kontakte erhalten. Ist Kunde A mit Kunde B vernetzt, ist es sinnvoll, beiden den gleichen Artikel ans Herz zu legen.

Ein weiteres Einsatzgebiet findet sich im Identity und Access Management: Graphbasierte Systeme stellen hier sicher, dass nur Personen mit der entsprechenden Berechtigung Zugang zu bestimmten und oft sensiblen Daten erhalten.

Stammdatenmanagement bildet die reale Welt ab

In einem Graphen lassen sich die komplexen Verbindungen zwischen Menschen, Orten, Eigenschaften und Aktionen abbilden, so dass ein realitätsnahes Bild der Welt entsteht. Ein Vorteil, der auch für die Öffentliche Verwaltung und staatliche Behörden entscheidend ist. So können sie sicherstellen, dass sie die von ihnen erwarteten Dienstleistungen für die Bürger schnell und effizient erfüllen.

Auch bislang getrennte Datensilos lassen sich besser verknüpfen, um den Datenaustausch zwischen den Verwaltungsapparaten zu beschleunigen und Verfahren und Anträge von Bürgern unkomplizierter zu bearbeiten.

Graphdatenbanken punkten zudem mit einer hohen Skalierbarkeit, die ideal für das Stammdatenmanagement ist – auf kommunalen, regionalen, nationalen oder internationalen Verwaltungsebenen. Unterschiedliche Backend-Datenquellen können zusammengeführt werden, sodass ein einheitliches Datenmodell entsteht und neue Synergien ausgeschöpft ­werden können. Das Hinzufügen neuer Datensätze ist problemlos.

In Behörden lassen sich so zum Beispiel Datensätze unterschiedlicher Referate und interner Stellen verknüpfen, um Muster und damit Trends und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Dazu zählen beispielsweise demographische Daten, aktuelle Gesetzesvorgaben oder -änderungen sowie Angaben über Sozialdienstleistungen. Langwierige bürokratische Verfahren und Prozesse verlaufen so deutlich effizienter und können abgekürzt werden.

Ein graphbasiertes System für Stammdaten bietet hier eine ideale Alternative zu herkömmlichen Datensilos, die auch Datenschutzrichtlinien entspricht: Anstatt alle Daten an einem zentralen Ort abzulegen, können in einer Art ­Register-Datenbank Metadaten hinterlegt werden, die auf die Stammdaten verlinken.

Bitte lesen Sie auf der nächsten Seite zum Thema „Grenzschutz“ und „Smart Cities“ weiter.

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